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Hafenentwicklung mit Schlagseite

16. April 2012

WWF: Hafenentwicklungsplan stellt keine Weichen für eine gesunde Unterelbe

Hamburger Hafen © Karl-Heinz Böhnke / WWF
Hamburger Hafen © Karl-Heinz Böhnke / WWF

Am Hamburger Hafenentwicklungsplan begrüßt der WWF die festgeschriebene Zielvorgabe einer ökologisch und ökonomisch ausgeglichenen Tideelbe. Allerdings bestehe die Gefahr, dass dies ein „reines Lippenbekenntnis“ bleibt, da der Hafenentwicklungsplan Umweltziele und im Gegensatz zu wirtschaftsfördernden Maßnahmen nicht konkret benennt. „Wer Balance herstellen will, muss beide Waagschalen befüllen – im Hafenentwicklungsplan bekommen Umweltschutzmaßnahmen jedoch kein Gewicht“, kritisiert Beatrice Claus, Naturschutzexpertin der WWF. „Die genannten Ansätze sind zu unverbindlich, unterfinanziert oder an eine weitere Verschlechterung der Situation durch zukünftige Eingriffe gebunden.“

Der WWF fordert in seiner heutigen Stellungnahme, dass vergleichbar mit den wichtigsten aufgeführten Verkehrsinfrastrukturprojekten für das Hamburger Hinterland auch die unverzichtbaren Aktivitäten und Projekte zur Wiederherstellung einer ökologisch intakten Unterelbe im Hafenentwicklungsplan festgeschrieben werden. Hierzu zählen u.a. die Vergrößerung der Flusslandschaft durch eine Rückverlegung von Deichen, der Erhalt des typischen, vielfältigen Strömungsmusters sowie die Anbindung von abgetrennten Nebenarmen der Elbe. Vergleichbar mit den ökonomischen Zielen müsse auch die Wiedererstellung eines „günstigen Erhaltungszustand der Tideelbe“ wie sie europäisches Naturschutzrecht (Flora-Fauna-Habitatrichtlinie) vorschreibt, als ökologisches Ziel im Hafenentwicklungsplan definiert werden.

Der WWF begrüßt ausdrücklich die Einrichtung der Stiftung „Lebensraum Elbe“. Allerdings sei die finanzielle Ausstattung der Stiftung nicht ausreichend, um die für eine ökologische Verbesserung notwendigen Großprojekte zu finanzieren und Schäden im Naturhaushalt durch die  geplanten Infrastrukturmaßnahmen zu vermeiden oder auszugleichen.

Auch die Möglichkeiten einer Aufgaben- und Arbeitsteilung der deutschen Seehäfen müssen nach Ansicht des WWF deutlich mehr Bedeutung im Hafenentwicklungsplan bekommen „Hamburg muss ernsthaft mit den anderen deutschen Nordseehäfen zusammenarbeiten, um überdimensionierte Planungen zu vermeiden“ so WWF Expertin Claus. „Mangelnde Kooperation zwischen den Häfen geht letztlich zu Lasten der Natur und des Steuerzahlers. Der WWF erkennt die besondere Bedeutung des Hafens für Hamburg an und damit die Notwendigkeit die Wettbewerbsposition des Hafens zu sichern und zu stärken. „Die Bedeutung der angestrebten Steigerung des Containerumschlags auf 25 Mio TEU im Jahre 2025 sowie die geplante Vertiefung der Elbe wird allerdings überbewertet“, so Beatrice Claus. Bereits 2009 übte eine WWF-Studie zu den Arbeitsplatzeffekten im Hamburger Hafen durch die geplante Elbvertiefung scharfe Kritik an den Planungsgrundlagen der Stadt. Die Studie wurde vom  Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) durchgeführt.

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