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Gentechnik auf dem Teller

21. August 2012

Gentechnisch-verändertes Soja dominiert deutschen Markt. / Fleisch, Eier, Milch: Ohne Kennzeichnungspflicht sind Verbraucher machtlos.

© agrarfoto.com / WWF
© agrarfoto.com / WWF

Berlin – Wer konventionelles Schweine- und Hühnerfleisch isst, muss davon ausgehen, dass die Tiere zuvor mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert wurden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des WWF Deutschland, die am Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde. Demnach sind über 80 Prozent aller Soja-Importe für den deutschen Markt aus gentechnisch veränderten Bohnen – und das, obwohl deren Anbau in der gesamten EU untersagt ist. „Gentechnik landet mit Fleisch, Eiern oder Käse auf unseren Tellern, ohne dass wir es wissen. Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch-verändertem Futtermittel gefüttert werden, müssen bisher nicht gekennzeichnet werden“, warnt Dr. Birgit Wilhelm, Agrarreferentin beim WWF Deutschland. Um den Verbraucher die Wahl zu ermöglichen, fordert sie eine entsprechende Kennzeichnungspflicht auf alle tierischen Produkte – von Fleisch und Wurst bis hin zu Eiernudeln.

 

Zugleich wird in der Studie die mangelhafte Transparenz auf dem deutschen Markt kritisiert. Die großen Händler wie Cargill, ADM und Bunge seien nicht bereit, Auskunft über den Anteil Gentechnik-freien Sojas zu geben. Der häufig geäußerte Vorwand, es sei nicht genügend Gentechnik-freies Soja verfügbar, entlarven die Recherchen als falsch. Demnach hält der Weltmarkt bereits heute die für Deutschland benötigte Menge bereit, wie Soja-Produzenten in den Anbauländern sowie Zertifizierungsunternehmen bestätigten. „Die Käufer müssten lediglich gentechnikfreie Ware bestellen, dann werden auch wieder größere Mengen gentechnikfreies Soja angebaut“, so Birgit Wilhelm. „Wenn die Nachfrage aus Europa steigt, wirkt sich das sofort aus.“

 

Der WWF Deutschland fordert Unternehmen auf, dem Wunsch der Konsumenten endlich nachzukommen und konsequent Bio-Soja, gentechnikfreies Soja nach ProTerra Standard (Basler Kriterien) oder die gentechnikfreie Lieferkette des RTRS zu nutzen. Beide Zertifizierungssysteme enthalten Mindestanforderungen in Bezug auf Sozial- und Landumwandlungsstandards, Chemikalieneinsatz oder Bodenqualität. Bei beiden Systemen bestehe jedoch erhebliches Verbesserungspotenzial insbesondere in Bezug auf den Einsatz gefährlicher Chemikalien, die Entwaldung und die Bodenfruchtbarkeit. Eine weitere Alternative sei es, Soja durch andere Futtermittel zu ersetzen, was – je nach Tierart – auf unterschiedliche Weise möglich wäre.

 

„Durch den massiven Import von Soja gibt es nicht nur negative Umweltauswirkungen in den Anbauländern, sondern es wurden auch heimische, proteinreiche Futtermittel zunehmend vom Markt gedrängt und viele Wiederkäuer auf eine Weise gefüttert, die einer artgerechten Fütterung widerspricht“, heißt es in dem Bericht. Jährlich werden in Deutschland rund 4,5 bis 4,6 Mio. Tonnen Sojaschrot in der Futtermittelindustrie eingesetzt. Herkunftsländer sind vor allem die USA, Brasilien und  Argentinien.

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