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Todesfallen im Schweinswalschutzgebiet

18. Mai 2012

WWF fordert Begrenzung der Fischerei in deutschen Meeresschutzgebieten / Minister und Bundesländer in der Pflicht / Internationaler Tag des Ostseeschweinswals am 20. Mai

Schweinswal. © Bernd Lammel / WWF
Schweinswal. © Bernd Lammel / WWF

Hamburg - Die Todesfallen in seinem Schutzgebiet sind für den Schweinswal unsichtbar. Vor den Stellnetzen der Fischerei versagt auch sein Echolot. Deutschlands einzige Walart kämpft daher in der Ostsee ums Überleben. Häufigste Todesursache des Schweinswals ist die Fischerei, die in allen ausgewiesenen deutschen Meeresschutzgebieten immer noch ohne Einschränkung betrieben wird. Anlässlich des Tags des Ostseeschweinswals am Sonntag, 20. Mai fordert der WWF einen effektiven Schutz bedrohter Arten vor Fischereiaktivität in deutschen Meeresschutzgebieten.


„Fischerei ist die menschliche Aktivität, die den Artenreichtum der Meere am stärksten schädigt – trotzdem findet sie in unseren Meeresschutzgebieten ungehindert statt und fordert auch prominente Opfer wie den Schweinswal“, sagt Jochen Lamp, Meeresschutzexperte des WWF. Deutschland hat mehr als 30 Prozent seiner Meeresgewässer in Nord- und Ostsee als Schutzgebiete ausgewiesen. Über 4.500 Quadratkilometer – also etwa die Fläche von Saarland, Berlin, Hamburg und Bremen zusammen – sind in der deutschen Ostsee offiziell dem Schweinswalschutz gewidmet. Aber jeder Quadratkilometer davon darf befischt werden, weil seit sechs Jahren keine Auflagen für die Fischerei in Schutzgebieten erlassen werden. „Während in den Behörden Stillstand herrscht, ersticken die Schweinswale weiterhin qualvoll in Stellnetzen“, verdeutlicht Lamp. In elf Jahren von 1994 bis 2005 ist der Schweinswalbestand zwischen Kattegat und Fehmarn um 60 Prozent geschrumpft. Die Zahl der Todfunde nimmt laut WWF insbesondere in der westlichen Ostsee zu. Häufig weisen die toten Wale Verwundungen durch Fischernetze auf. Schweinswale tauchen auf Nahrungssuche bis zu 90 Meter tief und können dabei für etwa 6 Minuten die Luft anhalten. Wenn sich ein Tier  dabei in einem der zahlreichen Stellnetze verheddert, erstickt es.

 

Der WWF fordert, dass 50 Prozent der geschützten Meeresfläche fischereifrei bleiben muss, damit sich das Ökosystem erholen kann. Im restlichen Schutzgebiet müssten ökologisch bedenkliche Fangtechniken zeitlich oder räumlich begrenzt werden. Dringenden Handlungsbedarf für die 20 küstennahen Schweinswalschutzgebiete sieht der WWF bei den Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Während der Jungenaufzucht ab Mai bis August halten sich Schweinswalmütter mit ihren Kälbern vermehrt in der Eckernförder Bucht oder im Gebiet vor Fischland-Darß auf. In den sechs Meeresschutzgebieten in der deutschen AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) der Ostsee müssen Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium die schädlichen Auswirkungen der Fischerei einschränken und ihre Maßnahmenvorschläge an die EU-Kommission melden. Bis Ende 2013 müssen die Management-Maßnahmen für diese Natura-2000 Gebiete festgelegt sein. „Um den Ostseeschweinswal zu schützen muss die Politik auf allen Ebenen dringend ihre Hausaufgaben machen“, fasst Lamp zusammen.


Steckbrief Schweinswal:
Sie werden nur 1,5 bis 2,0 Meter lang und sind damit die kleinsten Wale, die in offenen Gewässern leben. Schweinswale jagen hauptsächlich kleine Fische wie Heringe, Makrelen, Sandaale und Plattfische wie Scholle und Flunder. Menschliche Aktivitäten verändern ihren Lebensraum und gefährden die Schweinswale. Fischerei, insbesondere mit Stellnetzen, zählt zu den Hauptbedrohungen. Schnellfähren und Lärm z.B. durch den Bau von Offshore-Windkraftanlagen stellen ebenfalls ein Problem dar. Wahrscheinlich hat ein hohes Schadstoffniveau im Meerwasser negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit und das Immunsystem der Meeressäuger. Der Schweinswalbestand in der Zentralen Ostsee ist besonders gefährdet. Die Tiere unterscheiden sich genetisch von anderen Vorkommen und bilden eine eigene Population, die auf 100 – 400 Tiere geschätzt wird. Schon der Tod von 2 bis 3 Walen pro Jahr gefährdet hier das Überleben gesamten Population.

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