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Nashorn: Trauriger Rekord in Südafrika

17. Oktober 2012

Wilderer töten mehr Nashörner denn je

© Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK
© Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK

Berlin - Der WWF Südafrika meldet einen neuen Höchststand an gewilderten Nashörnern. Seit 2007 ist die Zahl der gewilderten Dickhäuter sprunghaft angestiegen, nun hat sie ein neues Rekordhoch erreicht: Seit Beginn des Jahres bis Mitte Oktober wurden 455 Tiere in Südafrika gewildert, davon 272 alleine im Krüger Nationalpark. Damit wurde der bisherige Negativ-Rekord von 448 Nashörnern vom Gesamtjahr 2011 dieses Jahr bereits im Oktober übertroffen. „Das Horn der Tiere gilt in Pulverform vor allem in Vietnam als Heilmittel gegen Krebs und andere Krankheiten, aber wird auch vorbeugend gegen Kater, zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens und zur Fiebersenkung eingesetzt. Der Glaube an die Wirkung des Pulvers hat die Nachfrage und somit die Wilderei stark in die Höhe getrieben“, erklärt Brit Reichelt-Zolho vom WWF Deutschland.

 

Afrika ist Heimat für zwei der weltweit fünf Nashornarten. Rund 25.000 Breit- und Spitzmaulnashörner leben dort. Die große Mehrheit davon, über 80 Prozent, in Südafrika. Nach der großen afrikanischen Wildereikrise in den 1970er Jahren hatten sich die Bestände erholt. Doch ab dem Jahr 2007, in dem 13 Tiere in Südafrika gewildert wurden, hat sich die Situation dramatisch verändert. Im Jahr 2010 waren es bereits 333 Tiere, im Jahr 2011 dann 448 Tiere und bis Jahresende 2012 könnten es bis zu 515 Tiere werden, die durch das Gewehr von Wilderern sterben. „Die Tiere pflanzen sich viel zu langsam fort, als dass sie den enormen Schwund durch Wilderei angemessen ausgleichen könnten. In 25 Jahren könnten die Dickhäuter in Afrika ausgestorben sein, wenn sich die derzeitige Entwicklung fortsetzt“, sagt Brit Reichelt-Zolho.

 

Grund für den starken Anstieg ist das Gerücht, dass ein ranghoher vietnamesischer Politiker seine Krebserkrankung durch Einnahme von Nashorn-Pulver überwunden hat. Seitdem boomt die Nachfrage und der Preis für das illegal gehandelte Horn schießt in die Höhe. Dabei besteht das Horn aus dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel. Keine Studie hat bisher irgendeine medizinische Wirkung nachweisen können. Zwar ist der Handel mit Nashorn nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen verboten, doch die Wilderer schneiden den Tieren das Horn vom Schädel, das im Durchschnitt pro Stück 3 bis 5 Kilo wiegt. Auf dem asiatischen Schwarzmarkt erhalten sie für ein Kilogramm 20.000 EUR. Zunehmend drängen daher kriminelle Banden auf den Markt, die neben illegalen Artenhandel auch im Menschen-, Drogen- und Waffenhandel aktiv sind. Tierärzte in Naturparks und sogar Angehörige der vietnamesischen Botschaft in Südafrika sind in den Nashorn-Schmuggel verwickelt gewesen. Auch in Europa gehen Kriminelle auf Nashornjagd: Sie stehlen Exponate aus Museen und Auktionshäusern.

 

„Wenn wir nicht wollen, dass die sympathischen Dickhäuter bald aussterben, müssen bestehende nationale Gesetze und internationale Abkommen wie CITES ernst genommen werden und endlich konsequent von den afrikanischen Regierungen durchgesetzt werden. Es gibt nicht genügend institutionelle Unterstützung und zu wenig gut ausgerüstete Wildhüter in Afrika, die sich gegen die Wilderer-Banden durchsetzen können. Diese Kriminellen haben ihre Netzwerke und umgehen Gesetze mittels Bestechung. Sie agieren oft über Ländergrenzen hinweg und entkommen so den Strafen im Ursprungsland. Deswegen müssen die betroffenen Staaten ihre Grenzen viel stärker kontrollieren, Transitpunkte wie Flughäfen und Häfen überprüfen und grenzübergreifende Anti-Wilderei-Programme entwickeln und umsetzen“, sagt Brit Reichelt-Zolho. Im Falle einer Verhaftung und Anklage werde zudem oftmals das mögliche Strafmaß nicht einmal annähernd ausgeschöpft. Dadurch sei das Risiko für die Wilderer relativ klein, der mögliche Gewinn aber riesig. Im Jahr 2012 wurden bisher 207 Wilderer in Südafrika verhaftet. Sollte die Wilderei-Krise anhalten, sieht der WWF bereits erzielte Erfolge beim Artenschutz im südlichen Afrika in Gefahr.

 

 

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