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Dänische Ölförderung bedroht Wale in der Nordsee

24. September 2012

Umweltverbände protestieren in gemeinsamer Stellungnahme gegen die dänischen Ölförderungspläne in der Nordsee und fordern eine klare Absage an das Vorhaben

Zwergwal © Jürgen Freund / WWF-Canon
Zwergwal © Jürgen Freund / WWF-Canon

Hamburg - Inmitten der Nordsee liegt die Doggerbank, ein Gebiet, das für seinen Fischreichtum und als Lebensraum von Schweinswal und Zwergwal bekannt ist. Nicht umsonst ist der deutsche Teil als wertvolles Natura-2000-Gebiet geschützt. Die dänische Seite genießt allerdings keinerlei Schutz. Hier soll in Zukunft in einem neuen Projekte Erdöl und Erdgas gewonnen werden. Neben der Ölförderung ist geplant, das Öl durch Einleiten von CO2 aus den Lagerstätten herauszupressen und das CO2 gleichzeitig dann dort einzulagern. Eine Allianz deutscher Umweltverbände kritisiert das Vorhaben der dänischen Regierung, weil mögliche Folgen sich grenzüberschreitend auf das deutsche Meeresschutzgebiet auswirken würden.

Für dieses Vorhaben hat die dänische Energiebehörde (Energistyrelsen) kürzlich eine strategische Umweltprüfung vorgelegt, die die Umweltauswirkungen bewerten soll. Eine gemeinsame Stellungnahme dazu wurde von den deutschen Umweltverbänden Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND, Deepwave, Deutsche Umwelthilfe, Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere e.V., Gesellschaft zur Rettung der Delphine, Greenpeace, IFAW, M.E.E.R. e.V., NABU, Schutzstation Wattenmeer, The Whale and Dolphin Conservation Society sowie WWF vorgelegt.

 

Die potentiellen Folgen der CO2-Verpressung umfassen u.a. den Austritt des Gases und damit Versauerung des Meerwassers sowie einen erheblich erhöhten Schiffsverkehr für den Gastransport. In der Folge verschlechtert sich das Nahrungsangebot für Meeressäuger. Auch seismische Untersuchungen mit sogenannten Druckluftkanonen (air guns) können bei den empfindlichen Walen, aber auch bei Fischen, Fischlarven und Vögeln, zusätzlich zu Vertreibungen oder Verletzungen bis hin zum Tod führen. Gleiche Effekte kann auch der Lärm durch das Einrammen von Pfählen beim Bau von Plattformen haben.

Die Verbände fordern daher, zuerst alle Alternativen zu prüfen, auf den Einsatz von Luftkanonen weitest möglich zu verzichten und Schallminimierungsmaßnahmen verbindlich festzulegen. „In ausgewiesenen Schutzgebieten ist der Einsatz von Druckluftkanonen nach deutschem und europäischem Naturschutzrecht nicht genehmigungsfähig“, verdeutlichen die Umweltschützer/innen. Als besonders wichtig erachten sie daher, dass ein umfassendes Schallschutzkonzept erarbeitet wird, damit auch kumulative Effekte mit anderen Schallquellen bedacht werden.

 

„Neben Schall müssen auch alle weiteren Umwelteinwirkungen anthropogener Aktivitäten in dänischen und den angrenzenden Gewässern der EU-Nachbarstaaten auch außerhalb der Schutzgebiete Beachtung finden, wie es die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie fordert“, stellen die Umweltverbände klar. Daher sei ein umfassendes Monitoringprogramm unabdingbar.

 

Generell kommen die Verbände zu dem Schluss, dass die Auswirkungen des Vorhabens auf die marine Umwelt von der dänischen Energiebehörde aufgrund lückenhafter Beweislage und dem Fehlen wichtiger Kerninformationen im Umweltbericht als unverhältnismäßig gering eingeschätzt wurden. Vor allem dem besonderen Schutzstatus von Schweins-, Zwerg- und anderen Waltieren in diesem Gebiet wird nicht ausreichend Rechnung getragen. „Hier wird die FFH-Richtlinie ignoriert und gegen europäisches Recht verstoßen“, so die Umweltverbände.

 

Nicht zuletzt müssen detaillierte Maßnahmen innerhalb eines strategischen Notfallplanes für Großschadensereignisse ausgearbeitet werden. Der Umweltbericht der zuständigen dänischen Energiebehörde Energistyrelsen geht in seiner derzeitigen Form geradezu fahrlässig mit diesem realen Risiko um.

 

Vor diesem Hintergrund fordern die Umweltverbände, dem Antrag der dänischen Energiebehörde eine klare Absage zu erteilen und deutsches sowie europäisches Naturschutzrecht zu verteidigen.

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