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Kreuzfahrtriese setzt Umweltschutz außer Kraft

14. September 2012

Überführung der Celebrity Reflection : Naturschutzverbände klagen gegen Ausnahmegenehmigung zur Streichung der Umweltauflagen

Kreuzfahrtschiffe, die sich durch die Ems zur Nordseemündung zwängen müssen, sind eine Strapaze für den Fluss. Dennoch finden sie regelmäßig statt. © Meyer Werft
Kreuzfahrtschiffe, die sich durch die Ems zur Nordseemündung zwängen müssen, sind eine Strapaze für den Fluss. Dennoch  finden sie regelmäßig statt. © Meyer Werft

Hamburg - Kreuzfahrtschiffe, die sich durch die Ems zur Nordseemündung zwängen müssen, sind eine Strapaze für den Fluss. Dennoch finden sie regelmäßig statt. Die bevorstehende Überführung der Celebrity Reflection ist aus Sicht der Umweltverbände BUND, NABU und WWF besonders heikel, weil bestehende Umweltauflagen zur Schiffsüberführung extra außer Kraft gesetzt  wurden. „Es ist skandalös wie mittels Ausnahmegenehmigung versucht wird, die Umweltschutzauflagen scheibchenweise wieder zu streichen “, kritisiert Naturschutzexpertin Beatrice Claus vom WWF das Vorgehen der Werft und Landesbehörden. „Dabei verträgt die Ems keine zusätzlichen Belastungen mehr solange es nicht ernsthaft gelingt, das Ökosystem des Flusses zu sanieren.“

 

Aufgrund der andauernden Ausbaggerungen und Rückstauungen ist die Ems bereits heute in einem extrem schlechten ökologischen Zustand. Die Überführung der Celebrity Reflection droht das Ökosystem Ems stärker zu schädigen als vergangene Schiffstransporte. Aufgrund des Tiefgangs des großen Schiffes muss Wasser über einen längeren Zeitraum gestaut werden. Weil die Ems zu dieser Jahreszeit wenig Wasser führt, pumpt das Emssperrwerk anteilig mehr Salzwasser in den aufgestauten Flussabschnitt. Daher besteht Gefahr, dass geschützte Süßwasserzonen der Ems versalzen. Für die aktuelle und eine zweite  Schiffsüberführung der Meyer Werft in der zweiten Septemberhälfte 2014 werden die derzeit gültigen Umweltauflagen für die Gewässergüte während der Stauzeiten umgangen. Die vom Niedersächsischen Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hierfür erteilte Sondergenehmigung sieht die Aussetzung der kritischen Grenzwerte für Salz und Sauerstoff vor. „Damit wird eine drohende Versalzung schon vorab legitimiert. Es ist absurd, dass die Umweltauflagen das ganze Jahr gelten, nur nicht dann wenn das Werftschiff überführt wird“, verdeutlicht Elke Meier, NABU-Fachreferentin. Eine Verschiebung des Liefertermins hatte die Werft abgelehnt.

 

Mit eigenen Messungen des  Salzgehaltes während des Stauvorgangs werden die Umweltverbände die Wasserwerte überwachen. Sollte salzhaltiges Wasser in die Süßwasserbiotope der Unterems oberhalb Papenburgs eindringen, so stellt dies einen schwerwiegenden Eingriff für die geschützten Lebensräume und Arten in den dortigen Naturschutzgebieten dar.  Bereits geringe Versalzung gefährdet die Lebensgemeinschaften im Süßwasserwatt und Weideauwäldern.

Die erteilte Erlaubnis verstößt aus Sicht der Umweltorganisationen gegen europäisches und auch niedersächsisches Naturschutz- und Wasserrecht. „Die Rechtmäßigkeit der Sondergenehmigung werden wir deshalb auch gerichtlich überprüfen lassen“, so Vera Konermann, Ems Expertin des BUND-Niedersachsen.

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN

KONTAKT

Britta König

Pressestelle WWF

Tel: 040 530 200 318

britta.koenig(at)wwf.de

 

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