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Deutschlands Autolobby gibt Gas

24. April 2013

EU-Umweltausschuss beweist Mutlosigkeit bei europäischer CO2-Norm für PKW

Autos im Stau © Michael Buckley / WWF Kanada
Autos im Stau © Michael Buckley / WWF Kanada

Der WWF kritisiert die heutige Entscheidung des EU-Umweltausschusses zur Festlegung der CO2-Grenzwerte für PKW Neuzulassungen. Für 2020 wurde ein Grenzwert von 95 g CO2/km bestätigt. Allerdings sprach sich der Ausschuss dafür aus, Herstellern zwischen 2016 und 2023 weiter sogenannte Supercredits für Elektroautos zu gewähren. Damit können diese zwischen 2016 und 2023 mit dem Faktor 1,5 als Nullemissionswagen angerechnet werden, wodurch die Hersteller den Grenzwert um bis zu 2.5 Gramm CO2/km pro Jahr aufweichen können. „Mit der Begründung umweltfreundliche Elektromobilität zu fördern, können sich Hersteller Luft verschaffen für weitere dringend benötigte Effizienzsteigerungen für Autos mit herkömmlichen Antrieben. Dank dieses Rechentricks greift das anvisierte 95 Gramm-Ziel für 2020 erst im Jahr 2024“, sagte Johannes Erhard, WWF Verkehrsexperte. Der WWF hatte sich gegen die Anrechnung von Supercredits ausgesprochen.

 

Wie vom WWF gefordert wurde bei der Abstimmung auch ein Langfristziel für das Jahr 2025 festgelegt, das Orientierung für eine weitere Reduktion der PKW Emissionen bietet. Dabei wurde jedoch ein Zielkorridor von 68 bis 78 g CO2/km bestimmt. Der WWF hatte ein Ziel von 60 g gefordert. Der jetzt gefundene kraftlose Kompromiss müsse sich nun in den folgenden Überprüfungen den Attacken der Automobillobby stellen. Damit habe es der Umweltausschuss versäumt, dringend benötigte Weichenstellungen für mehr Klimaschutz im Verkehr zu setzen. Tiefer greifende Innovationsschritte zur Entwicklung und Verbreitung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben rückten so in weite Ferne.

 

Positiv ist, dass der Umweltausschuss beschloss, den aktuell gültigen Testzyklus zur Bestimmung des PKW Kraftstoffverbrauchs und der CO2-Emissionen auf ein anderes Messverfahren umzustellen. Die vom Testzyklus ermittelten Werte sind für Verbraucher ein wichtiger Indikator, um beim Autokauf den zukünftigen Kraftstoff-Verbrauch und CO2-Emissionen abzuschätzen. Der aktuelle Mechanismus führte bislang dazu, dass die von Herstellern angegebenen Verbrauchs- und Emissionswerte von der Realität im Schnitt um über 20 Prozent abwichen. „Um der massiven Verbrauchertäuschung endgültig den Garaus zu machen, kommt es nun darauf an, die Einführung des neuen Testzyklus nicht zu verschleppen“, mahnte Johannes Erhard.

 

Die heutige Abstimmung gilt als Vorentscheidung für den weiteren Gesetzgebungsprozess auf EU-Ebene. Der WWF appelliert jetzt an die fortschrittlichen Kräfte im Parlament, die Entscheidungen des Umweltausschusses im Sinne des Klimaschutzes im Verkehr nachzubessern. Der Straßenverkehr ist mit einem Anteil von ungefähr 20 Prozent die zweitgrößte CO2-Emissionsquelle der EU. Während die CO2-Emissionen in vielen Sektoren rückläufig sind, stiegen sie im Straßenverkehr zwischen 1990 und 2008 um 26 Prozent an.

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KONTAKT

Sylvia Ratzlaff

Pressestelle WWF

Tel: 030 311 777 467

sylvia.ratzlaff(at)wwf.de

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