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Unternehmen stagnieren beim Waldschutz

18. April 2013

WWF-Unternehmensranking Holz und Papier: Selbstdarstellung und Realität klaffen beim Thema Nachhaltigkeit oft auseinander

Unternehmen müssen ihrer Verantwortung für den Waldschutz gerecht werden. © Kalpesh Latigra / WWF
Unternehmen müssen ihrer Verantwortung für den Waldschutz gerecht werden. © Kalpesh Latigra / WWF

Berlin - Deutsche Unternehmen kommen ihrer Verantwortung für den Schutz der Wälder nur unzureichend nach. Zu diesem Ergebnis kommt der WWF in einem aktuellen Ranking, für das 139 Handelsunternehmen, Verlage und Städte zu ihrem Umweltengagement im Bereich Holz und Papier befragt wurden. Im Schnitt erreichten die Teilnehmer 44 Prozent der erreichbaren Punktzahl. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer marginalen Steigerung von zwei Prozentpunkten. „Leider zeigen die Ergebnisse, dass Nachhaltigkeit bei vielen Firmen nach wie vor keine Rolle spielt“, sagt Johannes Zahnen, Waldreferent beim WWF Deutschland. „Viele Unternehmen verkaufen Produkte aus nicht nachhaltigen, möglicherweise sogar illegalen Quellen und tragen so zur globalen Waldzerstörung bei.“

 

Für das Ranking befragte der WWF die jeweils umsatzstärksten Unternehmen aus insgesamt zehn Branchen, darunter Baumärkte, Discounter, Zeitungsverlage, Drogeriemärkte sowie die größten Städte Deutschlands. Zu den Kriterien zählten unter anderem der Bezug von Holz und Papier aus verantwortungsbewusster Waldwirtschaft (zum Beispiel mit FSC-Label), Informationen für die Kunden wie Holzart, Herkunft oder Zertifikate, sowie der geplante Ausbau des Engagements in den kommenden Monaten. „Leider waren viele Unternehmen nicht einmal in der Lage, die Herkunft ihres Holzes zu bestimmen“, so Johannes Zahnen. „Dabei liegt hier der Schlüssel zu einem verantwortungsbewussten Handeln. Unternehmen, die beim Einkauf nur auf den Preis achten, fördern den Raubbau an der Natur.“

 

Laut WWF legen die Unternehmen zwar großen Wert darauf, sich als umweltbewusst und nachhaltig zu präsentieren, allerdings stimme diese Eigenwerbung häufig nicht mit der Realität überein. So nutzten Firmen teilweise Zertifikate, die gegenüber den ohnehin bestehenden gesetzlichen Anforderungen kaum Vorteile böten, wie zum Beispiel das PEFC-Siegel. Besonders schlecht schnitten die Einrichtungshäuser ab: Roller beteiligte sich zwar als einer der wenigen der Branche an der Befragung, erreichte aber lediglich 20 Prozent der maximalen Punktzahl. Andere Anbieter wie Ikea, Höffner, Möbel Kraft oder Poco antworteten nicht auf die Anfrage des WWF. Auch der Versandhändler Amazon.de wollte keine Aussage zu seinem Engagement treffen. Hier wie auch bei mehreren Möbelhäusern fand der WWF bei Stichproben Produkte aus Tropenholz ohne FSC-Zertifikat.

 

Das WWF-Unternehmensranking habe jedoch auch Lichtblicke zutage gefördert: So hätten sich die Buchverlage erneut verbessert und erreichten mittlerweile 55 Prozent der maximalen Punktzahl, FSC-Vorreiter Random House konnte sogar mit 76 Prozent aufwarten. Außerdem planten branchenübergreifend vier von fünf befragten Unternehmen, ihren Anteil zertifizierter Produkte zu erhöhen. Der Versandhändler Otto habe sich gar verpflichtet, bis 2020 Möbel vollständig auf das FSC-Siegel umzustellen und damit nur noch auf verantwortungsbewusste Quellen zu setzen. „Das Ergebnis der Befragung zeigt, dass es durchaus Unternehmen gibt, die ihre Verantwortung ernst nehmen. Aber leider noch zu wenige. Nach wie vor werden den Kunden auch Produkte aus Raubbau untergejubelt. Das muss sich ändern, wenn wir den weltweiten Artenschwund stoppen wollen“, so WWF-Mann Zahnen.

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