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Die sieben Sünden des Dammbaus

22. März 2013

Von Österreich bis Brasilien: WWF kritisiert Staudammprojekte weltweit. / WWF sieht „Europa in der Verantwortung“

Damm am Coosa River in den USA. © Kevin Schafer / WWF-Canon
Damm am Coosa River in den USA. © Kevin Schafer / WWF-Canon

Weltweit verstoßen noch immer zahlreiche Staudammprojekte gegen grundlegende Nachhaltigkeitskriterien. Das kritisiert der WWF anlässlich des Weltwassertags am 22. März.  Zahlreichen im Bau befindlichen oder geplanten Anlagen stellt die Naturschutzorganisation in der Analyse „The Seven Sins of Dam Building“ ein verheerendes Zeugnis aus. Auf der Liste finden sich neben den „berühmt-berüchtigten“ Projekten Belo Monte (Brasilien) und Xayaburi (Laos), auch europäische Beispiele, etwa in Österreich oder der Türkei.

 

„Vernünftig geplante, gebaute und betriebene Staudämme können zur Ernährungssicherheit und Energiegewinnung beitragen. Doch kurzfristige Interessen stehen noch viel zu oft im Fokus“, sagt Dr. Jian-hua Meng, Leiter „Water Security“ beim WWF. Um ein Mindestmaß an sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit zu garantieren sollten Stauanlagen strikt anhand von Nachhaltigkeitskriterien, wie sie etwa von der „Weltkommission für Staudämme“ oder im „Protokoll für nachhaltige Wasserkraft“ formuliert wurden, überprüft werden. Gegebenenfalls müssten geplante Projekte angepasst oder gestoppt werden. Das geschähe jedoch viel zu selten.

Es sei verheerend, wenn Betreiber anstatt auf Dialog, Transparenz und Vernunft auf überlegene Finanzkraft und politische Verbindungen setzten, so die WWF-Kritik. Zudem sei manche Regierung nicht stark, fähig oder unabhängig genug, um öffentliche Interessen zu schützen. Wer langfristig einen Staudamm erfolgreich betreiben wolle, dem könne jedoch eine behördliche Baulizenz nicht ausreichen. „Die Betreiber müssen bei derartigen Großprojekten auch eine ‚zivilgesellschaftliche Freigabe‘ erhalten. Akzeptanz bei der Bevölkerung ist die Grundlage eines nachhaltigen Managements“, sagt WWF-Experte Meng. Negative Auswirkungen, wie Umsiedlungen, Zerstörung von Kulturstätten oder der Zusammenbruch lokaler Fischereien, würden häufig noch immer als „Probleme anderer Leute“ abgetan.

 

Weitere Sünden sieht der WWF in ökologischen Fragen. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Risikoabschätzungen unterlägen zu häufig den politischen und ökonomischen Wunschvorgaben. So werde etwa entgegen allen Warnungen an den falschen Flüssen und an der falschen Stelle gebaut. Verluste an biologischer Vielfalt würden billigend in Kauf genommen. Gravierende Auswirkungen durch die Veränderung der natürlichen Abflussdynamik, etwa das Verschwinden von Feuchtgebieten, fänden keine Berücksichtigung.

 

Das Problem sei dabei, anders als mitunter wahrgenommen, nicht auf Entwicklungs- und Schwellenländer beschränkt. Europäische Unternehmen und Ingenieure trieben Projekte in Schwellenländern voran, die nach globalen Standards inakzeptabel seien und auch im Herzen der EU fänden sich schlecht geplante Vorhaben, so der WWF-Vorwurf. . Sollte etwa der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal in Österreich wie derzeit geplant umgesetzt werden, drohe gleich drei alpinen Tälern und einzigartigen Alpenflüssen in den Ötztaler Alpen ein ökologischer Super-Gau.

 

„Der WWF hat neun Staudammprojekte untersucht. Wir mussten feststellen, dass viele Projekt nicht nur gegen eine, sondern gleich mehrere, gravierende Sünden des Staudammbaus begehen“, bilanziert WWF-Experte Meng. „Dabei sind diese Fehler vermeidbar. Unkenntnis, Entwicklungsdruck oder regionale Umstände dürfen heute keine Ausreden mehr darstellen". Im Übrigen sei nicht unbedingt die Größe eines Staudamms entscheidend. Zwar fänden sich zahlreiche Mega-Projekte auf der Liste, doch auch die Gesamtauswirkungen von zahlreichen kleinen Wasserkraftprojekten, etwa in Rumänien, sei in ihren negativen Auswirkungen nicht zu unterschätzen.

KONTAKT

Roland Gramling

Pressestelle WWF

Tel.: 030-311 777 425

roland.gramling(at)wwf.de