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Abgeschmiert beim Palmöl-Test

12. November 2013

Nachhaltigkeit verzweifelt gesucht: Null Punkte für Tengelmann, Aldi Nord und Rossmann. / WWF: Regenwald steckt noch immer in Pizza und Lippenstift.

Transport von Palmfrüchten © WWF
Transport von Palmfrüchten © WWF

Über 60 Prozent des in Deutschland verwendeten Palmöls stammt aus Produktion, die nicht einmal den Minimalanforderungen an ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit genügt. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Dienstag veröffentlichter WWF-Bericht. Insgesamt erreichten 72 von 157 befragten deutschen Unternehmen weniger als zwei Punkte und fanden sich damit am untersten Ende der Nachhaltigkeits-Skala wieder, darunter Aldi Nord, Tengelmann und Rossmann. Die vom WWF geforderten Zusatzkriterien, wie ein Umwandlungsverbot von kohlenstoffreichen Torfböden und ein Verzicht auf Pestizide, werden sogar nur von einer Handvoll Unternehmen nachgefragt.

 

„Egal ob Pizza, Margarine, Waschmittel oder Lippenstift, in fast jedem zweiten Produkt aus dem Supermarktregal versteckt sich Palmöl oder Palmkernöl, das vor allem auf Plantagen in den tropischen Regenwaldregionen Südost-Asiens angebaut wird“, warnt Martina Fleckenstein, Leiterin des Bereich Landwirtschaft beim WWF. „Unser Konsum entscheidet also über das Schicksal von Orang-Utan oder Tiger und der Menschen vor Ort.“  Der WWF fragt daher in den „Palmöl Scorecards“ regelmäßig bei Konsumgüterherstellern die Einkaufspolitik ab.

 

Insgesamt verweigerten sich demnach 43 Prozent der deutschen Unternehmen einer transparenten Einkaufspolitik oder sind noch nicht einmal Mitglied des Runden Tischs für Nachhaltiges Palmöl (RSPO). Doch es gibt inzwischen auch zahlreiche Positiv-Beispiele. Als einziges deutsches Unternehmen erreichte REWE die höchstmögliche Wertung (12 Punkte). Dicht gefolgt von dem Schokoladenhersteller August Storck, EDEKA und Haribo (jeweils 11 Punkte).

 

„Positiv ist, dass immer mehr Unternehmen zertifiziertes Palmöl nutzen oder dabei sind, umzustellen. Langsam und zögerlich entsteht die nötige Transparenz “, lobt Fleckenstein. Trotzdem: Global betrachtet bewertet der WWF die Situation weiterhin als „kritisch“. Derzeit sind gerade einmal 16 Prozent der Palmölproduktion RSPO-zertifiziert. Allerdings wird nur rund die Hälfte davon verkauft. Vor diesem Hintergrund ist es schwierig, bei Produzenten strengere Anbaukriterien durchzusetzen.

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