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Wale zwischen Schiff und Schall

10. November 2013

WWF: Belugas und Narwale leiden unter Industrialisierung der Arktis

Narwale, die „Einhörner der Meere“ © National Geographic Stock / WWF-Canada
Narwale, die „Einhörner der Meere“ © National Geographic Stock / WWF-Canada

Die zunehmende Industrialisierung der Arktis, ermöglicht durch Klimawandel und Rückgang des Meereises, macht den dort heimischen Walen das Leben schwer. Etwa die Hälfte der arktischen Verbreitungsgebiete von Grönlandwal, Beluga- und Narwalen sind identisch mit Zonen, in denen jetzt oder in naher Zukunft Öl und Gas gefördert werden soll. Dies geht aus einer vom WWF unterstützen Studie hervor. Zunehmender Schiffsverkehr durch Fischerei, Gütertransport und Arktis-Tourismus verändert ebenso wie seismische Untersuchungen die Lebensbedingungen der Meeressäuger. „Die Welt der arktischen Wale wird lauter und gefährlicher. Das Risiko von tödlichen Kollisionen mit Schiffen und Verschmutzung durch ausgetretenes Öl und andere giftige Substanzen steigt mit dem Zuwachs menschlicher Aktivitäten“, so Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF. Alle drei Walarten kommen nur in arktischen Gewässern vor und halten sich ganzjährig hier auf – häufig in Arealen die von bis zu 90 Prozent mit Eis bedeckt sind. Der WWF fordert bei der wirtschaftliche Erschließung der Arktis Natur- und Walschutz zu berücksichtigen.

 

Besonders bedrohlich ist die Industrialisierung für Narwale, die „Einhörner der Meere“, die aufgrund kleinerer Verbreitungsgebiete, fester Wanderrouten und Nahrungsspezialisierung weniger Ausweichmöglichkeiten haben. „Narwale sind besonders scheu und lärmempfindlich. In einen Großteil arktischer Gewässer nimmt aber der Unterwasserlärm zu. Manche Gebiete sind im Winter konstant beschallt, obwohl die seismischen Untersuchungen tausend Kilometer entfernt stattfinden“, berichtet Homes. Der Lärm von bei seismischen Untersuchungen eingesetzten „Airguns“ kann sich unter Wasser bis zu 4.000 Kilometer weit verbreiten. 

 

Das schmelzende Eis führt auch zu intensiverer Fischereiaktivität, insbesondere auf Grönländischen Heilbutt – die wichtigste Beute der Narwale, von der sie während der Wintermonate abhängig sind. Fischereischiffe machen mit über 2,5 Millionen gefahrener Seemeilen fast die Hälfte des Schiffsverkehrs in arktischen Gewässern aus, gefolgt von Cargoschiffen. Schon an dritter Stelle stehen Passagierschiffe u.a. durch wachsenden Arktis-Tourismus. „Schifffahrtsrouten müssen sorgfältig geplant und unter Umständen korrigiert werden. Teilweise können auch Geschwindigkeitsbegrenzungen helfen, die negativen Folgen für Wale einzudämmen“, so WWF Experte Homes. Hilfreich kann hier der für 2014 geplante „Polar Code“ der IMO (International Maritime Organisation) für Schiffe in internationalen Gewässern der Arktis werden. Besonders wichtige Habitate wie Kinderstuben oder Nahrungsplätze sollten aber als besonders sensible Meeresregionen (PSSA) ausgewiesen und geschützt werden. Der WWF fordert eine strikte Reglementierung für seismische Untersuchungen und andere Quellen von Unterwasserlärm und begleitendes Monitoring der Walpopulationen.

Der Klimawandel erhöht einerseits die menschliche Aktivität in der Arktis, hat zudem aber auch Einfluss auf das ökologische Gefüge: Arten, die wegen steigender Wassertemperaturen nach Norden einwandern, können unbekannte Parasiten und Viren einschleppen und erhöhen die Konkurrenz um Nahrung. Bei vermehrter Zuwanderung z.B. von Orcas, dem einzig natürlichen Feind der drei Walarten, der kaum in Eisgebiete schwimmt, könnten die arktischen Wale selbst zur Beute werden. Ändert sich das Timing im jahreszeitlichen Entstehen und Zerfall des Meereises, verschiebt sich auch das Vorkommen des dort entstehenden Phytoplaktons und der Ruderfußkrebse, einer saisonalen Hauptnahrungsquelle der Grönlandwale. „Narwale, Belugas und Grönlandwale sind an einen Lebensraum angepasst, dessen Extrembedingungen seit Millionen Jahren existierten. Jetzt aber gehört die Arktis zu den Erdteilen, die sich am schnellsten verändern. Die Umweltauswirkungen müssen berücksichtigt werden, wenn dieses abgelegene Ökosystem wirtschaftlich erschlossen wird“, so Artenschützer Homes.

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Britta König

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