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Klimaneutraler Watt-Tourismus?

11. September 2013

WWF-Studie: 10-Punkte-Plan für klimafreundlichen Urlaub am Wattenmeer

Tourismus in der Wattenmeer-Region © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Tourismus in der Wattenmeer-Region © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Hamburg/Husum - Ein Urlaub an der Nordseeküste ist zwar weit klimafreundlicher als eine Flugreise in entfernte Weltregionen, dennoch ist die Klimabelastung noch viel zu hoch. Das geht aus einer heute vom WWF veröffentlichten Machbarkeitsstudie  zu klimafreundlichem Tourismus in der Wattenmeer-Region hervor. Eine jährliche Belastung von 1,5 Mio. t CO2-Äquivalenten durch den in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden stattfindenden Wattenmeer-Tourismus ermittelt die vom Kieler „Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa“ durchgeführte Studie. Dies entspricht 148 kg CO2-Äquivalenten pro Urlaubsreise bzw. 15 kg CO2-Äquivalenten pro Person und Urlaubstag. Von „klimaneutral“ ist der Urlaub am Wattenmeer also noch weit entfernt. Für die Umweltschützer liegt die Lösung jedoch nicht im Verzicht auf den Nordseeurlaub: In einem 10-Punkte-Plan schlägt der WWF vor allem Umstellungen im Verkehrsbereich, energetische Gebäudesanierung, Nutzung erneuerbarer Energien, Transparenz beim CO2-Verbrauch der touristischen Angebote, eine bevorzugt regionale Verpflegung der Gäste, sowie eine bessere Kooperation der Akteure vor.

 

„Dänemark, Deutschland, und die Niederlande haben bei ihrer Wattenmeerkonferenz 2010 beschlossen, dass die gemeinsame Wattenmeer-Region innerhalb von 20 Jahren klimaneutral werden soll. Ein gutes Ziel, zu dem auch der Tourismus als einer der wichtigsten Wirtschaftszweige an der Nordseeküste beitragen muss“, sagt WWF-Wattenmeerexperte Hans-Ulrich Rösner. „Ansatzpunkte gibt es viele: Mehr Bus, Bahn und Fahrrad, weniger Auto, mehr Gebäudesanierung, und klare Kennzeichnung aller touristischen Angebote mit dem jeweiligen Klimastempel.“

 

In einer gemeinsamen Anstrengung von Tourismuswirtschaft, Behörden und Naturschutzverbänden wird derzeit eine Strategie erarbeitet, wie ein Tourismus an der Nordseeküste aussehen kann, der mit dem Schutzanspruch des von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Wattenmeeres zu vereinbaren ist. „Unsere Studie soll auch ein Beitrag hierzu sein“, so WWF-Experte Rösner. Im Februar 2014 treffen sich die Umweltminister der drei Wattenmeerstaaten, um über Fortschritte beim Schutz der einmaligen Landschaft zu beraten und neue Beschlüsse zu fassen, darunter auch zum regionalen Klimaschutz und zum Tourismus. „Es macht keinen Sinn, über Klimaschutz und Tourismus nur getrennt zu sprechen. Vielmehr muss es darum gehen, auch konkrete Verbesserungen auf den Weg zu bringen.“

 

 

Die Studie entstand im Rahmen des InterregIVBProjektes „PROWAD – Protect & Prosper“ und wurde gefördert von der Bingo-Umweltlotterie Schleswig-Holstein sowie mit Mitteln des European Regional Development Fund.