Warme und saure Sintflut?

WWF zum Klimabericht des IPCC: „Klimaschutz und Meeresschutz verbinden“

Korallen © Juergen Freund / WWF Canon
Korallen © Juergen Freund / WWF Canon

Der vom Menschen gemachte Klimawandel hat stärkere Auswirkungen auf die Weltmeere als bislang bekannt. Dies geht aus den heute in Stockholm vorgestellten Ergebnissen des Klimabericht des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change) hervor.  Die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen wirken direkt auf die Ozeane: Die Meere werden saurer, weil das Meerwasser CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt und sich daraus Kohlensäure bildet.

 

„Das chemische Gleichgewicht der Meere verändert sich, weil die Ozeane die größten Mengen des zusätzlichen Treibhausgas schlucken, das vom Menschen in die Luft geblasen wird“, warnt Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz beim WWF. „Die zunehmende Versauerung der Meere kann sich auf das gesamte Nahrungsnetz und die Artenzusammensetzung im Meer auswirken.“ In der Gesamtheit sind die Folgen derzeit schwer zu prognostizieren. Sicher ist, dass die Versauerung es kleinen, kalkbildenden Organismen wie Krebsen oder Muscheln erschwert, schützende Kalkschalen zu bilden. Diese stehen am Anfang der Nahrungskette, so dass größeren Lebewesen wie Fischen weniger Nahrung zur Verfügung steht. Auch tropische Korallenriffe – eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde - sind durch die Versauerung bedroht: Ihre Kalkskelette hören ab einer CO2 Konzentration von ca. 400-500 ppm (parts per million) auf zu wachsen und können sich bei höherer Konzentration sogar auflösen.  Aktuell liegt die Konzentration bereits bei 400 ppm und damit am obersten Ende des Toleranzbereichs.

 

„Für den Meeresschutz ist die Reduktion der CO2-Emissionen doppelt wichtig: um einerseits direkt die Versauerung der Meere und andererseits die globale Erwärmung in den Ozeanen zu begrenzen“, so Vesper weiter. „Wir müssen Klimaschutz und Meeresschutz stärker verbinden. Meeresschutzgebiete helfen dabei, marine Ökosysteme widerstandsfähiger gegen massive Veränderungen zu machen. Gesunde Fischbestände sind widerstandsfähiger als überfischte“. Aber weniger als zwei Prozent der Weltmeere stehen bisher unter Naturschutz und 30 Prozent der Fischbestände weltweit sind überfischt.  Der WWF fordert bis 2020 ein Netz aus Schutzgebieten einzurichten, dass mindestens 10 Prozent der Ozeane und seiner charakteristischen Ökosysteme verbindet.

 

Laut aktuellem IPCC-Bericht fällt der Meeresspiegelanstieg stärker aus als bislang prognostiziert. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts ist ein Anschwellen von 26 bis 81 cm möglich. Ursache hierfür sind u.a. die schmelzenden Kontinental-Eisschilde Grönlands und der Antarktis: ganze Eisberge rutschen ins Meer ab. Dieser dynamische Eisverlust konnte bislang nicht ausreichend berechnet und berücksichtigt werden. Die Klimaerwärmung lässt auch die Temperatur der Ozeane steigen, bis 2000 Meter Tiefe ist die Erwärmung nachweisbar. Die Ausdehnung des aufgeheizten Wassers trägt stark zum steigenden Meeresspiegel bei. Die Meeresfauna reagiert ebenfalls auf die gestiegenen Wassertemperaturen: gefährliche Korallenbleichen nehmen zu. Fischbestände wandern polwärts in kältere Zonen ab. Die Makrele im Nordostatlantik z.B. ist in die Fanggebiete von Island und den Färöer-Inseln gewandert und hat damit einen Konflikt mit der EU-Fischerei, den sogenannten „Makrelenkrieg“, ausgelöst. „So kann Klimawandel ein Faktor werden, der das Ringen um ein nachhaltige Fischerei beeinflusst“, so Vesper. „Umgekehrt dürften durch Überfischung drastisch reduzierte Bestände für Klimaänderungen anfälliger sein als nachhaltig genutzte.“

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