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Alle Vögel sind schon weg

01. April 2014

WWF: Klimawandel setzt heimischen Arten mit warmen Wintern und trockenen Sommern zu

Ein leeres Vogelnest © iStock / Getty Images

Der Klimawandel gibt vielen ohnehin bedrohten Arten den Rest - dies ist ein zentrales Fazit des in Yokohama vorgestellten fünften Klimabericht des IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change). Meist sind es nicht einzelne Ursachen, die zum Aussterben von Tieren und Pflanzen führen, sondern das tödliche Zusammenspiel mehrerer Faktoren. „Der Klimawandel hat einen Katalysator-Effekt. Bei schlechten Ausgangsbedingungen droht er für immer mehr bedrohte Arten zum Sargnagel werden“, warnt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. Als Beispiel für Deutschland nennt der WWF den Auerhahn, den Trauerschnäpper sowie die Gelbbauchunke.

 

Während die Erderwärmung den Wettbewerb um Lebensraum und Nahrung verschärft, verschieben sich die Verbreitungsgebiete vieler Arten in Richtung der Pole. Nordeuropa muss sich auf Einwanderung wärmeliebender Arten einstellen. Im Durchschnitt können Vogel- und Insektenarten schneller auf die Veränderung ihrer Lebensräume reagieren als Amphibien und Reptilien. „Viele Arten versuchen in neue Lebensräume auszuweichen. Doch bei Erreichen der Polargebiete, bei Kammlagen und Berggipfeln oder großflächigen menschlichen Siedlungen droht die Sackgasse,“ so Brandes. Für viele europäische Vogelarten werden sich die Brutgebiete laut IPCC bis zum Jahr 2100 im Durchschnitt um 550 Kilometer nach Nordosten verschieben.

 

Eine andere Anpassungsstrategie sind Verhaltensänderungen. Mitunter löst das Störungen im Beziehungsgeflecht der Arten aus. Der Siebenschläfer beendet beispielsweise seinen Winterschlaf heute bis zu vier Wochen früher als vor 30 Jahren und bezieht auch seine Bruthöhle eher. Die ist jedoch noch von Singvogelarten wie Trauerschnäpper, Meisen oder Kleiber belegt, deren Bruten nun häufiger gefressen werden. Ein weiterer Verlierer des Klimawandels ist der vom Aussterben bedrohte Auerhahn. Er findet im Winter weniger Fichten- und Kiefernadeln als Nahrung, da diese Baumarten nordwärts ziehen. Als schwerer Standvogel kann er nicht mitziehen.

 

Andere heimische Vögel verkürzen aufgrund des Klimawandels ihren Winteraufenthalt im Süden oder lassen ihn ausfallen. So sind Sommergoldhähnchen, Singdrossel, Zilpzalp, Hausrotschwanz und sogar Kraniche häufiger ganzjährig bei uns zu Hause. Zugvogelarten wie Mönchsgrasmücke und Zilpzalp kommen eher zurück Insekten reagieren besonders stark auf Temperaturveränderungen. Neuankömmlinge und Klimawandelgewinner in Deutschland sind wärmeliebende Schädlinge wie der Eichenprozessionspinner, die Zecke oder der Borkenkäfer. Letzterer macht der Fichte schwer zu schaffen, die klimawandelbedingt zusätzlich unter Trockenstress und höheren Temperaturen leidet. Auch der sehr verbreiteten Wald-Kiefer, die in der Möbel-, Bau- und Papierindustrie viel genutzt wird, droht ein starker Rückgang.

 

Amphibien und Reptilien sind weniger mobil als andere Tierarten, was sie beim Klimawandel besonderen Gefahren aussetzt. Dürren oder zu geringer Niederschlag kann das Aus für lokale Populationen bedeuten. Auch der vermehrte Ausbruch von Pilzinfektionen steht im Zusammenhang mit regionaler Erwärmung und ist eine große Gefahr für Amphibienarten weltweit: In Deutschland sind zum Beispiel Wasserfrosch, Bergmolch und Gelbbauchunke betroffen.

 

In der Pflanzenwelt lösen die höheren Temperaturen die Einwanderung gebietsfremder wärmeliebender Arten aus. Ein bekanntes Beispiel ist die Ambrosia, ein aus Nordamerika stammendes Korbblütengewächs, das heftige Allergien beim Menschen auslösen kann. Zugleich kann der Klimawandel zu früherem Austreiben, späterem Blattverlust und längeren Blütezeiten führen. In Deutschland blühen Apfel- und Kirschbäume heute über eine Woche eher als Ende der 1980er Jahre. 

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