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Ein Mordsgeschäft - illegaler Wildtierhandel in der EU

15. Januar 2014

WWF begrüßt Engagement des Europa-Parlaments

Einblick in eine Asservaten Kammer des Zolls © Andreas Meinhardt / WWF
Einblick in eine Asservaten Kammer des Zolls © Andreas Meinhardt / WWF

Die EU ist leider weltweit einer der wichtigsten Absatzmärkte für den illegalen Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten, von Schlangen über Elfenbein bis hin zu Schildkröten. In seiner heutigen Plenumsabstimmung über eine Resolution zur Eindämmung dieses illegalen Handels fordert das EU Parlament das erhöhte Engagement seiner Mitgliedsstaaten ein. Sie sollten sich dafür stark machen, den illegalen Handel in der EU und weltweit zu stoppen. Der WWF begrüßt die Initiative, um entschlossen gegen Wilderei und ihre kriminellen Organisationsstrukturen vorzugehen.

„Wir brauchen ein starkes Zeichen der EU, dass sie dem Gemetzel in Afrikas Regenwäldern und Savannen nicht tatenlos zusehen wird. Die Wilderei bedroht längst nicht mehr nur die Tiere und Artenvielfalt, sondern ist zu einer massiven Gefahr für die lokale Bevölkerung und die nationale Sicherheit in den betroffenen Ländern geworden. Ähnlich wie beim Drogenhandel trägt eine regelrechte Wildtiermafia zur Destabilisierung ganzer Regionen bei. Die exorbitanten Gewinne fließen häufig direkt in den Waffenhandel und befördern gewalttätige Konflikte“, sagt Johannes Kirchgatter, Afrika-Referent beim WWF Deutschland.

Die Initiative unter Führung des MEP Gerben-Jan Gerbrandy will in der EU-Resolution die Staaten dazu aufrufen, bestehende EU Gesetzgebung noch effektiver auszuschöpfen, Grenzkontrollen zu verbessern, Sanktionen und Strafmaße für Straftäter zu erhöhen und die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Polizei, Zoll und anderen Institutionen zu verbessern – immer mit dem Ziel, dass illegale Wildtierprodukte nicht mehr in der EU gehandelt werden können. Des Weiteren sollte die EU sich weltweit in Initiativen engagieren, die in den Abnehmerländern wie China, Vietnam und Thailand Kampagnen zur Dämpfung der Nachfrage vorantreiben und die Einzelstaaten beim Schutz bedrohter Tiere und Pflanzen unterstützen. Der WWF fordert dazu auf, dass Wilderei und illegaler Wildtierhandel auf bei den im April anstehenden EU-Afrika Gipfel auf die Tagesordnung gesetzt werde, zudem müsse sich die EU bei dem Mitte Februar in London stattfindenden Wildtiergipfel der britischen Regierung engagieren und das Thema bei der UN Generalversammlung und im UN Sicherheitsrat adressieren.

Nashörner, Elefanten, Tiger - immer häufiger stehen sie auf der Abschussliste illegaler Händler. Denn mit Hörnern, Zähnen und Knochen dieser unter Artenschutz stehenden Tiere lassen sich sehr gute Geschäfte machen. Aufgrund der großen Nachfrage hat ein reger Schmuggel zwischen Asien und Afrika eingesetzt. Doch auch in der EU taucht immer wieder Elfenbein auf, die Hörner von Rhinozerossen wurden aus Museen geklaut, die nun häufig Attrappen ausstellen.

„Das Abschlachten von bedrohten Wildtieren hat Tiger und einige Nashornbestände bereits an den Rand des Aussterbens gebracht. Als Transitregion für Schmuggelgüter zwischen Afrika und Asien steht die EU in der Pflicht, diesen blutigen Handel zu unterbinden. Wir erwarten vom Europa-Parlament ein starkes Zeichen der Unterstützung, um der Wildtiermafia einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen“, sagt Kirchgatter.

So schlachteten Wilderer in Afrika laut UN-Angaben im Jahr 2012 mindestens 22.000 Elefanten ab, um an deren Stoßzähne zu gelangen. Im Jahr 2011 waren es mindestens 25.000 Tiere. Die Wilderei liegt damit laut WWF seit 2010 über der natürlichen Reproduktionsrate, sodass bereits auch ganze Populationen vom Aussterben bedroht sind. Bei den Nashörnern wurden in 2013 über 950 Tiere getötet bei einem afrikanischen Nashornbestand von etwa 25.000, davon 20.000 in Südafrika.