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Kein "Gewerbegebiet Meer"

19. Mai 2014

Europäischer Tag der Meere in Bremen / WWF: „Plünderung der Tiefsee verhindern“

Koralle auf Seeberg © NOAA Monterey Bay Aquarium Research Institute
Koralle auf Seeberg © NOAA Monterey Bay Aquarium Research Institute

Wie kann das Meer noch die Wirtschaft ankurbeln? Von Fischerei, Schifffahrt, Tourismus, Offshore-Windenergie  bis zur Ölförderung nutzen schon viele Wirtschaftszweige die Ozeane  Die EU-Politik nimmt nun unter dem Motto „Blaues Wachstum“ verstärkt die Tiefsee und offene  See ins Visier.  Anlässlich des Europäischen Tags der Meere, den die EU-Kommission am 19.und 20.  Mai in Bremen ausrichtet,  kritisiert der WWF eine ungehemmte Bewirtschaftung der Ozeane.  „Das Meer droht zum Gewerbegebiet zu verkommen, wenn das Wachstum der maritimen Industrien nicht besser gesteuert wird“, warnt Stephan Lutter, Meeresschutzexperte des WWF angesichts eines ungleichen Wettlaufs. „Der Schutz  der marinen Arten und Lebensräume bewegt sich im Schneckentempo, während gut finanzierte Erkundungs- und Großprojekte der EU das Spielfeld für die Industrie abstecken. “. Die Meeresschutzrichtlinie der EU ist seit 2008 in Kraft, wird aber laut eines Berichts der EU –Kommission  von den Mitgliedsstaaten  nur schleppend und lückenhaft umgesetzt. Rund 4 Prozent der europäischen Meere stehen zumindest formal unter Schutz – Einschränkungen für wirtschaftliche Nutzung gibt es auch in den geschützten Gebieten praktisch nicht.

                                   

Auch die Tiefsee bleibt vom Run auf die Ressourcen nicht verschont: Längst dringen die industriellen Fischfangflotten  mit Bodenschleppnetzen bis in Tiefen von mehreren Tausend Metern vor. Die Offshore-Ölförderung operiert unter hohem Risiko an schwer zugänglichen Vorkommen.  Mit dem Tiefseebergbau steht jetzt eine neue Branche in den Startlöchern.  Internationale Konsortien stellen erste Anträge an EU-Mitgliedsstaaten wie Portugal zur Erkundung von polymetallischen Sulfiden, die sich an „schwarzen Rauchern“ um die Azoren ablagern. Der WWF hält den Abbau von mineralischen Rohstoffen in der weitgehend unerforschten Tiefsee für ein hochriskantes Unterfangen. Extreme Bedingungen wie Kälte, Dunkelheit, immenser Druck und Nahrungsmangel haben hochspezialisierte Artengemeinschaften entstehen lassen, die sich in Jahrzehnten nicht von kleinflächigen Forschungseingriffen zur Erkundung von Manganknollenfeldern erholt haben. Wie sich Aktivitäten industriellen Ausmaßes auswirken werden, ist völlig unbekannt.  „Der europäischen Tiefsee droht ein unkontrollierter Raubbau. Die EU oder europäische Meeresschutzabkommen müssen verbindliche Grenzen um Schutzgebiete ziehen, sonst droht Abbau in Manier des Wilden Westens“, so Lutter.  Auf hoher See – außerhalb der nationalstaatlichen Wirtschaftszonen -  sind immerhin erste Vorsichtsmaßnahmen durch die UN-Meeresbodenbehörde in Kraft gesetzt. Der WWF fordert daher mindestens die Anwendung dieser Vorschriften für die Erkundung von Bodenschätzen in EU-Gewässern. Umweltprüfungen müssen vorab sicherstellen, dass die geplanten Abbauvorhaben, auch in Wechselwirkung mit anderen menschlichen Aktivitäten im gleichen Gebiet, nicht zu irreversiblen Umweltschäden führen.

 

Ein kleiner Lichtblick für den WWF ist, dass in Bremen auch klimaneutrale Technologien wie Offshore-Windenergie und  technische Ansätze wie die satellitengestützte Überwachung von Aktivitäten auf See, die im Sinne von Natur- und Umweltschutz eingesetzt werden können, zur Sprache kommen. Der WWF selbst hatte 2012 ein solches System zur besseren Dokumentation von Fischereiaktivitäten initiiert.

KONTAKT:

Britta König

Pressestelle

Tel: 040 530 200 318

britta.koenig(at)wwf.de

Twitter:@KoenigWWF

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