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Jubiläum einer Ölpest

17. April 2015

Umweltschäden auch 5 Jahre nach Deepwater Horizon Katastrophe nachweisbar / WWF: „Ökosystem wird nicht mehr dasselbe sein“

Schiffe versuchen das Feuer auf der Deepwater Horizon zu löschen © United-States Coast Guard
Schiffe versuchen das Feuer auf der Deepwater Horizon zu löschen  © United-States Coast Guard

Am 20. April 2010 explodierte die Bohrinsel Deepwater Horizon und versank zwei Tage später im 1.500 Meter tiefen Wasser des Golfs von Mexiko. 11 Crewmitglieder der Ölplattform starben und 87 Tage lang strömten täglich gewaltige Mengen  Öl ins Meer, weil es nicht gelang, das Leck am Meeresboden zu schließen - insgesamt waren es etwa 800 Millionen Liter, die den gesamten Wasserkörper vom Meeresboden bis zur Oberfläche erreichten.  Zehntausende Vögel verendeten im  10.000 Kilometer großen Ölteppich auf dem Meer, das Gebiet musste für Fischerei gesperrt werden. Umstritten war der großflächige Einsatz des Dispersionsmittels Corexit, um den Ölteppich aufzulösen. „Deepwater Horizon war die bislang schwerste Ölkatastrophe weltweit, ihre Folgens sind bis heute sichtbar. Warnsignale aus der Natur zeigen, dass das Ökosystem und einzelne Tierbestände auch fünf Jahre nach der Katastrophe schwer geschädigt sind“, sagt Stephan Lutter, Meeresschutzexperte des WWF.  „Immer noch  finden sich auf dem Meeresboden, im Schlick der Flussmündungen und den Salzwiesen Klumpen giftigen Öls. Tiefseekorallen sind von Ölschlamm bedeckt und zerstört und einige Tierarten wie Delfine weisen eine deutlich erhöhte Sterblichkeitsrate auf. Der endgültige Ausgang ist noch ungewiss, aber das Ökosystem im Golf wird nicht mehr dasselbe sein wie vorher.“  

 

Im Jahr 2014 war die Zahl tot an den Küsten Louisianas aufgefundener Delfine (Großer Tümmler) viermal höher als im historischen Durchschnitt. Bei der Biopsie der Tiere wurden Lungenkrankheiten, hormonelle Störungen und Untergewicht festgestellt. Bei kommerziell genutzten Fischarten wie Red Snapper, Mahi-Mahi  sowie Blau- und Gelbflossenthunfischen häufen sich Hautläsionen, Flossenfäule und Skelettdeformationen. Die Population der bedrohten karibischen Bastardschildkröte scheint sich vom Massensterben im Jahr 2010, als bis zu 65.000 Individuen starben,  nicht erholt zu haben, da die Zahl der Nester stark zurückgegangen ist.

 

„Umweltpolitisch hat die Deepwater Horizon Katastrophe erschreckenderweise deutlich weniger Spuren hinterlassen als in der Natur. Ein Moratoium für Tiefseebohrungen wurde schnell wieder kassiert. Der Run auf die Schätze der Tiefsee ist ungebrochen, man hat offenbar nicht dazugelernt“, kritisiert WWF -Experte Lutter. Längst wird im Golf von Mexiko  ebenso wie vor Schottland oder den Faröer Inseln oder in Australischen Gewässern  wieder Öl und Gas aus Tiefen über 800 Metern gefördert. „Das Risiko dieser Bohrungen ist extrem hoch. Auf Ölförderung in der Tiefsee und anderen hochempfindlichen Meeresgebieten wie den arktischen Gewässern sollte verzichtet werden.“ Um im Unglücksfall Umweltschäden zumindest eindämmen zu können fordert der WWF den Aufbau einen verpflichtenden globalen Haftungsfonds der Offshore-Ölindustrie wie er für die Öltankerschifffahrt längst üblich ist. Überfällig ist auch die Bildung einer internationalen Organisation, die Vorgaben für die Offshore Öl- und Gasindustrie macht, vergleichbar der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO.

KONTAKT

Britta König

Pressestelle

Tel: 040 530 200 318

britta.koenig(at)wwf.de

Twitter: @koenigWWF