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Deutsche Energieeinspar-Anstrengungen reichen nicht für Klimaziele

01. Dezember 2015
Energieeffizienz als Beitrag zu Klimaschutz © iStock / Getty Images
Energieeffizienz als Beitrag zu Klimaschutz © iStock / Getty Images

Ein Jahr nach Beschluss des "Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz" (NAPE) hinkt Deutschland den gesetzten Zielen deutlich hinterher, wie der neuentwickelte GAPOMETER des Verbändebündnisses #effizienzwende zeigt. Entsprechend kritisiert das Bündnis die bisherige Umsetzung und das Fehlen einer Gesamtstrategie.

 

In diesen Tagen werden in Paris die weltweiten Klimaschutz-Ziele diskutiert. Um diese zu erreichen, muss Energieeffizienz eine entscheidende Rolle spielen. Zumindest in Deutschland wird aber das Potential von Energieeffizienz als Beitrag zu Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftlicher Entwicklung bisher immer noch nicht ausgeschöpft, wie der GAPOMETER zeigt, den das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Bündnisses #Energiewende jetzt entwickelt hat. Ein Jahr nach Beschluss des NAPE müsse Deutschland seine Anstrengungen deutlich verstärken, um seine Klima- und Energieeinsparziele zu erreichen, so das Ergebnis.

 

Ursprünglich sollten die NAPE Sofortmaßnahmen mit 21 MtCO2 Einsparungen zum Klimaschutz beitragen. Doch schon nach einem Jahr stehen rund 10 MtCO2 davon in Frage. Wie die Analyse mit dem GAPOMETER zeigt, liegen von den geplanten 365 Petajoule an Primärenergieeinsparungen nach einem Jahr nur noch 310 Petajoule auf dem Tisch. Zusätzlich werden 122 Petajoule Einsparungen aufgrund von deutlichen Verzögerungen mit einer niedrigen Umsetzungswahrscheinlichkeit bewertet. Daraus ergibt sich, dass nach einem Jahr NAPE lediglich die Hälfte der Sofortmaßnahmen auf dem Zielpfad liegt.

 

Dazu kommt, dass die NAPE Sofortmaßnahmen, selbst wenn sie vollständig umgesetzt werden, nur rund ein Viertel der Lücke zum deutschen 20%-Energie-Einsparziel bis 2020 füllen können. Ein weiteres Viertel tragen Maßnahmen des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 (mit Schwerpunkt Verkehr) und sonstige Maßnahmen bei, die auch teilweise noch mit Unsicherheiten behaftet sind. Damit sind 1.151 Petajoule bzw. 60 MtCO2Äqv. Einsparung ungewiss. "Energieeffizienz bleibt ein vernachlässigtes Sorgenkind“, sagt Eberhard Brandes, Geschäftsführender Vorstand WWF Deutschland. „Die Bundesregierung übersieht weiterhin den dringenden Handlungsbedarf bei diesem sowohl für die Wirtschaft als auch für den Umwelt- und Klimaschutz so wichtigen Thema.“

 

Grund für die schlechte Bilanz ist die mangelhafte Umsetzung der zehn im NAPE festgelegten Sofortmaßnahmen, so ein Ergebnis des GAPOMETERS. So ist zur steuerlichen Förderung der Gebäudesanierung bisher zwischen Ländern und Bundesregierung noch keine Einigung erzielt worden. Vier weitere Sofortmaßnahmen liegen erheblich hinter den Plänen zurück: Zum Beispiel sind von den bis 2020 geplanten 500 Energieeffizienznetzwerken, in denen sich Unternehmen über Effizienzmaßnahmen austauschen, nur 30 zustande gekommen. Deutlich mehr müssen in den Folgejahren erreicht werden, mit ähnlichen Einsparungen wie in den Pilotnetzwerken der vergangenen Jahre. Die für 2015 geplante Einführung von wettbewerblichen Ausschreibungen für kostengünstige Effizienzlösungen ist auf das kommende Jahr verschoben. Und auch die Maßnahmen “Abbau von Contracting Hemmnissen” und “nationale Top-Runner-Strategie” werden 2015 noch nicht wie geplant Einsparungen liefern. Nur verstärkte Anstrengungen in den nächsten Jahren können diese Verzögerungen auffangen.

 

Das Bündnis #effizienzwende fordert die Bundesregierung auf, der Umsetzung der beschlossenen Effizienzmaßnahmen endlich politische Priorität einzuräumen. „Bundeskanzlerin Angela Merkel präsentiert Deutschland bei dem Pariser Klimagipfel als Musterschüler. Doch zu Hause sind die Hausaufgaben nicht gemacht. Dabei kann Deutschland mit innovativen Effizienzlösungen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Christian Noll, Geschäftsführer der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF). Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) betont: “Die Bundesregierung muss sich endlich langfristig festlegen. Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit, damit sie in Energieeffizienz investieren. Das ist gut für Klima und für Beschäftigung. Entsprechend fordert das Bündnis #effizienzwende ein Energieeffizienz-Gesetz, das eine kohärente Gesamtstrategie mit verbindlichen Zielen festschreibt.”

 

Zum Bündnis #effizienzwende gehören aktuell der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.), der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD), der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der Deutsche Mieterbund (DMB), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), die Klima-Allianz Deutschland, der Naturschutzbund (NABU), der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der Verband Beratender Ingenieure (VBI) und der WWF Deutschland.


Weitere Zitate der Bündnispartner:

  • “Eine Vielzahl erfolgreich realisierter Energieeffizienzmaßnahmen in Unternehmen hat Renditen, die oft die Renditen im Kerngeschäft deutlich übersteigen. Dies zeigt, dass Energieeffizienz ein attraktives Investitionsprojekt ist.” (Prof. Dr. Maximilian Gege, Vorsitzender B.A.U.M. e.V.)
  • „Klimaschutz können wir nur glaubwürdig auf internationalem Parkett vertreten, wenn wir zu Hause der Energieeffizienz endlich den notwendigen Stellenwert einräumen – die Energiewende bleibt nur dann ein Erfolgsprodukt, wenn wir endlich neben erneuerbaren Energien auch über Energieeffizienz sprechen.“ (Olaf Tschimpke, Präsident NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V.)

KONTAKT

Sylvia Ratzlaff

Pressestelle WWF

Tel: 030 311 777467

sylvia.ratzlaff(at)wwf.de

Rahul Schwenk

Initiative #effizienzwende
Tel: 030 20 06 89 90
rahul.schwenk(at)effizienzwende.de