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Lecks im Wassermanagement

15. Juli 2015

WWF-Studie benennt Verbesserungspotenzial bei Wasserkriterien in Nachhaltigkeitsstandards für die Landwirtschaft.

Bewässerung in Brasilien © Peter Caton / WWF

Nachhaltigkeitsstandards für die Landwirtschaft fokussieren stark auf Maßnahmen auf dem Feld, haben aber bisher das Wassermanagement im gesamten Flussgebiet des Produktionsorts nicht ausreichend im Blick. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie „Verantwortung im Zeichen des Wassers“ der Naturschutzorganisation WWF.  

 

Die WWF-Studie untersucht den Umgang mit Wasser in 24 landwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsstandards, darunter GLOBALG.A.P, Fairtrade und EU-Bio. Denn viele Flussgebiete auf der Welt stehen bereits heute unter enormem Wasserstress – Tendenz steigend. Die Analyse zeigt, dass Bereiche wie Abwassermanagement oder Wassereffizienz auf lokaler Betriebsebene insgesamt gut berücksichtigt sind. Defizite bestehen jedoch bei der Wasserrisikoanalyse, der Regulation der Wassernutzung und dem Wassermanagement im Gesamtkontext des jeweiligen Flussgebiets der Produktion. Das gilt laut WWF-Studie insbesondere auch für den EU-Bio-Standard. „Die Verfügbarkeit von sauberem Wasser in ausreichenden Mengen steht und fällt mit einem ökologisch funktionierenden Flussgebiet. Die Wasseranforderungen der Standards müssen die Produzenten entsprechend über den Tellerrand des einzelnen Betriebes verweisen“, so Philipp Wagnitz, Experte für Wasserrisiken beim WWF Deutschland. In vielen Flussgebieten Südamerikas, Afrikas und Asiens, aber auch im Süden Europas sieht der WWF dringenden Handlungsbedarf.  

 

Der WWF plädiert für eine Erweiterung der Wasserkriterien in den untersuchten Nachhaltigkeitsstandards um Aspekte des Water Stewardships. Diese erleichtern dem lokalen Produzenten, die Ursachen für Probleme wie Dürren, Fluten oder Verschmutzung im Kontext des Flussgebietes zu verstehen und gemeinsam mit anderen Wassernutzern sowie Behörden und der Zivilgesellschaft an Lösungswegen zu arbeiten. In diesem Sinn gebe die WWF-Studie einen Überblick über den Status Quo und zeige Ansatzpunkte auf zur weiteren Optimierung der bestehenden Standards.   Der Lebensmitteleinzelhändler EDEKA unterstützte die Erstellung der WWF-Studie „Verantwortung im Zeichen des Wassers“. Rolf Lange, Leiter der Unternehmenskommunikation von EDEKA: „Das Missmanagement von Süßwasserressourcen kann grundlegende Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft haben. Daher ist die Ermittlung und Reduktion von Wasserrisiken bei ausgewählten Produkten der Eigenmarkensortimente von EDEKA und Netto Marken-Discount ein Schwerpunkt im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit dem WWF.“    

 

Hintergrund WWF-Studie „Verantwortung im Zeichen des Wassers“

Die Studie analysiert die Wasserkriterien von insgesamt 24 Nachhaltigkeitsstandards aus der Landwirtschaft. Als Matrix dienen 27 Kriterien aus den Bereichen Wasserregulierung und -management, Wasserbilanz, Wasserqualität und wichtige wasserbezogenen Flächen. Für jedes Kriterium ermittelt die Studie Standard für Standard, inwiefern keine nennenswerte Erfüllung (0Punkte), eine begrenzte Erfüllung (1 Punkt), eine allgemeine Erfüllung (2 Punkte) oder eine weitgehende Erfüllung (3 Punkte) vorliegt. Zusätzlich werden Lösungsansätze für einzelne Standards vorgeschlagen.  

 

Hintergrund Water Stewardship-Konzept

Zur Reduktion von Wasserrisiken hat der WWF das Water Stewardship-Konzept entwickelt. Im Rahmen einer schrittweisen Entwicklung ist es Wassernutzern in Flussgebieten dabei möglich, ein Wasserbewusstsein zu entwickeln, Wasserrisiken zu analysieren und zusammen mit anderen Wassernutzern, Behörden und der Zivilgesellschaft in kritischen Flussgebieten passende Strategien und Lösungen zu entwickeln.

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