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Schiffstaufe der „MSC Zoe“: Beweisführung mit der Brechstange

31. Juli 2015

BUND, NABU und WWF warnen vor steigenden Havarierisiken durch Mega-Schiffe auf der Elbe

Containerschiff © WWF
Containerschiff © WWF

Hamburg: Wieder einmal wird das aktuell weltgrößte Containerschiff – die „MSC Zoe“ – den Hamburger Hafen anlaufen und am Sonntag publikumswirksam getauft werden. Beim Aktionsbündnis Lebendige Tideelbe, einem Zusammenschluss der Umweltverbände BUND, NABU und WWF, stößt die PR-Aktion auf Kritik.

 

 „Man versucht mit der Brechstange zu demonstrieren, dass der Hamburger Hafen trotz unüberwindbarer Beschränkungen auch zukünftig mit Mega-Containerschiffen angefahren werden kann. Restriktionen wie enge Zeitfenster für Wendemanöver werden dabei genauso ausgeblendet wie nachweislich steigende Havarie-Risiken“, kritisiert Manfred Braasch  vom BUND Hamburg.

 

Bei der letzten Havarie Anfang Juli war das 336 Meter lange Containerschiff NYK Olympus wegen eines technischen Schadens komplett aus dem Ruder gelaufen, hatte sich im Elbstrom um 180 Grad gedreht und drohte mit dem Heck gegen das Ufer zu schlagen.

 

„Die Gefahr einer Havarie zu ignorieren und der Öffentlichkeit zu verschweigen, ist aus Sicht der Verbände fahrlässig. Das Risiko wächst mit den Schiffen mit. Die geplante Elbvertiefung soll Containerriesen nach Hamburg bringen und verringert das Risiko nicht. Die Anfälligkeit der Megaschiffe für Wind und Tideströmung ist genauso unabhängig von Fahrrinnentiefe wie technische Ausfälle und mögliche nautische Fehler“, so Beatrice Claus vom WWF.

 

Selbst die im Zuge der Elbvertiefung geplante „Begegnungsbox“ - d.h. eine stellenweise Verbreiterung der Fahrrinne auf 385 Meter - löst das Problem nicht. Nach internationalen Standards (PIANC) müsste die Fahrrinne für heutige Schiffsgrößen mindestens 450 Meter breit sein, dies ist aber räumlich gar nicht realisierbar. Im mündungsnahen Bereich bis Glückstadt ist die Elbfahrrinne 400 Meter breit, weiter elbaufwärts bis zur Lühemündung 300 Meter und bis zum Hamburger Hafen beträgt die Breite nur noch 250 Meter. Die MSC Zoe misst 396,40 Meter und ist fast so lang wie die Fahrrinne im breitesten Abschnitt.

Das erkennbare Havarie-Risiko sei ein weiteres Argument für eine Hafenkooperation, da die Megafrachter im Tiefwasserhafen JadeWeserPort ohne Probleme abgefertigt werden können, betont das Aktionsbündnis.

 

Auch Schiffsversicherer* warnen gerade in Häfen mit engen Zufahrten angesichts der Schiffsgrößenentwicklung vor erheblichen zusätzlichen Havarie-und Bergungsrisiken. Zudem betont ein aktueller Report der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)  neben den Gefahren besonders die steigenden Kosten für die Häfen durch immer größere Schiffe. Europäische Häfen müssten ständig Containerbrücken, Kaikanten oder auch Verkehrsinfrastruktur anpassen. Die Kosten dafür übernimmt in der Regel die öffentliche Hand. 

 

„Häfen wie Hamburg mit ihren Restriktionen werden von den Reedereien förmlich erpresst“, sagt Malte Siegert vom NABU Hamburg. „So finanziert vor allem der Steuerzahler die Folgen der durch wachsende Schiffsgrößen erzielten Gewinne der Reedereien. Und je größer die Schiffe werden, desto größer wird auch das Risiko für Natur und Umwelt.“

KONTAKT:

Britta König

Pressestelle

Tel: 040 50 200 318

britta.koenig(at)wwf.de

Twitter:@koenigWWF