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Weniger Sojaschrot, gleiche Qualität

10. Juni 2015

Praxistests bestätigen erhebliches Einsparpotential bei Sojaschrot in der Schweinemast. Futtermittel aus heimischem Anbau sind gute Alternativen.

Konventionelle Schweinehaltung © Landesanstalt Landwirtschaft Hessen
Konventionelle Schweinehaltung © Landesanstalt Landwirtschaft Hessen
  • Heimische Futterkomponenten wie Erbsen und Rapsschrot lassen sich sehr gut in Rationen der Schweinemast integrieren
  • Zusammen mit einer proteinreduzierten, vielphasigen Fütterung verringern sie den Sojaschroteinsatz
  • Der Einsatz der Komponenten hat keine negativen Auswirkungen auf die biologischen Leistungsdaten
  • Praxisversuche bestätigen Berechnungen aus der WWF-Futtermittelstudie „Alternativen zu importierten Sojaerzeugnissen in der Schweinefütterung

 

Berlin/Münster: Eine Schweinemast mit deutlich weniger Sojaschrot und weniger Proteinzufuhr hat keine negativen Auswirkungen auf die Tageszunahmen der Tiere. Dies zeigen erste Praxisversuche auf zwei Schweinemastbetrieben im Auftrag des WWF Deutschland. Die Ergebnisse der Praxisversuche wurden auf der WWF-Fachtagung „Nachhaltigkeit in der Schweinefütterung – Strategien und Komponenten“ in Münster erstmals vorgestellt.

Markus Wolter, WWF-Referent für Agrarrohstoffe und Tierhaltung. „Landwirte können durch sojaschrotreduzierte Fütterungsstrategien aktiv dazu beitragen, dass wir weniger Soja importieren und so der Druck auf die Anbauflächen in Südamerika sinkt. Die Ergebnisse zeigen eindrücklich: Mehr Nachhaltigkeit in der Schweinefütterung ist machbar.“ Ein weiterer positiver Effekt sei, dass heimisch angebaute Leguminosen und Raps gentechnikfrei sind. Die hiesige Landwirtschaft profitiere zudem bei deren Anbau von der Vielzahl ihrer positiven Ökosystemleistungen.

Zwei Betriebe testeten in ihrer Schweinemast Fütterungsstrategien aus der WWF -Futtermittelstudie „Alternativen zu importierten Sojaerzeugnissen in der Schweinefütterung“. Dabei minimierten sie den Anteil von Sojaschrot erheblich, einer der beiden Betriebe reduzierte von 41 Kilogramm auf knapp sieben Kilogramm pro Mastschwein. Als Ersatz kamen Rapsschrot und Körnerleguminosen wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen zum Einsatz. Ab einem Lebendgewicht von 50 Kilogramm bis zum Endmastgewicht von 120 Kilogramm war das Futter sogar komplett sojaschrotfrei. Sowohl die WWF- Futtermittelstudie über Alternativen zu Sojaschrot in der Schweinemast als auch die Praxisversuche sind Ergebnisse der Zusammenarbeit von WWF und EDEKA beim Thema Soja im Rahmen ihrer Partnerschaft für Nachhaltigkeit. EDEKA setzt sich beim Einsatz von Futtermitteln in der Schweine-, Rinder- und Geflügelernährung für eine Umstellung auf heimische beziehungsweise europäische Futtermittel, wie zum Beispiel  Rapsschrot und Leguminosen, oder auf zertifiziert verantwortungsvolleres, gentechnikfreies Soja (RTRS + GVO-frei, ProTerra oder Donausoja) ein.

Hintergrund

Die weltweite Sojaproduktion hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Tendenz steigend. Soja wird überwiegend in nicht nachhaltig bewirtschafteten Monokulturen angebaut, mit vielfältigen negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Wertvolle Ökosysteme wie Wälder und Savannenlandschaften werden in den südamerikanischen Anbauländern zerstört.

Allein durch die Verfütterung von Sojaschrot werden jährlich mindestens 304.000 t Stickstoff und 26,600 t Phosphor nach Deutschland importiert. Im Zusammenspiel mit einer intensiven Nutztierhaltung mit großen Tierbeständen bei zu knapper landwirtschaftlicher Nutzfläche kann dies zu einem Überschuss an stickstoffhaltiger Gülle führen.

KONTAKT

Wiebke Elbe

Pressestelle WWF

Tel: 030 311 777-219

wiebke.elbe(at)wwf.de

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