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EDEKA und WWF fördern gemeinsam Artenvielfalt im Bio-Landbau

26. März 2015

WWF und weitere Experten entwickeln Naturschutzstandard für mehr Artenvielfalt

Drilllücken im Getreide bieten Raum für Ackerwildkräuter © Frank Gottwald / WWF
Drilllücken im Getreide bieten Raum für Ackerwildkräuter © Frank Gottwald / WWF

EDEKA fördert die Artenvielfalt: Im Modellprojekt "Landwirtschaft für Artenvielfalt" des WWF Deutschland engagiert sich EDEKA als Wegbereiter und Vermarktungspartner. Ziel ist es, die Vielfalt der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten in landwirtschaftlich geprägten Lebensräumen mit Hilfe eines neuen Naturschutzstandards für den Bio-Landbau zu erhöhen. Projektpartner auf Erzeugerseite ist der ökologische Anbauverband Biopark. Die wissenschaftliche Begleitung liegt beim Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. "Ab Mitte April sind die ersten Produkte der Bio-Eigenmarken `NATUR PUR´ und `Unsere Heimat - echt & gut´ mit dem Logo Landwirtschaft für Artenvielfalt zunächst in den Märkten unserer Region erhältlich", so Carsten Koch, Sprecher der Geschäftsführung EDEKA Nord. "Als Genossenschaft haben wir in regionaler Verbundenheit zu unseren Kunden und Produzenten eine generationsübergreifende Verantwortung in Sachen Werteschaffung und Werteerhalt."

 

Projekt nutzt Potenziale im Bio-Landbau

Das Modellprojekt "Landwirtschaft für Artenvielfalt" setzt im Bio-Landbau an: Insbesondere hier gibt es viele Möglichkeiten, den Lebensraum für Tiere und Pflanzen auf den bewirtschafteten Flächen zu verbessern. Die teilnehmenden Biopark-Betriebe setzen individuell ausgewählte Naturschutzleistungen aus einem 70 Maßnahmen umfassenden Katalog um, der von einem Bewertungssystem flankiert wird. Jede Maßnahme erzielt Punkte. Für den Standard muss eine bestimmte Mindestpunktzahl erreicht sein. Das Logo "Landwirtschaft für Artenvielfalt" weist extra auf die Bio-Produkte aus dem Projekt hin.

 

Für EDEKA ist "Landwirtschaft für Artenvielfalt" ein weiterer wichtiger Meilenstein in der strategischen Zusammenarbeit mit dem WWF. Denn von Erhalt und Erhöhung der Artenvielfalt werden Umwelt und Verbraucher profitieren: Die heimische Tier- und Pflanzenwelt wird gefördert und EDEKA erweitert ihr Angebot an umweltverträglicher hergestellten Produkten um Bio-Lebensmittel mit einem zusätzlichen Mehrwert für die Natur. Tanja Dräger, beim WWF Deutschland verantwortlich für das Modellprojekt, sieht eine gute Basis zur flächendeckenden Einführung des neuen Naturschutzstandards "Landwirtschaft für Artenvielfalt": "Je mehr Bio-Landwirte mitmachen und je mehr Kunden sich für dieses Bio mit dem Zusatzstandard entscheiden, desto besser für die Artenvielfalt in Deutschland. Wir hoffen, dass andere ökologische Anbauverbände den Standard übernehmen." Sven Euen, Hauptgeschäftsführer des ökologischen Anbauverbandes Biopark, ergänzt: "Die Praxis zeigt, dass das Miteinander von ökologischer Landwirtschaft und naturschutzfachlicher Beratung einen messbaren Mehrwert für unsere Kulturlandschaft und die Artenvielfalt leisten kann. Der Mehrwert für Produkte aus dieser Zusammenarbeit ist auch für den Verbraucher nachvollziehbar." Unterstützt wird das gemeinsame Projekt von WWF, Biopark und EDEKA durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

 

Besondere Leistungen zur Förderung der Artenvielfalt

In Deutschland werden über 50 Prozent der Fläche durch die Agrarwirtschaft genutzt. Viele Tiere und Pflanzen sind auf diese Flächen als Lebensraum angewiesen. Aufgrund der Intensivierung der Agrarnutzung gilt eine Vielzahl von ihnen mittlerweile als gefährdet, darunter ehemals verbreitete Arten wie Feldhase, Kiebitz oder Acker-Rittersporn. Hier setzt das Modellprojekt "Landwirtschaft für Artenvielfalt" an: Insbesondere im Bio-Landbau gibt es viele Möglichkeiten, die Artenvielfalt zu erhalten und zu erhöhen. Die Maßnahmen werden zusammen mit naturschutzfachlichen Beratern individuell für den jeweiligen Betrieb ausgewählt, z. B. die Anlage von Blühflächen, die späte Heuernte auf Teilen der Grünlands oder der Schutz und die Pflege von Hecken als Nistraum. Erarbeitet wurden die Maßnahmen von 40 Fachleuten aus den Bereichen Naturschutz und Landwirtschaft. Im Anschluss an die Pilotphase soll der neue Naturschutzstandard durch zugelassene Öko-Kontrollstellen im Rahmen der jährlichen Kontrollen überprüft werden.

 

Vermarktungsstart bei EDEKA Nord

Als Wegbereiter von "Landwirtschaft für Artenvielfalt" vermarktet EDEKA die Agrarprodukte während der Projektphase als exklusiver Handelspartner und garantiert die Abnahme der Projekt-Produkte zu Erzeugerpreisen, die den Mehraufwand honorieren. In vielen Märkten von EDEKA Nord werden zum Start in KW 16 Kartoffeln von "Unsere Heimat - echt & gut" sowie Fleisch- und Wurstwaren von "Natur Pur" - beides regionale Bio-Eigenmarken - angeboten, die zusätzlich den neuen Naturschutzstandard für Artenvielfalt erfüllen. Alle Artikel tragen neben dem EU-Biosiegel und dem Logo von Biopark das grüne "Landwirtschaft für Artenvielfalt"-Logo. Darüber hinaus sorgt der WWF-Panda für Orientierung, denn EDEKA Eigenmarken-Produkte, die anerkannte ökologische Standards erfüllen und entsprechend der Kriterien unabhängiger Prüforganisationen zertifiziert sind, tragen diesen zusätzlich. Das Projekt wird zur Landespressekonferenz Mecklenburg-Vorpommern am 12. Mai 2015 in Schwerin vorgestellt.

 

Hintergrund: Auswirkungen der Intensiv-Landwirtschaft in Deutschland und Europa

 

Vögel: Derzeit befinden sich 45 Prozent der Agrarvogelarten auf der Roten Liste und über 30 Prozent auf der Vorwarnliste. Besonders dramatisch ist der Einbruch beim Bestand der Rebhühner. Laut Daten des European Bird Census Council ist deren Vorkommen in Europa zwischen 1980 und 2010 von 13,4 Millionen auf nur noch 800.000 Exemplare zurückgegangen (minus 90 Prozent). Ähnlich dramatische Einbußen verzeichnen demnach unter anderem die Populationen von Ortolan (minus 87 Prozent) und Braunkehlchen (minus 71 Prozent).

 

Schmetterlinge: Eine weitere Artengruppe, die europaweit stark negative Trends aufweist, sind Tagfalter, die in Grünlandlebensräumen vorkommen. Dazu zählen Arten wie der Hauhechelbläuling oder das Große Ochsenauge. Der europäische Trendindikator für 17 ausgewählte Arten zeigt gegenüber dem Referenzwert von 1990 einen Rückgang um fast 50 Prozent.

 

Amphibien: Zu den typischen Arten in Agrarlandschaften zählt die Rotbauchunke, die innerhalb Deutschlands einen Verbreitungsschwerpunkt in Mecklenburg-Vorpommern hat. Laut der Roten Liste Deutschland wird die Rotbauchunke als "stark gefährdet" eingestuft. Ursachen sind die Degradierung von Kleingewässern in der intensiv gedüngten Agrarlandschaft und die Umwandlung von extensiv genutztem Grünland in hochgedüngte Vielschnittwiesen und Maisäcker.

Kontakt

Wiebke Elbe

WWF Deutschland

Pressestelle

Tel. 030 311 777 219 

Mail: Wiebke.Elbe(at)wwf.de 

Twitter: @ElbeWWF

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