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Wenn der Wolf nach Hessen kommt

16. März 2015

Überfahrener Wolf bei Bad Soden-Saalmünster. / WWF: Hessen ist nicht vorbereitet.

Wolf © iStock / Getty Images
Wolf © iStock / Getty Images

Bei einem Wildunfall nahe Bad Soden-Saalmünster wurde ein Wolf tödlich verletzt. Der Vorfall macht nach WWF-Einschätzung deutlich, dass die dauerhafte Rückkehr der Tiere nach Hessen unmittelbar bevorsteht. Doch, so die Warnung der Umweltschützer, das Bundesland ist nicht vorbereitet.

 

„Bereits 2011 gab es einen verletzten Wolf in der Region Gießen und im Reinhardswald lebte lange Zeit ein Einzeltier. Trotzdem hat die hessische Politik die vergangenen Jahre ungenutzt verstreichen lassen. Das Bundesland braucht dringend einen Managementplan nach dem Vorbild von Sachsens und muss entsprechende, professionelle Strukturen in der Fläche aufbauen“, fordert WWF-Experte Janosch Arnold. Die bestehenden Managementpläne in den beiden „Wolfs-Bundesländern“ wurden in gemeinsamen Arbeitsgruppen von Behörden, Wissenschaftlern, Jagdverbänden, Schafszüchtern, Umweltschutzorganisationen sowie Bürgerinitiativen erarbeitet. 

 

Was drohe, wenn sich die Landesregierung nicht ausreichendauf die absehbare Rückkehr der Tiere vorbereit, zeige die Situation im benachbarte Niedersachsen. Zwar gibt es in dem Bundesland einen Wolfs-Managementplan, es wurde jedoch versäumt das Papier mit Leben zu füllen. Die Mängel offenbaren sich laut WWF derzeit im Umgang mit einem wenig Scheu zeigenden und sich auffällig verhaltenden Wolf. „Zwischen Theorie und praktischer Umsetzung bei Wildtierkonflikten klaffen in vielen Bundesländern noch gefährliche Lücken. Doch immerhin gibt es dort schon entsprechende Managementpläne. In dieser Hinsicht ist Hannover sogar noch einen Schritt weiter als Wiesbaden“, fasst Arnold zusammen.

 

Hintergrund

Seit Ende der neunziger Jahre ist der Wolf wieder in Deutschland heimisch. Doch noch immer haben einzelne Bundesländer nicht die dringenden Managementpläne erarbeitet, um im Konfliktfall, etwa bei Übergriffen auf Schafsherden, vorbereitet zu sein. Auch schwankt die Qualität und die de fakto Umsetzung der existierenden Pläne deutlich.

 

Bis heute hat es in Deutschland seit der Rückkehr der Wölfe keinen einzigen Übergriff auf Menschen gegeben.  Auch die derzeit in Schleswig-Holstein und Niedersachsen auffälligen Exemplare zeigen bisher keine Aggressionen gegenüber Menschen. Allerdings auch wenig Distanz. Was der WWF als potentiell kritisch bewertet und genauer Beobachtung bedarf.

 

Bei den bis zu 20.000 in Europa lebenden Wölfen gab es in den vergangenen sechzigJahren neun tödliche Angriffe auf Menschen, zumeist von tollwütigen Tieren. In den USA, ein Land mit immerhin etwa 60.000 Wölfen, wurden im selben Zeitraum zwei tödliche Wolfsangriffe gemeldet. Zum Vergleich: Allein in Deutschland sterben jedes Jahr rund 40 Menschen an den Folgen von Bienen- und Wespenstichen.

KONTAKT

Roland Gramling

WWF Pressestelle

Tel. 030-311 777 425

roland.gramling(at)wwf.de

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