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Wattenmeer vor dem Ertrinken retten

15. Oktober 2015

WWF-Studie zur langfristigen Anpassung des Wattenmeeres an den Klimawandel

Überflutete Salzwiese © Hans-Ulrich Rösner / WWF
Überflutete Salzwiese © Hans-Ulrich Rösner / WWF

Der Meeresspiegel steigt und macht vor dem Wattenmeer nicht halt. Seit 1900 ist der Pegel im Wattenmeer vor Schleswig Holstein durchschnittlich um 1,6 mm pro Jahr gestiegen. Der WWF rechnet damit, dass sich dieser Trend durch den Klimawandel wesentlich beschleunigt. Die steigende See wird das als Nationalpark und Weltnaturerbe geschützte Wattenmeer vor gewaltige Probleme stellen. „Wenn wir in den kommenden Jahrzehnten nicht beginnen, mit regionalen Anpassungsmaßnahmen gegenzusteuern, steht das Wattenmeer vor dem Untergang“, warnt Jannes Fröhlich vom WWF Deutschland. „Riesige Wattflächen würden ständig überflutet, Insel- und Halligufer weggespült und mit dem Meeresspiegel steigt das Sturmflutrisiko. Damit das Wattenmeer nicht ertrinkt, muss es mit dem Meeresspiegel in die Höhe wachsen.“ Damit dies aber noch rechtzeitig erfolgen könne, müsse es laut WWF neben regionalen Maßnahmen zu einem wirksamen Klimaschutz auf globaler Ebene kommen.

 

In einer jetzt vorgelegten WWF-Studie werden 13 Fallbeispiele von Projekten aus den Niederlanden, England, den USA und anderen Ländern vorgestellt, aus denen sich Möglichkeiten zur Klimaanpassung durch „Wachsen mit dem Meer“ für das Wattenmeer ableiten lassen.

 

Die wichtigsten Ergebnisse: Besonders an flachen Küsten müssen Wattflächen, Salzwiesen und Inseln erhalten und, falls nicht mehr vorhanden, wiederhergestellt werden. Dadurch lasse sich die Widerstandsfähigkeit der Küste stärken. Durch Erosion abgetragene Sedimente können durch die Aufspülung von Sand aufgefüllt werden, wenn die natürlichen Verhältnisse dies erlauben. Auch eine natürliche Dünenentwicklung nach niederländischem Vorbild trage zur Klimaanpassung bei. Dazu gehöre, dass Sand vom Strand durch die Dünen ins Hinterland wehen dürfe. Dies erhöhe das Land und stärke unbesiedelte Inselbereiche. Salzwiesen, die bei hohen Fluten durch abgelagerte Sedimente in die Höhe wachsen, wirken bei Sturmfluten wie ein Puffer zwischen Land und Meer und sollten, wo möglich, wiederhergestellt werden. Doch welche Maßnahme man auch ergreift, es zeige sich an den Fallbeispielen auch, dass man zu ihrer erfolgreichen Umsetzung ein breites Bündnis zwischen den Betroffenen und eine langfristige Raumplanung brauche.

 

Die besondere Herausforderung im Nationalpark Wattenmeer besteht laut WWF darin, vor allem die Naturkräfte wie Wind und Gezeiten für das „Wachsen mit dem Meer“ zu nutzen und sie dabei möglichst sanft zu unterstützen.

 

„Maßnahmen zur Klimaanpassung müssen im Wattenmeer zwei Anforderungen erfüllen: Sie müssen dem Schutz der Menschen dienen, zugleich aber zum Erhalt des Nationalparks und Weltnaturerbes mit seiner Artenvielfalt und wilden Natur beitragen“, sagt Jannes Fröhlich vom WWF. Wenn diese Verbindung gelinge, kann die Artenvielfalt und Natürlichkeit der einzigartigen Landschaft an der Nordseeküste auch im Jahr 2100 und darüber hinaus noch erhalten werden.

 

Die WWF-Studie soll die Umsetzung der „Wattenmeerstrategie 2100” unterstützen, die in diesem Jahr von der schleswig-holsteinischen Landesregierung auf den Weg gebracht wurde. Von Küstenschutz- und Naturschutzbehörden, WWF, der Schutzstation Wattenmeer und der Insel- und Halligkonferenz gemeinsam entwickelt, stellt sie die Weichen dafür, dass das schleswig-holsteinische Wattenmeer sich auch in 100 Jahren noch an den durch den Klimawandel beschleunigt steigenden Meeresspiegel anpassen kann.

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