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Dem Artentod von der Schippe gesprungen

11. April 2016

Globale Tigerbestände in der Wildnis steigen, doch Situation bleibt kritisch

Tiger © Arangan Ananth / shutterstock
Tiger © Arangan Ananth / shutterstock

Der Dschungelkönig kehrt zurück: Die Zahl der wild lebenden Tiger ist von 3.200 Tieren im Jahr 2010 auf heute 3.890 gestiegen. Diese erfreuliche Zahl legten WWF und das Global Tiger Forum anlässlich des dritten Ministertreffens der 13 „Tigerstaaten“ zum Schutz der Tiere vor, das vom indischen Premierminister Narendra Modi morgen in Neu-Delhi eröffnet wird.

 

„Wer Tiger schützen will, braucht Ausdauer. Doch nun zahlt sich unser Engagement aus. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten steigt die Zahl der wild lebenden Tiger zumindest in einigen Ländern wieder an. Das verdanken wir der  intensiven Zusammenarbeit von Regierungen, lokaler Bevölkerung und Naturschützern und es gibt uns Hoffnung, dem Dschungelkönig ein dauerhaftes Überleben ermöglichen zu können“, freut sich Eberhard Brandes, geschäftsführender Vorstand des WWF Deutschland. Jedoch müsse vor allem der Kampf gegen die Wilderei noch vehementer geführt werden, denn allein seit 2000 wurden 1.590 illegal gewilderte Tiger durch Polizei und Behörden beschlagnahmt. Auch der massive Lebensraumverlust setze dem Tier stark zu. Vor 100 Jahren streiften noch mehr als 100.000 Tiger durch Asien.

 

Die aktualisierten Bestandszahlen wurden auf Basis von Daten der Weltnaturschutzunion IUCN und den aktuell vorliegenden Tigerzahlen aus national durchgeführten Tigerzählungen ermittelt. Begründet wird der Anstieg durch ein Anwachsen der Tigerpopulationen, aber auch durch verbesserte Zählmethoden sowie erhöhte Schutzmaßnahmen.

 

Spitzenreiter unter den Tigerschützern sind Indien mit einer Steigerung von mehr als 500 Tieren und Nepal mit einer um zwei Drittel höheren Zahl als 2009. Auch in Russland und Bhutan kam es zu leichten Steigerungen bei den Populationen. Leider stehen für Länder wie Malaysia, Thailand und Indonesien die dringend notwendigen, nationalen Zählungen immer noch aus. Hier beruhen die Angaben zu den Bestandszahlen zum Großteil aus Schätzungen, die aus Daten relativ gut erfasster Tigergebiete ermittelt werden. Keine aktuellen Zahlen liegen bisher aus Myanmar vor. Der WWF fordert von allen Staaten ihre Verantwortung im Tigerschutz wahrzunehmen und wirksame Aktionspläne für die nächsten sechs Jahre zu entwickeln, um das Ziel der Verdoppelung der Tigerpopulationen zu erreichen.

 

„Gerade die südostasiastischen Länder halten sich sehr bedeckt, was ihre Tigerbestände betrifft und was sie in Sachen Tigerschutz in den kommenden Jahren unternehmen werden. Diese Länder müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und dürfen sich nicht hinter den Staaten verstecken, die ihre Tigerschutzbemühungen erfolgreich umsetzen“, so Brandes. Grundlage für erfolgreichen Tigerschutz seien belastbare Bestandszahlen, denn nur damit lasse sich messen, ob Schutzbemühungen erfolgreich seien oder nicht.  „In den nächsten sechs Jahren bleibt alle Hände voll zu tun, damit wir unser Ziel der Bestandsverdopplung erreichen. Doch eine gute und vielversprechende Basis dafür ist gelegt, sodass wir mit Hoffnung und Tatendrang in die Zukunft schauen“, so Brandes.

 

Neben dem Schrumpfen des Lebensraums ist die Wilderei die zweite Hauptursache für den weltweiten Rückgang der Tigerbestände. Der WWF Deutschland unterstützt daher die Ausbildung und Ausstattung von Anti-Wilderereinheiten im Russischen Fernen Osten, in Thailand sowie in Sumatra und hilft damit die Bestände von Amur-Tiger, Indochinesischem Tiger und Sumatra-Tiger aufzubauen. Zusammen mit Partnern wie TRAFFIC und Interpol bekämpft der WWF außerdem den Schmuggel mit Tigerprodukten.

 

 

Hintergrund:

Die Tigerkonferenz in Neu-Dehli findet genau zur Halbzeit zwischen dem Tigergipfel von St. Petersburg 2010 und dem nächsten chinesischen Jahr des Tigers im Jahr 2022 statt. Damals wurde vereinbart, dass die Zahl der wild lebenden Tiger in diesen zwölf Jahren von 3.200 auf 6.400 verdoppelt werden soll.

 

Bestandszählungen:

Bei den aktuellen Erhebungen wurden Jungtiere nicht in die Zählung mit aufgenommen. Dies ist ein rein methodischer Ansatz, aus Gründen der hohen Jungensterblichkeit. Somit werden nur die Individuen aufgenommen, die bereits das fortpflanzungsfähige Alter erreicht haben.

 

Die genaue Anzahl der Tiger ist in vielen Gegenden schwer nachzuweisen, da sie oft in unzugänglichen Waldgebieten leben. Das bringt sehr hohe Kosten mit sich, die bisher in vielen Ländern in andere Naturschutzmaßnahmen investiert wurden. Mit modernen Beobachtungstechniken, neuer Ausrüstung und billigeren Kamerafallen können Tierzählungen zunehmend leichter gelingen. Der WWF arbeitet seit vielen Jahren für die Rettung der wild lebenden Tiger. Seit den 1980er Jahren sind die Bestände aber bedrohlich bis 2010 auf nahezu ein Drittel geschrumpft. Daher kämpft der WWF in einer weltweiten Kampagne für die Finanzierung und Durchführung von zahlreichen Tigerprojekten in allen 13 Tigerstaaten.

KONTAKT

Sylvia Ratzlaff

Pressestelle

WWF Deutschland

Tel. 030-311 777 467

sylvia.ratzlaff@wwf.de

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