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Causa Schweighofer: FSC verhängt Bewährung für Zertifikate

07. Dezember 2016

WWF fordert sofortige und konkrete Maßnahmen

Holztransport in Rumänien © Wildwonders of Europe / Cornelia Doerr / WWF
Holztransport in Rumänien © Wildwonders of Europe / Cornelia Doerr / WWF

Wien: Der FSC hat gegen Holzindustrie Schweighofer eine Bewährungsstrafe ausgesprochen. Das Unternehmen hat nun bis Februar Zeit, die festgestellten Regel- und Rechtswidrigkeiten abzustellen. Das Urteil geht zurück auf eine Beschwerde des WWF. Die Umweltschützer hatten immer wieder über illegale Machenschaften von Schweighofer in Rumänien berichtet. Auch der wiederholte Ankauf von Holz aus dem Nationalpark Retezat wird dem Unternehmen vorgeworfen. Der WWF fordert sofortige und konkrete Maßnahmen gegen illegales Holz innerhalb der Geschäfte von Schweighofer. Es gehe um nicht weniger als die letzten Urwälder Europas. 

 

Die von FSC durchgeführten Untersuchungen wurden durch eine Beschwerde des WWF im November 2015 in Gang gesetzt. Der FSC setzte in Folge eine unabhängige Untersuchungskommission ein, die die Anschuldigungen gegen Schweighofer unter die Lupe nahm. In diesem Prozess wurden über Monate mehr als 400 Dokumente gesichtet und zahlreiche Interviews geführt. Die Kommission kam zu dem eindeutigen Ergebnis, dass Holzindustrie Schweighofer in den illegalen Holzhandel in Rumänien involviert ist und die “FSC policy of Association” verletzt hat. Ebenso klar fällt die Empfehlung des Untersuchungsausschusses an den FSC-Vorstand aus – nämlich der Beschwerde des WWF stattzugeben und jegliche Beziehungen zu Schweighofer zu kappen.

 

Der FSC-Vorstand gab heute jene Bedingungen bekannt, die von Schweighofer bis zum nächsten FSC-Board-Meeting im Februar 2017 erfüllt werden müssen. Dazu gehören ein Schuldeingeständnis für eigene Verfehlungen und der Aufbau eines Sorgfaltspflichtsystems, das unter anderem offenlegt, woher das beschaffte Holz stammt.

 

Dem WWF genügt diese Entscheidung nicht. „Die Erkenntnis der unabhängigen Untersuchungskommission ist eindeutig: Schweighofer war in den illegalen Holzhandel verwickelt und neue Filmberichte lassen stark vermuten, dass die Verstöße aktuell andauern“, so Johannes Zahnen, Waldexperte beim WWF. „Die Tatsache, dass sich FSC trotzdem nicht von Holzindustrie Schweighofer distanziert, sondern weiterhin mit dem Unternehmen zusammenarbeiten möchte, erfüllt unsere Erwartungen definitiv nicht. Die heutige Entscheidung von FSC ist für Schweighofer und andere Unternehmen wie ein Persilschein. Selbst mit illegalen Geschäftsmethoden droht kein Verlust des FSC-Logos“, so Zahnen.

 

Aus der Sicht des WWF sind deutliche Strafen unabdingbar, wenn sich nach eingehenden Untersuchungen herausstellt, dass illegalem Holzhandel Vorschub geleistet wurde. Fast zwei Jahre lang recherchierten Umweltschutzorganisationen, Journalisten sowie das rumänische Umweltministerium und trugen Hinweise zusammen. Im Wesentlichen geht es um den Ankauf von illegalem Holz, den Ankauf von Holz ohne Dokumente, Bestechung sowie die Zusammenarbeit mit Scheinfirmen.

 

Der heute publizierte 100-seitige Bericht der Kommission bestätigt die Bedenken des WWF: Es gibt klare Beweise, dass Schweighofer in den illegalen Holzhandel involviert war – einerseits durch den Ankauf von illegalem Holz und andererseits durch entsprechende Aktivitäten innerhalb der eigenen Sägewerke. Die Untersuchungskommission stellte zudem fest, dass das Schweighofer-System unter anderem die Überschreitung des erlaubten Holzeinschlags gefördert hat. Offensichtlich stand Schweighofer mit zwielichtigen Unternehmen und Personen in Verbindung, die wiederum mit Korruption und illegalen Geschäften in Verbindung stehen. Teilweise werden diese Unternehmen von Schweighofer auch vorfinanziert, um ihre dubiosen Geschäfte durchführen zu können. Die Untersuchungskommission weist auch auf jüngste Berichte und Vorwürfe über die Verwicklungen von Schweighofer in illegale Holzgeschäfte und Korruption in der Ukraine hin. Weitere Untersuchungen dahingehend wurden in dem Bericht aber nicht angestellt.

 

Der WWF erwarte vom FSC nun ein transparentes Monitoring, das den weiteren Verlauf des Falls Schweighofer kontinuierlich offenlegt. Alle weiteren Schritte müssten sichtbar gemacht werden. „Der WWF hält die heutige Entscheidung von FSC für einen zahnlosen Tiger im Kampf gegen illegalen Holzhandel”, so Zahnen. „Der WWF wird den Kampf gegen den Raubbau und die Waldvernichtung in jedem Fall fortsetzen und sich mit aller Kraft für mehr Transparenz am Holzmarkt einsetzen.“

 

„Unsere Wälder sind kein Freiwild für verantwortungslose Unternehmen. Die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung Rumäniens, das Wohlergehen der Menschen dort und der Erhalt der Artenvielfalt sind eng mit der Entwicklung und dem Erhalt der Wälder in Rumänien verbunden. Alleine diese Tatsache sollte ausreichend motivieren, um entschlossen gegen den illegalen Holzhandel vorzugehen”, so Magor Csibi, Direktor beim WWF Rumänien.

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Immo Fischer

Pressestelle

Tel.: 030 / 311 777 427

immo.fischer(at)wwf.de

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