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Europa auf dem Holzweg

19. Februar 2016

EU-Bericht zu illegalem Holzhandel in Europa. / WWF zu Situation in Deutschland: „Nichts hören, nichts sehen, nichts bestrafen.“

Abholzung Dzanga-Sangha © Kalpesh Latigra / WWF

Der WWF kritisiert, dass die europäische Holzhandelsverordnung auch drei Jahre nach in Kraft  ein weitgehend zahnloser Papiertiger geblieben ist. Das gehe, laut WWF aus einem am Donnerstag in Brüssel präsentierten Bericht hervor. Der EU-Report zeige, dass die EU-Verordnung meist zu spät und noch immer nicht in das Recht aller Nationalstaaten implementiert und entsprechend umgesetzt wurde. Zudem würden viele Holzproduktgruppen nicht von Verordnung erfasst, darunter etwa Druckprodukte, Sitzmöbel, Holzkohle oder Musikinstrumente. „Nichts hören, nichts sehen, nichts bestrafen, scheint das Motto der Behörden beim illegalen Holzhandel in Deutschland zu sein“, so die Kritik von Johannes Zahnen, WWF-Referent Forstpolitik. „Die Verordnung muss künftig alle Holzprodukte erfassen und alle 28 EU-Staaten müssen die Vorgaben effektiv umsetzen, sonst bleibt das Risiko für Konsumenten bestehen, dass sie Produkte aus illegalen Quellen kaufen. Der Import und Handel von illegal eingeschlagenem Holz muss aufhören.“

 

Der Fall des österreichischen Unternehmens Holzindustrie Schweighofer, einem der Großen im Europäischen Holzgeschäft, zeigt in bester Weise den Reformbedarf der Richtlinie. Schweighofer steht unter massivem Verdacht illegales Holz gekauft zu haben und in illegalen Holzhandel verwickelt zu sein. Die US-amerikanische Environmental Investigation Agency (EIA) hatten im Oktober 2015 einen Bericht präsentiert, nach dem Holzindustrie Schweighofer verdächtigt wird, einer der größten Treiber für illegalen Holzeinschlag in Rumänien zu sein. Der Bericht weist darauf hin, dass 50 Prozent des Holzeinschlags in Rumänien aus illegalen Quellen stammen. Illegal geschlagenes Holz im Wert von fünf Milliarden Euro stammt allein aus rumänischen Wäldern. Schweighofer besitzt drei Sägewerke und zwei Fabriken in Rumänien und setzt dabei 465 Millionen Euro jährlich um.

 

Auf Basis des Berichts erstattete der WWF im November 2015 Anzeige bei der zuständigen Behörde in Österreich. Diese lehnte die Bearbeitung aber aus formellen Gründen ab – nach Ansicht des WWF zu Unrecht. Aber auch andere NGOs, wie Global Witness und Greenpeace, haben Berichte zu illegalem Holz in der EU vorgelegt, die bis heute noch zu keiner Verurteilung geführt haben. „Trotz vielfältiger Recherchen, Berichte und Anzeigen verschiedener NGOs zu illegalem Holz in der EU, waren die Mitgliedsstaaten offensichtlich bisher weder in der Lage illegales Holz innerhalb der EU abzustellen, noch den Fall Schweighofer auf Basis der Holzhandelsverordnung zu untersuchen. Diese Situation kann weder die Urwälder außerhalb der EU schützen und offensichtlich auch nicht einmal die Naturwälder innerhalb der EU bewahren”, so WWF-Waldexperte Zahnen.

KONTAKT

Roland Gramling

WWf Deutschland

Pressestelle

Tel. 030-311 777 425

roland.gramling(at)wwf.de

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