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60.000 Stimmen gegen schwächeren Naturschutz

07. Juli 2016

Petitionsübergabe: WWF warnt vor Ausverkauf der europäischen Schutzgebiete. Kinder und Jugendliche überreichen selbsterstellten Foto- und Bildband an Umweltministerin.

#NatureAlert - Übergabe der Stimmen © David Biene / WWF
#NatureAlert - Übergabe der Stimmen © David Biene / WWF

Laut WWF  droht eine europaweite Abschwächung von EU-Naturschutzvorgaben zugunsten von Infrastrukturprojekten und Wirtschaftsinteressen - und damit einhergehend eine Gefährdung von 27.000 Naturschutzgebieten in ganz Europa.  Der WWF hat daher eine Petition mit 60.009 Unterschriften an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks überreicht. Die Unterzeichner wenden sich gegen die Pläne von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie  vorgeblich zu „modernisieren“. Dass eine Reform des EU-Naturschutzes überhaupt nicht notwendig ist, zeigt nicht zuletzt eine seit März von der Kommission zurückgehaltene Expertenstudie. Der sogenannte „Fitness-Check“ wurde am Dienstag auf Druck des WWF  veröffentlicht und attestiert beiden Richtlinien die notwendige Wirksamkeit, Effizienz und Modernität. Bis zuletzt hatte die EU-Kommission versucht, die Veröffentlichung zu verschleppen.

 

„Die EU muss mehr sein als eine Freihandelszone und Wirtschaftsunion. Sie muss die Lebensqualität der Menschen verbessern und dazu gehört auch die Erhaltung des Naturerbes. Anstatt weniger Naturschutz braucht es mehr Engagement für bedrohte Lebensräume und Arten“, so Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. „Über 50.000 Bürger stärken dem europäischen Naturschutz mit ihrer Unterschrift den Rücken.“ Laut WWF sei die Petition auch ein „starkes Mandat“ für Ministerin Hendricks, sich in Brüssel für die Belange der Natur und letztlich auch der Menschen in Deutschland und ganz Europa einzusetzen.

 

„Sollte die Europäische Kommission die Naturschutzstandards trotz des Widerstands der Zivilgesellschaft senken, stellt sie eine der wichtigsten Errungenschaften Europas aus den vergangenen Jahrzehnten in Frage“, erklärte Heinrich weiter. „Natur in Europa ist auch ein Teil unserer Heimat, die wir unserer Nachwelt erhalten müssen.“ Es sei daher auch nicht verwunderlich, dass sich vor Heranwachsende für die Zukunft des europäischen Naturerbes engagiert hätten. Hunderte Texte, Fotos und Zeichnungen von Kindern und Jugendlichen gingen beim WWF im Rahmen der Petition ein. Einige wurden für die Ministerin in einem Buch zusammengefasst. So vielfältig die Gedanken, so eindeutig die Botschaft: Als Bundesumweltministerin solle sich Barbara Hendricks auch weiter dafür einsetzen, dass der Naturschutz in Europa  nicht abgeschwächt wird, sondern stark bleibt.

 

Bundesministerin Hendricks versprach, sich in diesem Sinne weiterhin bei der EU-Kommission für die Beibehaltung und verbesserte Umsetzung der Richtlinien stark zu machen und zeigte sich erfreut, dass sich so viele Bürger für die Vielfalt der heimischen Natur einsetzten. „Auch im weiteren Prozess können Sie auf mich zählen“, so Hendricks.

 

Hintergrund

Die Natura 2000-Gebiete in der EU bilden das größte Schutzgebietsnetz der Welt. Im Januar 2015 startete die EU-Kommission den „Fitness-Check“ der Vogelschutz- und der Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat Umweltkommissar Karmenu Vella beauftragt die „Verschmelzung“ und „Modernisierung“ dieser wichtigsten europäischen Naturschutzgesetze zu prüfen.

 

Umweltverbände befürchten, dass der „Fitness-Check“ darauf abzielt, Naturschutzstandards herabzusetzen. Die Kommission wird dieses Jahr  entscheiden, ob die Richtlinien ihrer Ansicht nach unverändert bleiben oder überarbeitet werden sollen. Der WWF mobilisiert europaweit seine Unterstützer für den Erhalt der Natur in Europa und gegen das Aufweichen der wertvollen Naturschutzgesetze. In Deutschland rufen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der WWF gemeinsam zur Aktion an Umweltministerin Hendricks auf.

WEITERE INFORMATIONEN

KONTAKT

Roland Gramling

WWF Deutschland

Pressestelle

Tel. 030-311 777 425

roland.gramling(at)wwf.de

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