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Neuer Trend Abholzung

30. November 2016

Entwaldung im brasilianischen Amazonas-Regenwald steigt um 29 Prozent / WWF: Gefährliche Trendwende gefährdet Artenvielfalt und Klimaziele

Abholzung im Regenwald © Zig Koch / WWF
Abholzung im Regenwald © Zig Koch / WWF

Brasília/Berlin: Die Entwaldung im Amazonas hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Wie die brasilianische Regierung mitteilte, gingen zwischen August 2015 und Juli 2016 insgesamt 7.989 Quadratkilometer Regenwald verloren, was mehr als der dreifachen Fläche des Saarlandes entspricht. Das bedeutet einem Anstieg von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und der größte gemeldete Waldverlust seit 2008. Der WWF wertet die Zahlen als gefährliche Trendwende: „Die Abholzung nimmt seit dem historischen Tiefstand in 2012 (4.571 Quadratkilometer) wieder zu, wobei dieses und letztes Jahr besonders starke Entwaldungen zu verzeichnen sind. Der Trend hält also nicht nur an, er beschleunigt sich. Angesichts der politischen Lage in Brasilien könnte die neue Statistik zudem nur ein Vorzeichen sein für weit größere Zerstörungen“, so Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland.

 

Von 2014 auf 2015 hatte die Entwaldung bereits um 24 Prozent (6.207 Quadratkilometer) angezogen. Laut WWF ist die großflächige Abholzung nicht nur eine Gefahr für die Artenvielfalt, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf den Klimaschutz. Brasilien hat sich zu einer deutlichen Verringerung der Treibhausgasemissionen (minus 43 Prozent zwischen 2005 und 2030) verpflichtet. Ohne funktionierenden Waldschutz sei dies jedoch nicht zu erreichen, so Christoph Heinrich: „Allein im vergangenen Jahr sind die brasilianischen Emissionen um 3,5 Prozent gestiegen, obwohl die Wirtschaft darnieder liegt. Das belegt, dass die CO2-Emmissionen aus Waldzerstörung die Klimabilanz der brasilianischen Volkswirtschaft dominieren. Schon heute leiden weite Teile Brasiliens immer wieder unter massiver Trockenheit als Folge der Abholzungen. Der Amazonas spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz der Lebensgrundlagen für die Menschen in Brasilien, aber auch weltweit.“

 

Nach Ansicht des WWF geht die zunehmende Entwaldung auch auf verschobene Machtverhältnisse in Parlament und Regierung zurück. Die jetzige und die Vorgängerregierung haben Gesetzesformen zugunsten der Agrar-, Bergbau- und Bauindustrie befördert. Aktuell wird im Kongress ein Gesetz (PL 4508/2016) diskutiert, das das brasilianische Waldgesetz nach Ansicht des WWF deutlich schwächen und die Naturwälder des Landes akut bedrohen würde. Die Reform sieht vor, dass Landbesitzer ihren bislang unter Schutz stehenden Wald in Wald-Weideflächen für die Viehhaltung umwandeln können.

 

 

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Immo Fischer

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