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Sechstausend in sechs Monaten

16. November 2016

Halbjahresbilanz zur Kaufprämie für Elektroautos: Umweltbonus sorgt laut WWF und LichtBlick bislang nicht für den nötigen Schub der Elektromobilität / Klimaschutzplan setzt Verkehrssektor Ziel zur Emissionsminderung bis 2030

Elektroauto an einer Ladestation © iStock / Getty Images
Elektroauto an einer Ladestation © iStock / Getty Images

Berlin/Hamburg: Der große Durchbruch der Elektroautos ist trotz Umweltbonus in Deutschland bisher ausgeblieben. Zum 18. November – nach sechs Monaten Kaufprämie – sind beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bislang nur rund 6000 Anträge eingegangen, davon etwas mehr als die Hälfte für reine Batteriefahrzeuge. Im Pkw-Bestand ist der Anteil reiner Elektro- sowie der Hybridfahrzeuge damit noch immer sehr gering: Zu Beginn des Jahres zählte das Kraftfahrt-Bundesamt rund 25.500 Elektroautos und 130.400 Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieb – verglichen mit 45,1 Millionen Pkw insgesamt. Damit hatte nur weniger als jeder dreihundertste Wagen einen Elektro- oder Hybridantrieb. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor machen nach wie vor den Löwenanteil aus.

 

„Klimaschutz im Verkehr heißt, die Elektromobilität massiv zu beschleunigen“, sagt Viviane Raddatz, WWF-Expertin für nationale Klima- und Energiepolitik. „Die Kaufprämie allein scheint das im Moment nicht leisten zu können. Im Klimaschutzplan, der am Montag vom Kabinett beschlossen wurde, hat der Verkehrssektor eine konkrete Vorgabe bekommen: 40 bis 42 Prozent Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 eingespart werden. Das ist nur mit einem massiven Ausbau der Elektromobilität zu erreichen.“

 

„Ausgerechnet das Autoland Deutschland hat die Zeitenwende im Verkehrssektor bisher verschlafen. Das ist eine große Gefahr für die Energiewende und den Wirtschaftsstandort“, fügt Gero Lücking hinzu, Geschäftsführer Energiewirtschaft bei LichtBlick. „Erst die Entwicklung von Batteriespeichern, die höhere Reichweiten ermöglichen, bringt uns dem Zwischenziel von einer Million Elektrofahrzeugen näher. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der derzeit angebotenen E-Fahrzeuge ist trotz Kaufprämie unbefriedigend.“

 

Ein Schlüssel für eine umweltfreundliche Verkehrszukunft ist laut WWF und LichtBlick die Verzahnung von Elektromobilität und erneuerbaren Energien. So können intelligent vernetzte Elektromobile künftig die schwankende Produktion von Wind- und Sonnenstrom ausgleichen und die Stromnetze stabilisieren. Auf diese Weise wird auch die Wirtschaftlichkeit von Elektroautos verbessert.

 

Während sich Deutschland in Sachen Elektromobilität nur langsam fortbewegt, ziehen andere Länder mit Riesenschritten vorbei: Norwegen etwa verzeichnete 2015 bei den Neuzulassungen einen Marktanteil der Elektrofahrzeuge von 23 Prozent. Und China machte jüngst mit einer Quote für Elektroautos Schlagzeilen. „Länder wie China machen vor, wie Elektromobilität effektiv gefördert und Innovation angeregt wird. Der Verbrennungsmotor ist keine Zukunftstechnologie, das sehen auch die Beschäftigten im deutschen Automobilbau: Höchste Zeit, dass die Hersteller nachziehen“, fordert Raddatz.

 

Hintergrund:

Die Kaufprämie in Höhe von 3000 beziehungsweise 4000 Euro war im Juli eingeführt worden und gilt rückwirkend für Elektroautos, für die ab dem 18. Mai 2016 ein Kauf- oder Leasingvertrag abgeschlossen wurde.

WEITERE INFORMATIONEN

KONTAKT

Lea Sibbel

Pressestelle WWF

Tel.: 030 311 777 467

E-Mail: lea.sibbel(at)wwf.de


Ralph Kampwirth

Pressestelle LichtBlick

Tel.: 040 6360 1208

E-Mail: ralph.kampwirth@lichtblick.de

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