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Deutschlands größter Auenwald geht ans Netz

28. April 2017

Finale an der Elbe: Größte Deichrückverlegung Deutschlands vor Fertigstellung / Altdeich-Öffnung: Symbolischer Spartenstich mit Bundesumweltministerin, Ministerpräsident und WWF-Vorstand.

Mittlere Elbe bei Dessau © Bernd Eichhorn / WWF
Mittlere Elbe bei Dessau © Bernd Eichhorn / WWF

Rund sieben Jahre nach Baubeginn des neuen Elbdeiches im Lödderitzer Forst nahe Dessau und sechzehn Jahre nach Projektstart steht die größte Deichrückverlegung Deutschlands vor ihrer planmäßigen Fertigstellung. Am Freitag beginnt mit einem symbolischen Spatenstich durch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff die Öffnung des Altdeiches und damit die endgültige Rückverlegung des Deichverlaufs auf einer Länge von mehr als sieben Kilometern. Das schafft eine zusätzliche Überflutungsfläche von 600 Hektar und der Auenwald bekommt wieder Anschluss an das natürliche Hochwassergeschehen.

 

„Im Biosphärenreservat Mittelelbe werden durch die Deichrückverlegung 900 Hektar des Lödderitzer Forstes wieder Teil eines der größten zusammenhängenden Auenwaldgebiete Deutschlands, also zu echten, überflutbaren Auenwäldern. Ein einmaliges Refugium für viele seltene Tiere und Pflanzen, vom Biber bis zum Fischadler. Das ist einzigartig in Deutschland. Nach vielen Jahren der Planung und des Baus können wir nun endlich die Erfolge unserer Arbeit einfahren“, freut sich Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. Das WWF-Projektgebiet ist eingebunden in einen für Mitteleuropa einzigartigen Verbund von Auenwäldern, die wieder an die natürliche Dynamik der Elbe angeschlossen sein werden.

 

Neben dem Schutz seltener Tier- und Pflanzenarten stärkt das WWF-Projekt auch den ökologischen Hochwasserschutz. „Wenn sich die Elbe wieder freier ausbreiten kann, sinkt das Hochwasserrisiko für die Bevölkerung. Das Projekt ist ein Gewinn für Mensch und Natur“, so Heinrich. Anlässlich des Spatenstichs fordert der WWF-Vorstand eine neue Wertschätzung für Deutschlands Flüsse: „Flüsse, die blauen Lebensadern unseres Landes, wurden in der Vergangenheit in Zwangsjacken gesteckt: begradigt, ausgebaut, vertieft. An der Mittelelbe zeigen wir, wie es möglich wird, ihnen wieder mehr Raum zu geben.“ Laut WWF profitiert der Mensch maßgeblich von den ökologischen Leistungen der Flüsse und ihrer Auen. Dazu gehören neben dem natürlichen Hochwasserschutz auch die Selbstreinigung, die Funktion als Nährstoffsenke, das Speichern von Klimagasen oder das Potential als Naherholungsgebiet.

 

Der WWF geht davon aus, das heute an der Elbe etwa 80 Prozent der ursprünglichen Auenbereiche zerstört oder verbaut sind – umso mehr gewinnen die Naturschutzprojekte des WWF an der Mittleren Elbe auch für einen ökologischen Hochwasserschutz an Bedeutung. Das Biosphärenreservat Mittelelbe zeichnet sich durch eine enorme Artenvielfalt aus. Mehr als 1.000 verschiedene Pflanzenarten, 50 Säugetiere,  179 regelmäßige Brut- und über 130 Gastvogelarten sind hier beheimatet. Zu den Bewohnern zählt u.a. der Elbebiber, eine der ältesten heute noch lebenden Säugetierformen der Erde. Auch der äußerst seltene Fischadler ist hier zu Hause.

 

Das Naturschutzgroßprojekt Mittlere Elbe wird im Rahmen des Bundesprogramms „chance.natur-Bundesförderung Naturschutz“ gefördert. Die Finanzierung erfolgt zu 75 Prozent mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (vertreten durch das Bundesamt für Naturschutz), zu 15  Prozent durch das Land Sachsen-Anhalt und zu 10 Prozent durch den WWF Deutschland. Der Erfolg des Projektes begründet sich auch in der engen Zusammenarbeit zahlreiche Projektpartner, besonders sind hier der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt als Bauherr und  das Biosphärenreservat Mittelelbe als zuständige Gebietsverwaltung zu nennen.

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