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Für ein Ökolabel nicht genug getan

30. August 2017

WWF legt Widerspruch gegen MSC-Zertifizierung der Krabbenfischerei im Wattenmeer ein

Krabbenkutter © Hans-Ulrich Rösner WWF
Krabbenkutter © Hans-Ulrich Rösner WWF

Der WWF kritisiert die Empfehlung für eine MSC-Zertifizierung der Krabbenfischerei an der Nordseeküste und hat Einspruch dagegen eingelegt. „Die Krabbenfischerei hat zwar erfreulicherweise damit begonnen, ihren Fußabdruck in der Natur der Nordsee zu verbessern, in entscheidenden Punkten reicht es jedoch nicht für die Anerkennung als umweltverträgliche Fischerei“, sagt Hans-Ulrich Rösner, Wattenmeer-Experte des WWF. Ein Teil der Krabbenfischerei findet im Nationalpark Wattenmeer und anderen Meeresschutzgebieten statt. Dies erfordere eine besondere Vorsorge. „Eine Fischerei im Schutzgebieten kann erst als umweltverträglich zertifiziert werden, wenn sie übereinstimmend mit den Schutzzielen ausgeübt wird“, so Rösner. Der WWF fordert daher auch den MSC auf, strengere Anforderungen für Fischerei in Schutzgebieten in seinen Standard aufzunehmen.

 

Seit vielen Jahren bemüht sich die Krabbenfischerei schon vergeblich um eine MSC-Zertifizierung. Anfang 2016 hatte sie einen erneuten Anlauf als gemeinsame Initiative der deutschen, niederländischen und dänischen Fischerei unternommen. Dies führte nun zu einer Zertifizierungs-Empfehlung durch das mit der Prüfung der Fischerei beauftragte Unternehmen. „Der WWF freut sich über die Absicht der Krabbenfischerei sich den Anforderungen einer ökologischen Zertifizierung zu stellen“, so Rösner. „Aber was die Fischerei dafür als Maßnahmen zur Verbesserung auf den Tisch gelegt hat ist bei weitem nicht genug.“

 

Der WWF begrüßt zwar, dass die Krabbenfischerei die Maschenweiten schrittweise vergrößern will, um Beifänge zu reduzieren. Auch dass die Fischereiaktivität gedrosselt werden soll, wenn die Bestandsgröße der Krabben stark absinkt, findet Zustimmung der Umweltschützer. Diese Maßnahmen gingen in die richtige Richtung, allerdings beträfen sie nur eines der drei MSC-Ziele, nämlich die Bestandserhaltung der befischten Art, der Nordseegarnele. Für die beiden anderen ebenso notwendigen Ziele, den Schutz des Ökosystems, in dem die Fischerei stattfindet, sowie die Einhaltung der Regeln durch ein gutes Management, wird durch die geplanten Maßnahmen und die von der Zertifizierungsfirma festgelegten Bedingungen kaum etwas erreicht.

 

„Damit eine Öko-Zertifizierung glaubwürdig wird, muss die Krabbenfischerei erheblich nachlegen und in mindestens drei Bereichen besser werden“, so Hans-Ulrich Rösner weiter. „Der erforderliche Schutz der Wattenmeer-Nationalparks und der anderen Meeresschutzgebiete lässt sich nur erreichen, wenn ein großer Teil nicht mehr durch Bodenschleppnetze befischt wird und die Natur sich dort wieder frei entwickeln kann.“ Die heute verschwundenen Riffe z.B. der Sandkorallen müssen sich auf diese Weise im Wattenmeer ebenso wieder ansiedeln können wie Unterwasserwiesen des Seegrases oder Arten wie Seepferdchen, Katzenhai, oder Nagelrochen. Weitere notwendige Maßnahmen sind, dass die Menge des Beifangs über die eingeleiteten Maßnahmen hinaus erheblich und nachweisbar verringert wird und dass sich die Fischerei einer Umweltprüfung entsprechend des europäischen und nationalen Naturschutzrechts unterzieht.

 

Für den WWF ist wichtig zu betonen, dass sich der Einspruch nicht gegen die regionale Fischerei an sich richtet. „Krabbenfischerei an unserer Küste muss eine Zukunft haben - doch das geht am besten, wenn sie sich über einen Übergangszeitraum an die Anforderungen der Schutzgebiete anpasst“, sagt WWF-Wattenmeerexperte Rösner.

Der WWF erwartet aber auch von den zuständigen staatlichen Stellen mehr Einsatz für den notwendigen Umstellungsprozess der Fischerei. Er kritisiert zugleich, dass die Bewertungskriterien des MSC auch 20 Jahre nach Einführung des Labels noch nicht vorsehen, dass Fischereien innerhalb von Schutzgebieten erhöhte Ansprüche erfüllen müssen, um glaubwürdig nachhaltig und naturverträglich zu sein. „Fischerei in Schutzgebieten braucht besondere Leitplanken, damit sie in Einklang mit dem Schutzauftrag des Gebiets kommen kann“, so Rösner. Der MSC sei aufgefordert dieses Defizit in seinem Standard zu verbessern, um seine Glaubwürdigkeit als Umweltsiegel zu bewahren.

KONTaKT

Britta König

Pressestelle

Tel: 040530 200 318

britta.koenig@wwf.de

Twitter. @koenigWWF

 

 

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