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Nitratbrühe statt Grundwasser in Hannover

17. August 2017

40 Prozent aller Grundwassermessstellen im Raum Hannover überschreiten Nitrat-Grenzwert. / In Hannover landen pro Jahr 32.000 Tonnen auf dem Müll. / Wahlprogramme für Niedersachsen: Kein Umdenken bei Agrarpolitik erkennbar.

Regionalbericht Hannover © WWF
Regionalbericht Hannover © WWF

Das Grundwasser in der Region Hannover ist massiv mit Nitrat belastet. Das zeigt ein aktueller Report der Naturschutzorganisation WWF. In den vergangenen Jahren wurde der Nitratgrenzwert demnach an über 40 Prozent aller Messstellen überschritten. Gut möglich, dass Trinkwasser dadurch deutlich teurer wird, da die Wasserversorger bei konstant hohen Werten zu Aufbereitungsmaßnahmen greifen müssen. Verursacher ist die intensive Landwirtschaft mit dem hohen Einsatz an Düngemitteln. Doch nicht nur um das Wasser ist es dementsprechend schlecht bestellt: Auch die Artenvielfalt leidet. Mehr als die Hälfte der 43 gängigen Feld- und Wiesenvögel steht in Niedersachsen auf der Roten Liste. Insbesondere bei Uferschnepfe, Kiebitz, Wiesenpieper, Braunkehlchen und Goldammer wurden anhaltende Bestandseinbrüche verzeichnet. Eine Trendwende ist nicht erkennbar.

 

„Natur und Landwirtschaft sind keine voneinander abgekoppelten Systeme. Sie können nur gemeinsam dauerhaft erfolgreich sein und müssen wieder in Einklang gebracht werden“, sagt Martina Fleckenstein, Leiterin Landwirtschaft beim WWF Deutschland. Die Expertin fordert daher eine umweltschonendere Bewirtschaftung, um Artenschwund und Wasserverschmutzung in den Griff zu bekommen. So liegt der Anteil des Ökologischen Landbaus in der Region gerade einmal bei vier Prozent der Agrarfläche und damit unter dem sowieso geringen Bundesdurchschnitt von 7,5 Prozent. Die Bundesregierung hat das Ziel, ein Fünftel der Landwirtschaft auf Ökolandbau umzustellen.

 

„Der Umbau des Agrarsektors ist eine große Herausforderung. Damit dürfen wir die Bauern nicht alleine lassen. Politik wie Gesellschaft müssen in einen nachhaltigen Agrarsektor investieren. Umweltfreundlich produzierende Landwirte brauchen ein gerechtes und zuverlässiges Einkommen“, erklärt Fleckenstein. Niedersachsen müsse in der anstehenden Legislaturperiode entsprechende Förderprogramme weiter ausbauen. Das ist jedoch nur möglich, wenn auf nationaler und europäischer Ebene das Subventionssystem reformiert wird. Die Vergabe von Agrar-Fördergeldern muss laut WWF endlich an einen nachhaltigen Anbau gekoppelt werden. „Leider offenbart sich beim Blick in die Programme der beiden großen Volksparteien in Niedersachsen kein wirkliches Umdenken. Die CDU scheint weiterhin Gelder ohne Nachhaltigkeitsanforderungen nach dem Gießkannenprinzip verteilen zu wollen, ohne zu gewährleisten, dass unsere Gewässer nicht mehr durch Nitrat belastet werden. Auch bei der SPD findet sich keine Umschichtung hin zu zielgerichteten Fördermaßnahmen. Ähnlich mau sieht es beim Thema Lebensmittelverschwendung aus“, so die WWF-Kritik. Immerhin: Die Grünen bekennen sich in ihrem Programm dazu, die gesamte, niedersächsische Landwirtschaft nachhaltiger und umweltfreundlicher ausrichten zu wollen.

 

Gleichzeitig muss sich laut WWF der Konsum verändern und der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln aufhören. Allein in Hannoveraner Haushalten fallen vermeidbare Lebensmittelverluste von über 32.000 Tonnen pro Jahr an. Zusätzlich verursacht die hohe Fleischnachfrage ökologische Probleme. Insgesamt werden in Hannover jährlich 46.000 Tonnen Fleisch konsumiert. Dafür wird eine Fläche von über 54.000 Hektar benötigt. Um die Nachfrage zu stillen, werden vor allem landwirtschaftliche Flächen in Südamerika für die Tierfutterproduktion in Anspruch genommen. Das erhöht dort den Druck auf Savannen und Wälder. „Damit die Landwirtschaft nachhaltiger wird müssen Politiker umdenken, Unternehmen die Initiative ergreifen, aber auch die Konsumenten mit anpacken. Schließlich sind unsere Ernährungsgewohnheiten eine entscheidende Stellschraube im System“, sagt Fleckenstein.

 

Hintergrund: WWF-Foodtruck in Hannover

Im Sommer 2017 tourt der WWF-Foodtruck quer durch die Bundesrepublik. Am 17. und 18. August steht der Foodtruck mit einer großen Erlebniswelt auf dem Platz der Weltausstellung. Foodhelden aus der Region stellen ihre Projekte für nachhaltiges Essen vor. An Erlebnis- und Wissensstationen gibt es Mitmach-Aktionen für die ganze Familie. WWF-Experten geben Tipps, worauf es beim Einkaufen und Essen ankommt, um die Natur zu schützen. Pünktlich ab 12 Uhr gibt es den leckeren, regionalen Mittagspausen-Snack der WWF-Foodtruck-Köche.

 

Für eine faire Landwirtschaft für Mensch und Natur

Nach der Bundestagswahl im September werden die Politiker die Agrarpolitik für die nächsten vier Jahre bestimmen. Damit haben es die zukünftigen Bundestagsabgeordneten in der Hand, eine neue Landwirtschaftspolitik zu schaffen, die fair zu Mensch und Natur ist. Der WWF bietet allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, eine entsprechende Botschaft an die Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien zu schicken.

KONTAKT

Roland Gramling

WWF Deutschland

Pressestelle

Tel. 030-311 77 425

roland.gramling(at)wwf.de

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