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Nitratbrühe statt Grundwasser

10. August 2017

WWF-Regionalreport: Hälfte aller Grundwassermessstellen im Raum Leipzig über gesetzlichem Nitrat-Grenzwert. / Thüringen, Sachsen & Sachsen-Anhalt: Massiver Artenverlust im Drei-Länder-Eck.

Die vorletzte Station des WWF-Foodtruck: Leipzig

Das Grundwasser in der Region Leipzig ist massiv mit Nitrat belastet. Das zeigt ein aktueller Report der Naturschutzorganisation WWF. In den vergangenen Jahren wurde der Nitratgrenzwert demnach an über 50 Prozent der Messstellen überschritten. Zusätzlich wurden oftmals problematische Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gemessen. Verursacher ist die intensive Landwirtschaft mit einem hohen, nahezu flächendeckenden Einsatz an Düngemitteln und Pestiziden. Doch nicht nur um das Wasser ist es dementsprechend schlecht bestellt: Auch die Artenvielfalt leidet. Typische Feld- und Wiesenvögel wie etwa Kiebitz und der Große Brachvogel sind in dem Drei-Länder-Eck aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Auch Feldhamster oder -hase sind kaum noch anzutreffen.

 

„Natur und Landwirtschaft sind keine voneinander abgekoppelten Systeme. Sie können nur gemeinsam dauerhaft erfolgreich sein und müssen wieder in Einklang gebracht werden“, warnt daher Markus Wolter, Referent Agrarpolitik und Landwirtschaft beim WWF Deutschland. Das beste Mittel um Artenschwund und Wasserverschmutzung in den Griff zu bekommen ist nach Einschätzung des WWF-Experten eine umweltschonendere Bewirtschaftung. So liegt der Anteil des Ökologischen Landbaus in der Region gerade einmal bei vier Prozent der Agrarflächen und damit noch einmal unter dem sowieso geringen Bundesdurchschnitt von 7,5 Prozent. Die Bundesregierung hat das Ziel, ein Fünftel der Landwirtschaft auf Ökolandbau umzustellen.

 

„Der Umbau des Agrarsektors ist eine große Herausforderung mit der wir die Bauern nicht alleine lassen dürfen. Politik wie Gesellschaft müssen in einen nachhaltigen Agrarsektor investieren. Umweltfreundlich produzierende Landwirte brauchen ein gerechtes und zuverlässiges Einkommen“, erklärt Markus Wolter. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen müssen daher entsprechende Förderprogramme weiter ausbauen. Das ist jedoch nur möglich wenn auf nationaler und europäischer Ebene das Subventionssystem reformiert wird. Die Vergabe von Agrar-Fördergeldern muss laut WWF endlich an einen nachhaltigen Anbau gekoppelt werden. Auch Länder und Kommunen sieht Wolter in der Pflicht: „Städte und Landkreise sowie die Hochschulen müssen sich zu einem festen Anteil von regionalen Bio-Lebensmitteln in ihren Kantinen verpflichten. Das kurbelt die Nachfrage an und kann für Landwirte ein Anreiz sein, umzustellen.“

 

Gleichzeitig muss sich der Konsum verändern und der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln aufhören, so der WWF. Allein in Leipziger Haushalten fallen vermeidbare Lebensmittelverluste von 34.000 Tonnen pro Jahr an. Zusätzlich verursacht der hohe Fleischkonsum ökologische Probleme. Insgesamt werden in Leipzig jährlich 50.000 Tonnen Fleisch konsumiert. Dafür wird eine Fläche von über 57.000 Hektar benötigt. Um die Nachfrage zu stillen, werden vor allem landwirtschaftliche Flächen in Südamerika für die Tierfutterproduktion in Anspruch genommen. Das erhöht dort den Druck auf Savannen und Wälder. „Damit die Landwirtschaft nachhaltiger wird, müssen Politiker umdenken, Unternehmen die Initiative ergreifen, aber auch die Konsumenten mit anpacken. Schließlich sind unsere Ernährungsgewohnheiten eine entscheidende Stellschraube im System“, sagt Wolter.

 

Hintergrund: WWF-Foodtruck in Leipzig

Im Sommer 2017 tourt der WWF-Foodtruck quer durch die Bundesrepublik. Am 10. und 11. August steht der Foodtruck mit einer großen Erlebniswelt auf dem Leipziger Wilhelm-Leuschner-Platz. Food-Helden aus der Region stellen ihre Projekte für nachhaltiges Essen vor. An Erlebnis- und Wissensstationen gibt es Mitmach-Aktionen für die ganze Familie. WWF-Experten geben Tipps, worauf es beim Einkaufen und Essen ankommt, um die Natur zu schützen. Pünktlich ab 12 Uhr gibt es den leckeren, regionalen Mittagspausen-Snack der WWF-Foodtruck-Köche.

 

Für eine faire Landwirtschaft für Mensch und Natur

Nach der Bundestagswahl im September, werden die Politiker die Agrarpolitik für die nächsten vier Jahre bestimmen. Damit haben es die zukünftigen Bundestagsabgeordneten in der Hand, eine neue Landwirtschaftspolitik zu schaffen, die fair zu Mensch und Natur ist. Der WWF bietet allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit eine entsprechende Botschaft an die Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien zu schicken.

KONTAKT

Roland Gramling

WWF Deutschland

Pressestelle

Tel. 030-311 777 425

roland.gramling(at)wwf.de

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