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Wein im Kelch - Nitrat im Wasser

27. Juli 2017

Regionalbericht „Landwirtschaft & Ernährung Mainz“ warnt vor Nitratbelastung im Grundwasser und Artensterben auf dem Land / WWF-Foodtruck macht Halt auf Gutenbergplatz.

Foodtruck in Mainz © Benjamin Knispel / WWF
Foodtruck in Mainz © Benjamin Knispel / WWF

Das Grundwasser in der Region Mainz ist massiv mit Nitrat belastet. Das zeigt ein aktueller Report der Naturschutzorganisation WWF. In den vergangenen Jahren wurde der Nitratgrenzwert demnach an bis zu 53 Prozent der Messstellen überschritten. Verursacher ist nach WWF-Einschätzung der intensive Gemüse- und Obstanbau: Die Region um Mainz ist das größte Weinanbaugebiet Deutschlands. Gut ein Drittel der deutschen Rebsäfte stammt aus Rheinhessen. Doch nicht nur um das Wasser ist es schlecht bestellt: Auch die Artenvielfalt in der Region leidet. Sowohl in Rheinland-Pfalz als auch in Hessen verzeichnen typische Feld- und Wiesenvögel wie Kiebitz, Großer Brachvogel oder Wiesenpieper dramatische Bestandsrückgange und stehen auf der Roten Liste.

 

„Der Weinanbau ist ein wichtiger Teil der deutschen Landwirtschaft. Und so gerne ich einen guten Tropfen aus Rheinhessen genieße, auch auf den Weinbergen brauchen wir mehr Nachhaltigkeit. Es kann nicht sein, dass die Weinproduktion zulasten unseres Grundwassers und der Artenvielfalt geht“, erklärt Matthias Meissner Referent für Landwirtschaft und Agrarpolitik beim WWF Deutschland.

 

Für Meissner ist der zu geringe Anteil der ökologischen Landwirtschaft Kern des Problems. Das Ziel der Bundesregierung ist es, dass ein Fünftel der Agrarfläche bis 2020 nach Bio-Standard bewirtschaftet wird. Davon sei man in der Region Mainz noch meilenweit entfernt. Zur Lösung müssten Rheinland-Pfalz und Hessen die Förderprogramme weiter ausbauen. Das ist jedoch nur möglich wenn auf nationaler und europäischer Ebene das Subventionssystem reformiert wird. Die Vergabe von Agrar-Fördergeldern muss laut WWF endlich an einen nachhaltigen Anbau gekoppelt werden. Auch Länder und Kommunen sieht Meissner in der Pflicht: „Städte und Landkreise sowie die Hochschulen müssen sich zu einem festen Anteil von regionalen Bio-Lebensmitteln in ihren Kantinen verpflichten. Das kurbelt die Nachfrage an und kann für Landwirte ein Anreiz sein, umzustellen.“ Ähnliches gilt für die Weinberge in Staatshand: „Mit Bad Kreuznach hat nur eines von vier Staatsgütern in der Region auf Bio-Weinanbau umgestellt. Hier besteht ebenso Nachholbedarf.“

 

Gleichzeitig muss sich der Konsum verändern und der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln aufhören, so der WWF. Allein in Mainzer Haushalten fallen vermeidbare Lebensmittelverluste von fast 13.000 Tonnen pro Jahr an. Zusätzlich verursacht der hohe Fleischkonsum ökologische Probleme. Insgesamt werden in Mainz jährlich 18.000 Tonnen Fleisch konsumiert. Dafür wird eine Fläche von 21.376 Hektar benötigt. Um die Nachfrage zu stillen, werden vor allem landwirtschaftliche Flächen in Südamerika für die Tierfutterproduktion in Anspruch genommen. Das erhöht den Druck auf die Regenwälder. „Damit die Landwirtschaft nachhaltiger wird, müssen Politiker umdenken, Unternehmen die Initiative ergreifen, aber auch die Konsumenten mit anpacken. Schließlich sind unsere Ernährungsgewohnheiten eine entscheidende Stellschraube im System“, sagt Meissner.

 

Hintergrund: WWF-Foodtruck in Mainz

Im Sommer 2017 tourt der WWF-Foodtruck quer durch die Bundesrepublik. Am 27 und 28. Juli steht der Foodtruck mit einer großen Erlebniswelt auf dem Mainzer Gutenbergplatz. Food-Helden aus der Region stellen ihre Projekte für nachhaltiges Essen vor. An Erlebnis- und Wissensstationen gibt es Mitmach-Aktionen für die ganze Familie. WWF-Experten geben Tipps, worauf es beim Einkaufen und Essen ankommt, um die Natur zu schützen. Pünktlich ab 12 Uhr gibt es den leckeren, regionalen Mittagspausen-Snack der WWF-Foodtruck-Köche.

 

Für eine faire Landwirtschaft für Mensch und Natur

Nach der Bundestagswahl im September, werden die Politiker die Agrarpolitik für die nächsten vier Jahre bestimmen. Damit haben es die zukünftigen Bundestagsabgeordneten in der Hand, eine neue Landwirtschaftspolitik zu schaffen, die fair zu Mensch und Natur ist. Der WWF bietet allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit die Möglichkeit eine entsprechende Botschaft an die Spitzenkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien zu schicken:

KONTAKT

Roland Gramling

Pressestelle WWF

Tel. 030-311 777 425

roland.gramlin(at)wwf.de

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