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Paraquat auf dem Sojafeld

02. Juni 2017

Paraquat und nachhaltiger Sojaanbau passen nicht zusammen. WWF Deutschland: Entscheidung der RTRS- Mitgliederversammlung ist Rückschritt

Der Runde Tisch für Verantwortungsvolles Soja (Round Table on Responsible Soy, kurz RTRS) hat auf seiner Tagung in Frankreich ein konsequentes Verbot des Pestizids Paraquat im Sojanbau um weitere vier Jahre bis 2021 hinausgezögert. Dabei stehen nach Ansicht des WWF Deutschland andere Wirkstoffe zur Unkrautregulierung zur Verfügung, die weniger negative Folgen auf Mensch und Umwelt haben. Außerdem nutzennach Aussage des RTRS bereits die Hälfte der zertifizierten Betriebe ohnehin kein Paraquat mehr.  WWF-Referentin Brigit Wilhelm erklärt:

 

„Unternehmen, die Soja etwa als Tierfuttermittel importieren, sollten bis Januar 2021 zusätzlich zur RTRS-Zertifizierung gentechnik-freie Line oder zur Zertifizierung nach ProTerra-System auf eine Paraquat-freien Sojaanbau achten. Derzeit führt kein Weg daran vorbei, bei Lieferanten aktiv nach Paraquat-Freiheit einzufordern oder Soja bereits nur noch aus Ländern zu beziehen, die den Einsatz von Paraquat im Sojaanbau gesetzlich untersagen. Demnach ist das Donau Soja bzw. das zertifizierte Europa Soja im Vorteil, da in der EU Paraquat schon seit Jahren verboten ist. Aber auch in Indien oder Kanada ist es im Sojaanbau nicht erlaubt.“

 

Hintergrund

Insbesondere in den letzten Monaten gab es immer wieder Meldungen von Überschreitungen der zulässigen Grenzwerte für Paraquat-Rückstände in Sojaschrot aus Lateinamerika. Paraquat wird sehr oft zur „Vorerntebehandlung“ eingesetzt. Dahinter verbirgt sich das förmliche „totspritzen“ der Sojafelder, damit die Ernte einheitlich und termingerecht ohne Rücksicht auf Witterung und Abreife aller Sojabohnen erfolgen kann. Früher wurde dafür Glyphosat verwendet. Da gentechnisch veränderte Sojabohnen aber mittlerweile gegen Glyphosat resistent sind, weichen die Anbauer von einem Totalherbizid auf das andere aus. 

 

Paraquat ist in Europa schon seit Jahren verboten. Auch den Richtlinien von ProTerra mangelt es hinsichtlich Paraquat an Konsequenz. Das Totalherbizid ist zwar verboten, allerdings gelten für Ländern in den Paraquat erlaubt ist, Ausnahmeregelungen. Dies trifft auch auf Brasilien zu, aus dem das meiste ProTerra zertifizierte Soja nach Europa importiert wird.

 

Der WWF Deutschland setzt sich für nachhaltigere Eiweißfuttermittel ein. Dies bedeutet in erster Linie, dass mehr heimische Leguminosen, wie zum Beispiel Klee, Luzerne, Ackerbohnen verfüttert werden. Auch nachhaltig zertifiziertes und Gentechnik-freies Soja aus Europa, wie etwa DonauSoja ist eine Alternative.

KONTAKT

Roland Gramling

WWF Deutschland

Pressestelle

Tel. 030-311 777 425

roland.gramling(at)wwf.de

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