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Rostocks Landwirte sind umweltfreundlicher als Bundesdurchschnitt

29. Juni 2017

Deutschlandtour des WWF-Foodtrucks erreicht Rostock. / Lebensmittelverschwendung Rostock: 12.000 Tonnen landen jährlich in der Mülltonne

Regionalbericht Rostock © WWF
Regionalbericht Rostock © WWF

Böden, Gewässer und Artenvielfalt in der Region Rostock leiden unter den direkten wie indirekten Folgen einer teilweise aus dem Ruder gelaufenen Agrarindustrie. Gleichzeitig müssen viele Landwirte aufgeben, denn ein gerechtes und zuverlässiges Einkommen vor allem für nachhaltig wirtschaftende Betriebe fehlt. Davor warnt der WWF in einem Regionalbericht, den der Naturschutzverband am Donnerstag im Rahmen seiner deutschlandweiten Foodtruck-Tour auf dem Neuen Markt in Rostock vorgelegt hat. Laut dem WWF-Papier ist die Region zwar nachhaltiger aufgestellt als der bundesdeutsche Durchschnitt, hat jedoch ebenfalls mit den negativen Folgen der Intensiv-Landwirtschaft zu kämpfen. Um den Artenverlust zu stoppen und eine faire wie nachhaltige Landwirtschaft zu stärken, fordert der WWF einen grundlegenden Wandel der Agrarpolitik.

 

Mit rund 27.000 Hektar sind sieben Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der Region nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet. Damit liegt Rostock knapp über dem Bundesdurchschnitt von 6,5 Prozent, aber immer noch weit entfernt vom Ziel der Bundesregierung, ein Fünftel der Fläche ökologisch zu bewirtschaften. In der Großregion Rostock leben inzwischen rund eine Viertel Millionen Schweine, 140.000 Rinder und Kühe sowie noch einmal 20.000 Schafe. Aber auch in diesem Punkt ist man laut WWF-Regionalbericht rein zahlenmäßig weit entfernt von den untragbaren Zuständen in den Vieh-Ballungsräumen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens.

 

Trotzdem ist die Lage auch für Rostock und Umgebung eindeutig kritisch: Die klassischen Wald- und Wiesenvögel, Schmetterlinge und Amphibien verschwinden gemeinsam mit ihren Lebensräumen. So sind etwa Kiebitz oder Wiesenpieper inzwischen laut Roter Liste „stark gefährdet“, Schreiadler oder Großer Brachvogel gar „vom Aussterben bedroht“. Auch die Nitrat-Belastung des Grundwassers ist akut: An drei Messstellen werden immer wieder stark erhöhte Werte von über dem gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter ermittelt. Als Hauptursache gilt die Überdüngung der Äcker.

 

„Die Landwirte in und um Rostock wirtschaften nicht wegen, sondern trotz der politischen Rahmenbedingungen umweltschonender als der Bundesdurchschnitt. Die Region muss aufpassen, dass sie den eingeschlagenen Pfad weiter geht und nicht wieder verlässt“, warnt Markus Wolter, WWF-Referent für Landwirtschaft und Ernährung. „Natur und Landwirtschaft sind keine voneinander abgekoppelten Systeme. Durch die zunehmende Intensivierung entzieht sich der Agrarsektor mittelfristig  seiner eigenen Lebensgrundlage und verliert zugleich auch noch die Akzeptanz in einem großen Teil der Gesellschaft.“ Der WWF sieht es als Aufgabe der Politik, hier unterstützend gegenzusteuern. Leider sei das in den vergangenen Jahren versäumt worden. „Umweltfreundlich produzierende Landwirte brauchen ein gerechtes und zuverlässiges Einkommen, um wirtschaftlich bestehen zu können“, so Wolter.

 

Zugleich müsse sich auch der Konsum verändern und der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln gestoppt werden. Laut WWF-Berechnungen fallen allein in Rostocker Haushalten vermeidbare Lebensmittelverluste von 12.500 Tonnen pro Jahr an. Zudem ist sowohl auf lokaler wie auch auf globaler Ebene der hohe Fleischbedarf ein Problem. Insgesamt fragen die Rostocker pro Jahr knapp 18.000 Tonnen Fleisch nach. Um dieser Nachfrage nachzukommen, werden insgesamt über 20.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche benötigt, vor allem um Tierfutter anzubauen. Große Teile dieses Flächenfußabdrucks importiert Deutschland aus anderen Regionen der Erde. „Wir essen in Deutschland zu viel Fleisch, produzieren zugleich mit Soja-Futtermittel aus Übersee mehr als wir brauchen und exportieren die hohen Überschüsse ins Ausland. Dieses System ist nicht nachhaltig. Mit Schweinefleisch aus deutscher Intensivmast werden höchstens Ökosysteme in Südamerika zerstört oder das Grundwasser in Deutschland verschmutzt, aber nicht der Hunger in der Welt bekämpft“, so Wolter.

Landwirtschaft & Ernährung Rostock in Zahlen:

  • Vermeidbare Lebensmittelverlust pro Jahr: 12.567 Tonnen
  • Jährliche Flächenfußabdruck der Rostocker Ernährung: 49.381 Hektar
  • Davon für Fleisch und andere tierische Lebensmittel: 35.454 Hektar (72%)
  • Bio-Bauernhöfe in der Großregion Rostock: 163 Betriebe

WWF-Foodtruck in Rostock

Im Sommer 2017 tourt der WWF-Foodtruck quer durch die Bundesrepublik. Am 29. und 30. Juni steht der Foodtruck mit einer großen Erlebniswelt auf dem Neuen Markt.  Food-Helden aus der Region stellen ihre Projekte für nachhaltiges Essen vor. An Erlebnis- und Wissensstationen gibt es Mitmach-Aktionen für die ganze Familie. WWF-Experten geben Tipps, worauf es beim Einkaufen und Essen ankommt, um die Natur zu schützen. Pünktlich ab 12 Uhr gibt es den leckeren, regionalen Mittagspausen-Snack der WWF-Foodtruck-Köche.

KONTAKT

Roland Gramling

WWF Deutschland

Pressestelle

Tel. 030-311 777 425

roland.gramling(at)wwf.de

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