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Showdown am Amazonas

02. Juni 2017

Brasilien: Regierung steht davor Amazonas-Schutzgebiete aufzulösen / WWF appelliert an Merkel, sich für Erhalt des gemeinsamen Schutzprogramms einzusetzen

Abholzung am Amazonas © Zig Koch / WWF
Abholzung am Amazonas © Zig Koch / WWF

Brasília/Berlin: Der WWF warnt vor einem großen Verlust von Amazonas-Schutzgebieten in Brasilien. Die Umweltschützer verweisen auf eine Ankündigung von Präsident Michel Temer, in der kommenden Woche zwei Dekrete (MP 756/2016 und MP 758/2016) zu unterzeichnen und damit den Weg zu ebnen für die Verkleinerung von Schutzgebieten um 600.000 Hektar. Das entspricht mehr als der doppelten Fläche des Saarlands. Betroffen sind auch Teile des ARPA-Schutzgebietsprogramms, das maßgeblich von Deutschland mitfinanziert wurde. Der WWF appelliert daher an Angela Merkel, sich bei ihrem Amtskollegen Temer für den Stopp der Pläne einzusetzen, um den Regenwald und deutsche Investitionen zu retten.

 

„Präsident Temer steht massiv unter Druck. Trotzdem oder gerade deshalb arbeitet die Regierung nun noch radikaler an der Schwächung des Umweltschutzes. Im Schatten einer großen Korruptionsaffäre sollen auf die Schnelle die großen Geschenke an die Agrar- und Bergbauindustrie durchgeboxt werden“, resümiert Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. Der WWF sieht nicht nur die einmalige Biodiversität des Amazonas in Gefahr, sondern auch den brasilianischen Beitrag zu Pariser Klimaabkommen. Als wichtigster Geldgeber des Amazon Region Protected Areas Programme (ARPA) habe Deutschland ein besonderes Interesse, aber auch die Legitimität, auf den Erhalt der Schutzgebiete zu drängen.

 

Bei ARPA handelt es sich um das größte Tropenwaldschutzprogramm der Welt. Mit ihm konnten die geschützten Flächen im Amazonas verdoppelt werden. Jenseits der beiden Dekrete stehen nach Angaben des WWF eine Vielzahl weiterer Gesetzesinitiativen auf der Agenda, mit denen mittel- bis langfristig rund zehn Millionen Hektar Schutzgebietsflächen und zusätzlich Indigenen-Territorien in erheblichem Umfang für Landwirtschaft, Bergbau und Infrastrukturentwicklung aufgelöst, verkleinert oder im Schutzstatus gemindert werden sollen. Betroffen hiervon wäre unter anderem auch der größte Tropenwald-Nationalpark der Welt, der Tumucumaque-Nationalpark im Norden des Landes.

 

Der WWF setzt seine Hoffnungen in ein Veto von Michel Temer, da das Parlament seine Pläne zur Schwächung des Umweltschutzes stark verschärft hat. Die von ihm ursprünglich eingebrachten Fassungen wurden einseitig zugunsten der Bergbau-, Bau- und Agrarindustrie verändert. Temers Umweltminister Sarney Filho hatte zwischenzeitlich mit Abgeordneten beider Kammern sowie mit Vertretern der Industrie einen Kompromiss erarbeitet. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen wurden von den Parlamentariern jedoch ignoriert und sind in die abgeänderten Dekrete nicht eingeflossen.

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Immo Fischer

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