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Die GroKo muss das niedersächsische Wattenmeer schützen

29. November 2017

Umwelt- und Fischereiverbände fordern Beteiligung bei zukünftigen Planungen

Niedersächsische Umwelt- und Fischereiverbände lehnen die Ausbaupläne der neuen Landesregierung für Flüsse und Wattenmeer strikt ab. Sie fordern den Ministerpräsidenten Stephan Weil auf, sich stärker für den Schutz des Weltnaturerbes Wattenmeer einzusetzen. Die Landesregierung will laut Koalitionsvertrag die erneute Vertiefung der Außen-Ems, einen weiteren Ausbau der Weser sowie eine zweite Ausbaustufe des Jade-Weser-Ports vorantreiben. Gleichzeitig strebt die Große Koalition an, Flüsse und Meere als Lebensraum zu erhalten und die strengen Schutzziele der europäischen Wasser-Rahmenrichtlinie umzusetzen. „Wie die Ausbau- und Schutzziele miteinander in Einklang gebracht werden sollen, ist uns schleierhaft“, sagt BUND-Landesgeschäftsführer Carl-Wilhelm Bodenstein-Dresler. Eine weitere Vertiefung von Weser und Außen-Ems sei aus ökologischer Sicht unvertretbar und aus ökonomischer Sicht nicht zwingend erforderlich, so die Verbände. Da der Jade-Weser-Port – entgegen aller bisherigen Prognosen – bei weitem noch nicht ausgelastet sei, müsse er derzeit nicht weiter ausgebaut werden.

 

Problematisch sehen die Umwelt- und Fischereiverbände neben den Baggerungen – einschließlich des Wasserinjektionsverfahrens innerhalb des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer – vor allem die Verklappung von Feinmaterial aus den Flussmündungen von Ems, Jade, Weser und Elbe an den Grenzen des Nationalparks. Tiere und Pflanzen in diesem hochsensiblen Lebensraum werden dadurch stark beeinträchtigt, dementsprechend auch die Garnelen- und Muschelfischerei. „Die neue Landesregierung möchte die niedersächsische Fischerei unterstützen, ihre Fanggründe sicherstellen und das bestehende Verklappungsmanagement hinsichtlich Ökologie und Fischerei überprüfen - mit den angekündigten Flussvertiefungen und Baumaßnahmen sind diese Ziele jedoch unerreichbar“, weist Michaela Gubernator, Geschäftsführerin der niedersächsischen Muschelfischer, auf das Dilemma hin. Das Land will zudem die Gewinnung von Windenergie auf See ausbauen. Um die Energie von den Windparks möglichst umweltfreundlich ans Land zu leiten, müssen Kabelverbindungen gebündelt werden und neue Kabeltrassen dürfen den Nationalpark nicht mehr queren, fordern die Verbände.

 

Das Ausmaß der Sedimentbewegungen und insbesondere der Verklappungen von Baggergut im niedersächsischen Küstenmeer und in den Flussmündungen ist sehr hoch, viele Details sind den Verbänden – trotz direkter Betroffenheit – jedoch nicht bekannt. Daher haben sie die vorrangig zuständige Wasserstraßen- und Schiff­fahrtsbehörde um Auflistung der genauen Verklappungsmengen und -standorte gebeten. „Damit die Belange von Naturschutz und Fischerei endlich Berücksichtigung finden, fordern wir, uns zukünftig frühzeitig bei allen Planungen von Baggerungen und Bauvorhaben zu beteiligen“, so die Verbände. Und ebenso wichtig sei: „Das Land muss unter Beteiligung aller betroffenen Behörden sowie der Umwelt- und Fischereiverbände ein länderübergreifendes Konzept erstellen, mit dem Baggerungen und Verklappungen insgesamt deuttlich verringert werden.“ Dem im Koalitionsvertrag formulierten Ziel nach engerer Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden müssten nun konkrete Maßnahmen folgen.

Kontakt:

Britta König

Pressestelle

Tel: 040 530 200318

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