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„Houston“ kann auch in Deutschland sein

01. September 2017

WWF fordert „ökologisch und ökonomisch angepassten Hochwasserschutz". Kritische Infrastruktur in deutschen Risikogebieten.

Georg Rast

Anlässlich der dramatischen Bilder aus Houston und der großflächigen Überschwemmungen in Texas warnt Georg Rast, Referent für Hochwasser und Hydrologie beim WWF Deutschland:

 

„Eine Situation wie in Houston kann es bei gravierenden Starkregenereignissen auch in Deutschland geben. Bei einem derartigen Wetterereignis würde beispielsweise das Oberrheingebiet weitgehend unter Wasser stehen. Hierzulande sind in wenigen Tagen noch deutlich höhere Regenmengen möglich, als jene aus diesem Sommer im Raum Berlin oder im Harz. Alein die volkswirtschaftlichen Folgekosten wären immens. Die Überflutungen in Texas verdeutlichen, wie wichtiges es ist, den Flüssen ihren natürlichen Strömungsraum zu lassen.

 

Wir müssen uns der Grenzen eines ‚technischen Hochwasserschutzes‘ bewusst sein. Viele deutsche Großstädte, wie etwa Mannheim, Dresden oder Teile von Berlin, liegen in Hochwasser-Risikogebieten. Hinzu kommt kritische Infrastruktur wie Kläranlagen, Raffinerien oder Chemieparks. BASF in Ludwigshafen oder die Großraffinerie bei Karlsruhe wurden beispielsweise in Auen gebaut. Um gravierende ökonomische wie ökologische Folgeschäden zu vermeiden, muss diese Infrastruktur besser abgesichert und, wo das nicht möglich ist, notfalls auch zurückgebaut werden.

 

Es kann nicht sein, dass man nach einem Hochwasser in ausgewiesenen Risikogebieten beschädigte oder zerstörte Gebäude und Infrastruktur einfach wieder aufbaut – nur um dann bei der nächsten Flut erneut vor derartigen Problemen zu stehen. Eine strategisch ausgerichtete Raumplanung muss diesem Hochwasserrisiko deutlich höheren Stellenwert beimessen und auch politisch-rechtlich besser abgesichert werden.

 

Houston zeigt, dass es bei extremem, lang anhaltendem Starkregen nicht ausreicht, nur auf Rückhaltebecken zu setzen. Wer in Deutschland das Risiko von immer neuen, sogenannten Jahrhunderthochwassern deutlich verringern will, muss den Flüssen ihren natürlichen Raum zurückgeben. Ein Instrument hierfür sind Deichrückverlegungen im großen Stil, wie etwa in einem Projekt unter Leitung des WWF nahe Dessau.“

 

Weitere Informationen zu Deichrückverlegungen und Hochwasserschutz: http://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/elbe/projekt-mittlere-elbe/

WEITERE INFORMATIONEN

KONTAKT

Roland Gramling

WWF Deutschland

Pressestelle

Tel. 030-311 777 425

roland.gramling(at)wwf.de

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