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22.000 tote Schuppentiere in 14 Monaten

28. Oktober 2010

WWF: Schutzlose Schuppentiere sind leichte Beute. / Organisierte Schmugglerringe setzen Bestände zunehmend unter Druck.

 

Frankfurt - Nach einem aktuellen Bericht der Umweltschutzorganisationen WWF und TRAFFIC wurden innerhalb von nur 14 Monaten in Sabah, dem malaysischen Teil der Insel Borneo, rund 22.000 Schuppentiere gewildert, um den Nachschub für ein einziges Schmuggler-Syndikat zu befriedigen. „Die enormen Ausmaße der Wilderei sind schockierend. Die Summe der gewilderten Schuppentiere in Asien binnen eines Jahres dürfte in die hunderttausende gehen“, sagt Stefan Ziegler, Referent Artenschutz beim WWF Deutschland. Aus den Bestandteilen des Schuppentiers (auch Pangolin genannt) werden dubiose Allheilmittel hergestellt. Eine größer werdende, wohlhabende Mittelschicht in China und Südostasien befeuert mit steigender Nachfrage den Markt. „Die Reproduktionsrate der Schuppentiere ist zu langsam, als dass die Population der maßlosen Gier durch kriminelle Syndikate auf Dauer standhalten könnte“, warnt Ziegler.  

 

Um ein möglichst exaktes Bild über das Ausmaß der Wilderei zu erhalten, sichteten der WWF und TRAFFIC beschlagnahmte Unterlagen eines Schmugglerrings aus der Stadt Kota Kinabulu im Norden Borneos und befragte Wilderer und Jäger. Über 25 Euro zahlen Mittelsmänner den Wilderern pro Kilo Lebendgewicht für ein Pangolin. Bei durchschnittlich fünf Kilogramm Körpergewicht ist dies ein lukrativer Fang. Für die begehrten Schuppen gehen bis zu 40 Euro pro Kilogramm über den Ladentisch. Eine steigende Nachfrage trifft auf eine sinkende Population an Tieren. „Wenn die Preise nach oben gehen und mit der Wilderei mehr Geld verdient werden kann, nimmt der Jagddruck auf die Tiere zu“, sagt WWF-Experte Ziegler. „Die wehrlosen, vielfach sogar zutraulichen Tiere sind für Menschen eine leichte Beute.“  

 

Zwar ist die Jagd auf Schuppentiere in Sabah nicht prinzipiell verboten und unterliegt einem Genehmigungsverfahren. Eine solche Genehmigung wurde von den Behörden in den letzten Jahren allerdings nicht erteilt. Der  internationale kommerzielle Handel mit asiatischen Pangolinarten ist durch das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) komplett untersagt. Doch Wilderer und Schmuggler nutzen mangelhafte Kontrollen durch die Behörden für ihre kriminellen Machenschaften. Der WWF fordert entschlossenere und vor allem grenzüberschreitende Maßnahmen im Kampf gegen den illegalen Artenhandel und ein effektiveres Schutzmanagement der Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum.

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