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9. UN-Umweltgipfel in Bonn (19.-30. Mai 2008): Artenvielfalt auf der Kippe

30. Mai 2008

WWF: Trotz einiger Fortschritte wird der Gipfel das Artensterben wohl nicht stoppen

 

Eine Wippe mit einer Weltkugel vor dem World Conference Center Bonn zeigt an: „Unsere Welt ist nicht in Balance“. Damit bewertet der WWF vor dem Ende des UN-Gipfels den aktuellen Verhandlungsstand. Die Gespräche über die Konvention zur biologischen Vielfalt gehen am Freitag weiter. Das Ende der Konferenz ist noch offen. „Trotz einiger Fortschritte - der große Durchbruch ist leider ausgeblieben“, so WWF-Naturschutzexperte Jörg Roos in einer vorläufigen Bilanz. „Jetzt ist es an der Zeit für den von den Vereinten Nationen vorgeschlagenen Gipfel der Staats- und Regierungschefs. Damit würde der Bedeutung des Naturschutzes für die Weltwirtschaft und die Armutskämpfung Rechnung getragen.“  

 

Das weltweite Artensterben und die Zerstörung der Wälder und Meere wird nach Einschätzung des WWF auch nach Abschluss des zweiwöchigen UN-Umweltgipfels weitergehen. Die Weltgemeinschaft werde ihr Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 deutlich zu bremsen, kaum noch erreichen. Insbesondere in der Frage der Finanzierung seien keine entscheidenden Verbesserungen mehr zu erwarten. Der WWF fordert ein internationales Finanzregime mit klaren Zeit- und Zielvorgaben, um die Bewahrung der biologischen Vielfalt zu finanzieren.  

 

Positive Entwicklungen habe es in Bonn vor allem durch die Initiativen einzelner Staaten gegeben. So habe Kanzlerin Merkel mit ihrer Milliarden-Zusage für den internationalen Naturschutz ein gutes Signal gesetzt. Die Demokratische Republik Kongo und Brasilien haben in Bonn angekündigt, ihr Rettungsprogramme für den Regenwald auszuweiten. Und 62 Staaten, darunter Brasilien, Indonesien, Deutschland und die EU unterstützen eine neue WWF-Initiative, um die Zerstörung der Wälder bis 2020 zu stoppen. „Wir kämpfen in diesen Stunden noch dafür, dass diese Absichtserklärung als offizielles Ziel in der Konvention verankert wird“, so WWF-Sprecher Roos.  

 

Zu den Pluspunkten zählt der WWF, dass erstmals klare Kriterien zur Ausweisung von Schutzgebieten auf Hoher See beschlossen wurden. Weiterhin gibt es ein Verhandlungsmandat, um bis zum nächsten Treffen, das 2010 in Japan stattfindet, Regeln für den Zugang und die Nutzung von genetischen Ressourcen zu verabschieden (Access and Benefit Sharing, ABS).  

 

Trotz dieser Fortschritte in einzelnen Bereichen werde die Konferenz ihr großes 2010-Ziel wohl verpassen. „Die Gründe sind aber nicht nur bei dieser Bonner Konferenz zu suchen. In der Vergangenheit haben die meisten Staaten nicht ernsthaft daran gearbeitet, die Ziele der Konvention umzusetzen. Und wenn man sieht, wir hier um jedes Komma gestritten wird, dann bleibt wenig Hoffnung, dass sich das in Zukunft ändert“, so Roos. Jetzt stehe insbesondere auch Deutschland in der Verantwortung. „Die Bundesergierung hat hier ein gute Figur abegeben und viele neue Initiativen ins Leben gerufen. In den kommenden zwei Jahren stellt Deutschland die Präsidentschaft der UN-Konvention. In dieser Rolle kann und muss die Bundesregierung dazu beitragen, den Schutz von Arten, Wäldern und Meeren voranzubringen“, so Roos.

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