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Abgesang auf die Nordsee

04. Mai 2006

WWF kritisiert das Ende der Internationalen Nordseekonferenz

 

Hamburg/Göteborg, 4. Mai 2006-Die sechste Internationale Nordseekonferenz (INK), die heute und morgen in Göteborg tagt, wird zugleich das letzte Regierungstreffen dieser Art sein. Künftig soll der Schutz der Nordsee im Rahmen der EU-Meerespolitik verhandelt werden. Der WWF kritisiert das Ende der INK und fürchtet, dass die EU-Politik hinter deren Vereinbarungen zurückfallen wird. 'Um die Zukunft der Nordsee ist es schlecht bestellt', so WWF-Meeresschützer Stephan Lutter. Die Nordseekonferenz habe in der Vergangenheit richtungsweisende Beschlüsse gefällt - aber leider nur weniges davon umgesetzt. 'Jetzt drohen selbst die hehren Ziele im Dickicht der Brüsseler Politik verloren zu gehen.'

 

 

 

Der Ansatz der INK, die Anrainerstaaten eines Meeres an einem Tisch zu versammeln, sei in dieser Form einmalig. 'Die Konferenz gab Anlass zu großen Hoffnungen. Mit ihrem Ende verliert der Nordseeschutz sein wichtigstes Forum', so Lutter. Allerdings kritisieren die Umweltschützer die mangelnde Umsetzung der INK-Vereinbarungen. So haben erst drei von neun Staaten das 2001 verabschiedete Abkommen zum Verbot giftiger Schiffsanstriche ratifiziert. Ein ähnliches Schicksal droht einer Vereinbarung, mit der die Einschleppung fremder Arten und die chemische Verschmutzung durch das Ballastwasser der Schiffe reduziert werden sollte. Der WWF fordert die Länder auf, beide Beschlüsse umgehend umzusetzen.

 

 

 

In Göteborg treffen sich die Umwelt- und Verkehrsministerien der acht Nordseeanrainerstaaten sowie der EU-Umweltkommissar. Die Konferenz debattiert über eine umweltverträgliche Schifffahrt und nachhaltige Fischerei. Der WWF befürchtet jedoch eine mutlose Ministererklärung. 'Fortschritte für den Meeresschutz wird es bei dieser INK wohl nicht geben', so Lutter. Die Umweltschützer fordern ein Programm für eine saubere Schifffahrt vom Bau der Schiffe über klare Regeln für ihren Betrieb bis zum Schiffsrecycling. Der größte Handlungsbedarf bestehe jedoch in der Fischereipolitik. 'Trotz anders lautender Beschlüsse vergangener Nordseekonferenzen und der EU geht die Plünderung der Fischbestände weiter', so der WWF-Experte. Besonders deutlich werde dies beim Kabeljau, dessen Bestände unmittelbar vor dem Kollaps stehen. Trotzdem ist kein Fangstopp in Sicht. 'Für die Nordseefischerei ist es fünf nach zwölf. Doch die Regierungen stellen auf Stur.' Hinzu komme das ungelöste Beifang-Problem. So gehen beispielsweise pro Kilo Plattfisch über fünf Kilo ungewollter Beifang ins Netz. 'Dabei gibt es Alternativen, um den Beifang deutlich zu reduzieren', so Lutter.

 

 

 

Die Internationale Nordseeschutzkonferenz war 1984 ins Leben gerufen worden. 'Während wir auf Diagnose des Doktors warten, liegt der Patient im Sterben', hatte Prinz Charles 1987 anlässlich der 2. INK erklärt. 'Neunzehn Jahre und fünf Ministerkonferenzen später ist die Nordsee trotz einiger Fortschritte noch immer ein schwerkranker Patient', resümiert Lutter. Der WWF appelliert an die Regierungen der Anrainerstaaten und an die EU, endlich einen Überlebensplan für die Nordsee zu schmieden.

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