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Abholzung auf Madagaskar immer dramatischer

03. Juni 2009

Umweltschützer und Regierungsvertreter unterzeichnen dringenden Appell

 

Frankfurt - Mit einem eindringlichen Appell haben Vertreter mehrerer Staaten und Umweltorganisationen, darunter die Bundesrepublik Deutschland und der WWF, zum Stopp der Entwaldung Madagaskars aufgerufen. In einem gemeinsamen Communiqué machen die Unterzeichner auf die immer dramatischere Naturzerstörung aufmerksam, und fordern stärkere Bemühungen zum Schutz der Wälder.  

 

Besonders der illegale Holzeinschlag hat in den vergangenen Monaten extrem zugenommen, vor allem in den Schutzgebieten Masoala und Marojejey im Nordosten. Die Unterzeichner fordern sofortige und umfassende Schutzmaßahmen vor allem für diese Nationalparks, aber auch die anderen Waldgebiete auf Madagaskar. Umgehend müssten strengere Gesetze zur Kontrolle des Holzhandels und eine bessere Überwachung der Schutzgebiete umgesetzt werden. Die Regierung Madagaskars sei aufgefordert zu zeigen, dass sie es mit dem Naturschutz auf der Insel ernst meint.  

 

"Uns ist bewusst, dass die illegale Entwaldung ein altes Problem ist, gegen das die Regierung schon viel unternommen hat, allerdings sind die neuen Probleme hausgemacht", so WWF Madagaskar-Expertin Dorothea August. "Verantwortungslose kriminelle Holzhändler profitieren von den Schwächen der staatlichen Behörden. Das lässt Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Bemühungen Madagaskars aufkommen".

 

Sollte der illegale Holzeinschlag nicht gestoppt werden, droht ein einzigartiges Naturerbe der Erde zerstört zu werden. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es mehr endemische (also nur hier vorkommende) Arten. Madagaskar wird deshalb als achter Kontinent bezeichnet. Von den bisher entdeckten 109 Säugetierarten sind 80 Prozent endemisch, von 260 Reptilienarten sogar 95 Prozent. Nur noch 10 Prozent der einstigen Waldflächen, die den Hauptlebensraum darstellen, sind erhalten. Der Waldverlust bedroht insbesondere das Überleben der 30 nur auf Madagaskar vorkommenden Lemurenarten. Die ländliche Bevölkerung profitiert von der Naturzerstörung kaum, denn sie wird mit einem Bruchteil der international üblichen Marktpreise abgespeist.

 

"Das größte Problem ist der kriminelle Handel mit Holz, das ohne Herkunftsnachweis als Möbelstücke oder Papier vor allem in Europa und den USA landet", so Dorothea August vom WWF. „ Wir fordern aus diesem Grund bereits seit Jahren ein europäisches Gesetz, das die Holzhändler zu einem Nachweis verpflichtet, dass ihr Rohstoff aus legalen Quellen stammt“. Ein Entwurf für ein solches Gesetz wurde vor einigen Monaten vom EU-Parlament vorgelegt und muss nun die Hürde des EU-Agraministerrats nehmen.

 

Der WWF ist auf Madagaskar bereits seit seiner Gründung im Jahr 1963 aktiv. Die Erhaltung der Feuchtregenwälder und ihrer Artenvielfalt auf der Ostseite Madagaskars und der Aufbau von Schutzgebieten in Masoala und Marojejey bilden wichtige Arbeitsbereiche.

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