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Stand: 04.07.2015

#Essensretterbrunch: Das große Wegschmeißen stoppen

Trotz rekordverdächtiger Temperaturen von bis zu 37 Grad haben 2500 Menschen mit ihrer Teilnahme am #Essenretterbrunch am Samstag, 4.7. in Berlin ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung gesetzt. Bestückt wurde das außergewöhnliche Brunch-Buffet ausschließlich mit Lebensmitteln, die sonst in der Mülltonne gelandet wären, obwohl sie höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Zu der Aktion eingeladen hatten neben dem WWF auch die Welthungerhilfe im Namen der Initiative „Genießt Uns!“.

Schauspieler und WWF-Botschafter für die Kampagne #iamnature Andreas Hoppe erklärte bei der Eröffnung: „Deutschland braucht einen nationalen Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung. Wir müssen es schaffen, die Verschwendung in den kommenden Jahren mindestens zu halbieren. Hier sind natürlich nicht nur die Politik und die Unternehmen gefordert. Jeder Einzelne von uns kann etwas tun. Wir brauchen eine neue Wertschätzung für unser Essen.

Andreas Hoppe und Eberhard Brandes © WWF
Andreas Hoppe und Eberhard Brandes © WWF

WWF-Vorstand Eberhard Brandes ergänzt: „In Deutschland landen zu viele Lebensmittel auf dem Müll. Aufs Jahr gerechnet ist es derzeit so, als würden wir Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland in einen riesigen Acker umwandeln und die eingefahrene Ernte einfach in die Abfalltonne kippen. Diese gigantische Fläche geht der Natur weltweit verloren. Für unseren weggeworfenen Essensberg werden tropische Regenwälder gerodet und Savannen in Monokulturen umgewandelt. Zusätzlich befeuert Lebensmittelverschwendung den Klimawandel.“

Insgesamt konnten mit der Aktion rund eine Tonne Lebensmittel gerettet werden. So wurden 30 kg Kirschen zu Marmelade verarbeitet. Aus 1000 kg Gemüse schnippelten 200 Helfer unter Leitung des Koch und Politaktivisten Wam Kat und Mitarbeitern des Steigenberger Hotels am Kanzleramt leckere Salate und Suppen. Eingesammelt wurde es bei Bauern aus dem Berliner Umland und Brandenburg. Während das Gemüse aufgrund von „Schönheitsfehlern“ nicht in den Verkauf geht, können die Kartoffeln aus dem vergangenen Jahre im Handel derzeit nicht mit den neuen Frühkartoffeln konkurrieren und sind daher ebenfalls Ausschussware.

Bewegen Sie das Bild und sehen Sie sich die 360° Ansicht an.

Außerdem wurde CousCous (ebenfalls Ausschussware) als Beilage gereicht. In Deutschland gibt es immer noch ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf sogenannten „Trockenware“, obwohl Lebensmittel wie Reis, getrocknete Linsen, Zucker oder Salz bei richtiger Lagerung nicht schlecht werden können. Die über 100 kg Brote und Brötchen waren von Bäckereien aus Berlin und Brandenburg geliefert worden und hätten – da vom Vortag - ebenfalls nicht mehr verkauft werden können. Auch das Kaffee- und Teesortiment stammte aus Beständen die etwa aufgrund beschädigter Verpackung nicht an Kunden geliefert worden wäre.

Danke an die vielen Helfer

Helfer beim Essensretterbrunch © WWF
Helfer beim Essensretterbrunch © WWF

Nadja Flohr-Spence, die zuständige WWF-Referentin für die Initiative „Genießt uns!“ bedankte sich bei den Helferinnen und Helfern: „Ohne die tatkräftige Unterstützung von so viele Freiwilligen wäre dieser Rekord-Brunch bei Rekord-Temperaturen nicht zu stemmen gewesen. Trotz der Anstrengungen hat es unglaublich viel Spaß gemacht.“

Insgesamt gehen in Deutschland auf pro Jahr mehr als 18 Mio. Tonnen Nahrungsmittel verloren. Das entspricht fast einem Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs der Bundesrepublik. Das ist nur eine vorsichtige Schätzung.  Auch ohne den Einsatz neuer Technologien sind zehn der 18 Mio. Tonnen Lebensmittelverluste bereits heute vermeidbar - etwa durch verbessertes Management, nachhaltigere Marketingstrategien und veränderte Konsumgewohnheiten. Umgerechnet werden laut für die Verschwendung jährlich 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche benötigt. Das ist so, als würden wir Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland in einen riesigen Acker umwandeln und die eingefahrene Ernte einfach wegwerfen. Zusätzlich befeuert dieser riesige Essensberg den Klimawandel. Neben den gravierenden ökologischen Folgen ist auch der ethische Aspekt bedenklich. Im Schnitt werfen wir in Deutschland jede Sekunde 313 Kilogramm genießbare Nahrungsmittel weg, während weltweit fast eine Milliarde Menschen Hunger leiden.

Gerettete Radieschen © WWF
Gerettete Radieschen © WWF

Die Vermeidung von Lebensmittelverlusten durch Landwirtschaft, Handel und Verbraucher wäre also Ressourcen- und Klimaschutz. Seitens der Politik hat es in den vergangenen Jahren dazu nur vollmundige Ankündigungen gehört. Die Bundesregierung ist bisher untätig geblieben, obwohl alle im Bundestag vertretenen Parteien immer wieder versprachen, das Problem angehen zu wollen. Um die Politik zum Handeln zu bewegen hat der WWF daher eine entsprechende Petition gestartet. Verbindliches Ziel muss es werden, die Verschwendung in den kommenden Jahren um die Hälfte zu verringern. Wer also leider nicht beim Brunch dabei sein konnte, kann mit seiner Stimme für die Petition ebenfalls ein Zeichen setzenUnd natürlich ist nicht nur die Politik gefragt. Jeder Einzelne von uns ist gefordert. Wir brauchen eine neue Wertschätzung für unser Essen.

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