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Stand: 06.11.2015

„Zwischen Himmel und Eis“ - ab 26. November im Kino

Interview mit dem Regisseur Luc Jaquet

Zwischen Himmel und Eis ist ein sehr ruhiger, ein wenig melancholischer Film über den Klimawandel. Hätten sie Lust, mal einen Katastrophenschocker wie „The Day after Tomorrow“ zu drehen?

Nein. The Day after Tomorrow gibt es ja schon. Genauso wenig wollte ich eine Neuauflage von Al Gores „An Inconvenient Truth“. machen. Mir ging es darum, mich dem Thema aus einer historischen Perspektive zu nähern. Ich wollte zeigen, unter welchen übermenschlichen Anstrengungen es möglich war den Geheimnissen des Klimawandels im ewigen Eis der Antarktis auf die Spur zu kommen. Wenn man sich heute die Datenreihen anschaut, vergisst man leicht, welche Entbehrungen die Wissenschaftler auf sich genommen haben, um die und Messungen vorzunehmen. Ich bin froh, dass ich Claude Lorius als einen Zeugen des Klimawandels sprechen lassen konnte.

Ihr Film ist eine Hommage an den Glaziologen Claude Lorius. War er der erste, der den vom Menschen gemachten Klimawandel bewiesen hat?

Er war der erste aber nicht der einzige. Es gab eine ganze Reihe von Wissenschaftlern, die versuchten den lange vermuteten Zusammenhang zwischen der Industrialisierung und den Klimaveränderungen zu beweisen. In drei Aufsätzen in der Fachzeitschrift Nature führte Lorius den Beweis für den Zusammenhang zwischen den Klimaveränderungen und dem Kohlenstoffgehalt in der Luft. Mit den Eiskernbohrungen konnte er nachweisen, dass der Kohlenstoffgehalt seit etwa 1880 rapide zugenommen hat. Die Verbrennung fossiler Energien hat den natürlichen Klimazyklus völlig aus der Bahn geworfen. Um diesen Beweis zu führen, waren jahrzehntelange Forschungsarbeiten unter extremen Bedingungen nötig.

Luc Jaquet, Regisseur von „Zwischen Himmel und Eis“ © Wild Touch / Sarah del Ben
Luc Jaquet, Regisseur von „Zwischen Himmel und Eis“ © Wild Touch / Sarah del Ben

In Deutschland startet der Film im November, nicht ohne Grund kurz vor dem nächsten Klimagipfel in Paris. Was erwarten sie von den Verhandlungen?

Das Treffen ist eine Chance, mutige Entscheidungen zu treffen und Utopien zu verwirklichen. Die Weichen müssen völlig neu ausgerichtet werden. Ob das gelingt, ist fraglich. Ich glaube nicht, dass die Delegierten eine Einigung bewusst verschleppen. Es ist legitim, dass sie die Interessen ihres jeweiligen Landes vertreten. Nur kommen wir so zu keiner Lösung. Die Bekämpfung des Klimawandels geht jedoch über die Grenzen der Nationen hinaus. Deshalb kommen die Prozesse in ihrer bisherigen Form kaum voran. Die UN ist nicht das richtige Gremium. Wir brauchen größeren Druck aus der Zivilgesellschaft, um die Dringlichkeit des Problems noch weiter nach vorne zu rücken.

Die Folgen von 150 Jahren Industrialisierung wird man nicht in wenigen Jahren zurückdrehen können. Aber in die Energiepolitik ist doch vielerorts Bewegung gekommen. Wie halten sie von der Energiewende in Deutschland?

Der Ausstieg aus der Kohle und der Kernenergie ist eine mutige Entscheidung und eine der besten Ideen der Welt. Ich glaube in Deutschland hat man verstanden, dass mit einer Umstellung der Energieversorgung zugleich eine Technologieführerschaft verbunden ist, die für zusätzliche Impulse in der Wirtschaft sorgt. In Frankreich hat man das leider noch nicht kapiert. Gut für Euch, schlecht für uns.

Die Klimaszenarien für die Zukunft sind mehr als beunruhigend. Wenn die Polkappen komplett abschmelzen, würde dies zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 120 Metern führen. Glauben sie, dass sich das Schicksal noch wenden lässt?

Verzweiflung hilft nicht weiter. Es ist nicht mehr die Frage, ob man der Frage optimistisch oder pessimistisch gegenübersteht, sondern wie man da rauskommt. Die Menschheit muss verstehen, dass der Planet nicht alles aushält, was wir mit ihm anstellen. Wir müssen aufhören, gegen die Natur zu kämpfen, denn so bekämpfen wir uns letztlich selbst. Wir brauchen ein neues Verhältnis zu unserer Umwelt. Ob dieser Wandel gelingt, ist offen, aber die Geschichte hat gezeigt, dass Menschen immer dann am stärksten waren, wenn sie vor großen Herausforderungen standen. Die Abschaffung der Sklaverei, die Niederschlagung des Nationalsozialismus oder die französische Revolution sind dafür Beispiele. Das Über-sich hinauswachsen ist eine zutiefst positive Einstellung Menschen, die nur die Schuldfrage stellen , jammern und überfordert sind helfen uns nicht weiter.

Der Film ist ab 26. November im Kino zu sehen

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