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Delfinfreundlicher Fischfang und das Problem Thunfisch-Fischerei

Was bedeutet delfinfreundlich gefangener Fisch? Und was ist das Hauptproblem in der heutigen Thunfisch-Fischerei? 

Fischerei ist immer ein Eingriff ins marine Ökosystem und hinterlässt dort Spuren. Der WWF kämpft dafür, die ökologische Verträglichkeit der Fischerei auf Thunfisch zu verbessern. Dafür muss Fisch bestandserhaltend und umweltschonend gefangen werden. Umweltschonend beinhaltet auch, dass Beifang – egal ob Delfine, Schildkröten, Haie oder andere Fischarten die nicht gefischt werden sollten - so weit wie irgend möglich vermieden wird.

© naturepl.com / Mark Carwardine / WWF
© naturepl.com / Mark Carwardine / WWF

Fischerei auf Gelbflossen-Thunfisch – auf der Spur von Delfinen

Im Ostpazifischen Ozean – vor den Küsten Ecuadors und Kolumbiens - schwimmen Thunfisch-Schwärme häufig gemeinsam mit Delfin-Schulen. Die Gelbflossen-Thunfische schwimmen dabei etwa 100 Meter unter den Delfinen. Dieses Phänomen ist ausschließlich in dieser Meeresregion zu beobachten. Fischer dieser Gegend nutzten daher die leicht sichtbaren Delfine, um die Thunfische zu finden und zu fangen. Das führte in den 1980er Jahren zu dramatisch hohen Beifängen. Mehr als 200.000 Delfine starben jedes Jahr im Thunfischfang. Aufgrund weltweiter Proteste gegen den sinnlosen Tod der Delfine wurde die Fischerei verändert und seit 1999 für diese Region ein strenges Delfinschutzprogramm AIDCP (Agreement on the International Dolphin Conservation Program ) in Kraft gesetzt. Seitdem ist vorgeschrieben: 

  • Die Netze müssen so konstruiert sein, dass Delfine Fluchtmöglichkeiten haben.
  • Taucher sorgen dafür, dass Delfine, die versehentlich doch mit Netzten zusammengetrieben wurden, lebend wieder frei gesetzt werden, bevor das Netz zusammengezogen und an Deck gehievt wird.
  • An Bord jedes Thunfischfängers müssen immer unabhängige Beobachter mitfahren und die Einhaltung der Schutzmaßnahmen überwachen und dokumentieren. Die Daten werden an die zuständige Fischereibehörde übermittelt. 

 

Die Delfinbeifänge im Ostpazifik konnten so drastisch reduziert werden. Bei 93 Prozent der Fangausfahrten in 2009 haben die Fischer keinen einzigen Delfin getötet oder schwer verletzt. WWF und Greenpeace erkennen das AIDCP-Delphinschutzprogramm als streng und wirksam an. Der WWF bewertet diese Ringwadenfischerei auf Gelbflossenthunfisch als eine der umweltverträglichsten Thunfisch-Fischereien weltweit, da kaum Beifang bedrohter Arten anfällt. Es gehen große Gelbflossenthunfische in die Netze, da sich in den Schwärmen nur ältere Tiere sammeln, die sich bereits fortgepflanzt haben und zum Erhalt des Bestands beigetragen haben. Die Fischerei schont so Thunfisch-Nachwuchs und andere Meereslebewesen. 

© Jürgen Freund / WWF
© Jürgen Freund / WWF

Dolphin Safe Siegel

1990 erließen die USA die Vorschrift, dass nur „dolphin safe“, also delfinsicher gefangener Tunfisch weiter auf ihrem Markt verkauft werden durfte. „Dolphin safe“ bedeutete, dass die Tunfische nicht durch Bejagen der Delfine gefangen werden durften.

 

Von der amerikanischen Nichtregierungsorganisation Earth Island Institute (EII) wurde in dieser Zeit ein Programm entwickelt, das Verbrauchern über ein Siegel auf der Thunfischdose angezeigt, dass der Fisch ohne Verfolgung von Delfinen gefangen wurde. Viele Dosenthunfisch-Unternehmen wurden Teil dieses Dolphin-Safe-Programms und konnten so ihre Produkte wieder auf den US-Markt verkaufen. Das Siegel ist auch in Deutschland weit verbreitet. Um das Siegel auf dem Produkt führen zu dürfen, reicht die schriftliche Bestätigung des Kapitäns eines Thunfischfängers, dass er keine Delfine getötet hat.

Hauptproblem in der weltweiten Thunfisch-Fischerei: Lockbojen

Der Beifang von Delfinen ist seit den 80 Jahren drastisch zurückgegangen. Das Beifangproblem hat sich aber auf andere Arten verschoben. Die meisten Thunfisch-Fischereien setzen inzwischen Lockbojen ein, sogenannte Fish-Aggregating-Devices (FADs). Diese vereinfachen den Fischfang, weil sie Fischschwärme anziehen.  Außer dem gewünschten Thunfisch locken diese auch andere Meerestiere, Jungfische und bedrohte Arten an, die dann mit in großen Ringwadennetzen  aus dem Wasser gezogen werden. Allein im Östlichen Pazifik werden in dieser Fischerei pro Jahr etwa 30.000 gefährdete Hochseehaie wie Hammer- und Seidenhaie beigefangen. Darüber hinaus verenden Schwertfische, Rochen, vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröten und junge Großaugen- und Gelbflossenthunfische in den Netzen. Der Beifang von Jungfisch kann bis zu einem Viertel des Fangs ausmachen. Produkte aus solchen Fischereien dürfen das „Dolphin-Safe“ Siegel tragen, da ja keine Delfine beigefangen werden – für umweltverträgliche Fischerei, die Fische und Meeresbewohner schon, steht das Siegel also nicht.

 

 Das Grundproblem der Thunfisch-Fischerei ist ihr Ausmaß: Die Ringwadenfischerei  auf Thunfisch, bei der Lockbojen eingesetzt werden, hat im letzten Jahrzehnt ihre Fangkapazität verdoppelt. Die biologischen Grenzen der Thunfisch-Bestände wurden längst erreicht. Die meisten Bestände sind bis an ihre Grenze befischt oder überfischt. Auch hat die rigorose Fangtechnik maßgeblich dazu beigetragen, dass die Populationen vom Blauhai, Seidenhai und Weißspitzenhochseehai im Pazifik drastisch zurückgegangen sind. Der Beifang von jungem Thunfisch ist kritisch, denn dieser Nachwuchs wird gebraucht, um den Bestand für die Zukunft zu erhalten.  

Thunfisch für Verbraucher 

Was können Sie als Verbraucher tun? In der Regel werden genaue Herkunft und Fangmethode nicht auf die Dosen gedruckt. Diese Infos aber sind entscheidend. Daher empfiehlt der WWF grundsätzlich:   

 

a) Thunfisch mit MSC-Siegel bevorzugen (bislang noch wenig verbreitet),   

 

b) wenn Fangmethode und Herkunft auf der Dose stehen, beide Angaben mit dem WWF-Fischratgeber vergleichen und nur Thunfisch mit grüner Bewertung wählen. 
Zum Fischratgeber >>


Grundsätzlich gilt für Thunfisch: lieber seltener und als besondere Delikatesse genießen.    

   
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