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Mehr tun für Thun

WWF-Modellprojekt auf den Philippinen hilft Fischen und Fischern

Thunfisch ist gesund und beliebt. Doch 60 Prozent der Bestände gelten heute als überfischt. Deshalb geht der WWF auf den Philippinen neue Wege – zum Vorteil für Fisch und Mensch.

© Catherine Zucco / WWF
© Catherine Zucco / WWF

Weil immer mehr Menschen Thunfisch bevorzugen, wird auch immer mehr nach ihm gefischt. Allein die Fangkapazität der Fischflotten mit Ringwadennetzen ist im vergangenen Jahrzehnt weltweit um fast 50 Prozent ausgebaut worden – oft mit Hilfe staatlicher Subventionen.

 

Doch diese zusätzlichen Schiffe fingen im selben Zeitraum nur noch etwa zehn Prozent mehr Thunfisch. Das zeigt, dass die Produktivität der Bestände längst voll ausgeschöpft ist. Von den 23 großen Beständen weltweit gelten 14 sogar als überfischt. Besonders betroffen sind beliebte Thunfischarten wie der Rote Thun, der Großaugenthun und der Gelbflossenthun, die gerne zu Sushi und Sashimi-Produkten weiter verarbeitet werden.

 

Die meisten Thun-Fischereien schaden außerdem durch Beifang von Haien, Meeresschildkröten und jungen Thunfischen dem Meeresökosystem. Insbesondere die Fangmethoden, die in großen industrielleren Fischereien eingesetzt werden, wie Ringwaden mit Lockbojen oder Langleinen mit Tausenden von Haken, sind problematisch.

© Georg Scattolin / WWF
© Georg Scattolin / WWF

Dabei gibt es Fangmethoden, die weitaus weniger Auswirkungen auf die Umwelt haben. Dazu gehören Handleinen, die von Kleinfischern auf traditionellen Booten benutzt werden. Hierfür werden einzelne Haken mit einem Köder eingesetzt. Durch den Einsatz der Handleinen in tieferen Wasserschichten wird sichergestellt, dass sehr gezielt große, ausgewachsene Thunfische gefangen werden, die sich bereits fortgepflanzt haben. Der Beifang in dieser Fischerei ist sehr gering.

Nur so viel fangen, wie nachwächst

Der WWF hat deshalb auf den Philippinen in den Regionen Bicol und Mindoro ein neues Projekt gestartet, das langfristig für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Fischerei des Gelbflossenthuns in den Küstenregionen der Philippinen sorgen und zugleich den Lebensunterhalt der Küstenfischer und ihrer Familien sichern soll.

 

Demnächst beginnt der Zertifizierungsprozess, damit diese Fischerei 2014 mit dem Umweltsiegel des MSC ausgezeichnet werden kann. Dafür muss sie bestimmte Bedingungen erfüllen: Die Fangmethode muss die Umwelt schonen und es darf nur so viel gefangen werden wie nachwachsen kann.

 

Der Gelbflossenthun wird von den Kleinfischern bereits umweltschonend mit selektiven Handleinen gefangen. Allerdings gibt es bislang kaum Daten über die Zahl der Fänge von Thunfischen in der Region und keine ausreichende Regelung der Fischerei in den Fanggründen – beides notwendig, um die genauen Fangmengen zu ermitteln, die der Bestand verkraftet. Der WWF arbeitet deshalb seit Anfang dieses Jahres eng mit den Fischern, lokalen Fischereibehörden und Verarbeitern vor Ort zusammen, um alle Informationen systematisch zu erfassen.

© Gregg Yan / WWF
© Gregg Yan / WWF

8.000 Fischer machen mit

Insgesamt werden in Bicol und Mindoro alle Handleinenfischer – etwa 8.000 Fischer mit 2.200 Fangbooten – in das Projekt eingebunden. Mehr als 400 dieser Boote sind bereits offiziell registriert, dokumentieren ihre Fänge und können inzwischen Fangzertifikate nachweisen, die über Herkunft und Fangzeitpunkt Auskunft geben. Das ist auch die Voraussetzung, um den Fisch in EU-Länder importieren zu können. Bis Ende 2011 soll damit die Rückverfolgbarkeit der gesamten Handleinen-Fischerei in den Projektregionen sichergestellt werden. Der WWF unterstützt lokale Fischereibehörden und Fischer, damit auch die restlichen 1.800 Fangboote so schnell wie möglich registriert werden.

 

Jose Ingles, 55, Thunfisch-Experte des WWF Philippinen: „Im Moment werden noch oft junge Thunfische gefangen, bevor sie sich überhaupt fortpflanzen können. So können sich die Bestände nicht erholen. Im Rahmen des Projekts wurde deshalb erstmals eine Mindestgröße von 20 Kilogramm pro Fisch festgelegt. Damit wird sichergestellt, dass nur ausgewachsene Thunfische gefangen werden, die sich bereits fortgepflanzt haben.“

 

Da in der Handleinen-Fischerei gezielt nur einzelne, große Thunfische gefangen werden und pro Boot vier bis fünf Fischer im Einsatz sind, ist der Aufwand im Vergleich zum Ertrag hoch. Dieser Thunfisch ist deswegen auch teurer als der aus Ringwaden-Fischerei mit Lockbojen. Diese fangen mit relativ geringem Aufwand viel Thunfisch. Allerdings hat diese Fangmethode dafür einen hohen ökologischen Preis. Es werden viele andere Meerestiere und Jungfische als ungewollter Beifang mitgefischt – oft sogar „Baby-Thunfische" von gerade mal 500 Gramm.

 

„Deshalb“, sagt Jose Ingles, „sollten künftig die Fischquoten anhand der Stückzahl und nicht anhand des Gewichts festgelegt werden. Außerdem müssen wir durch Markierungen herausfinden, woher unsere Thunfische kommen, um ihre Laichgebiete für den Fang zu sperren.“

Zwei Maßnahmen konnte der WWF bereits erfolgreich in der gesamten Thunfischerei auf den Philippinen durchsetzen: Die Mindestgröße der Netzmaschen wurde von 2,5 auf 7,6 Zentimeter erhöht. Außerdem müssen sämtliche Boote, die länger als 24 Meter sind, von einem staatlichen Beobachter begleitet werden.

Modell für andere Regionen

Firmen müssen allerdings bereit sein, für solch nachhaltig gefangenen Thunfisch im Einkauf mehr zu zahlen. Im WWF-Projekt auf den Philippinen haben sich die europäischen Firmen Bell, Coop und Sea Fresh als Partner langfristig verpflichtet, den Handleinen-Thunfisch in Europa zu vermarkten. Sie co-finanzieren das Projekt ebenso wie die Deutsche Entwicklungs- und Investitionsgesellschaft (DEG). Der WWF hofft, dass der erste Thunfisch aus dem Projekt bald auch in Deutschland erhältlich sein wird.

 

Weil Thunfische ganze Ozeane durchwandern, ist es wichtig, dass ihre Bestände nicht nur lokal, sondern auch regional nachhaltig gemanagt werden. Zu diesem Zweck sollen Thunfischmanager auf den gesamten Philippinen geschult werden. Das WWF-Förderprojekt für eine nachhaltige Thunfisch-Fischerei fungiert dabei als Lernmodell für andere Regionen.

 

Das Fischerei-Management soll demnächst auch grenzüberschreitend in Südostasien verbessert werden. Der WWF arbeitet bereits mit den Regierungen Indonesiens und Papua Neuguineas zusammen, damit auch dort die Fangmengen des Thunfisches auf ein nachhaltiges Niveau begrenzt werden.

   
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