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Stand: 13.02.2017

Gibt es Hoffnung für die Saigas?

In der West-Mongolei scheint gerade ein Erfolgsgeschichte des Naturschutzes in atemberaubender Geschwindigkeit zu sterben. In jahrzehntelanger Arbeit wurde der Bestand der Saiga-Antilope, die es nur in dieser Region gibt, von fast ausgestorben auf über 14.000 Tiere hochgepäppelt. Trotz Wilderei, Klimawandel und Lebensraumverlust. Jetzt droht ein Virus alles zu vernichten. Er heißt "Pest der kleinen Wiederkäuer" und wird durch Haustiere wie Schafe und Ziegen übertragen. Tausende der Saigas sind seit Anfang des Jahres schon verendet. Für die Naturschützer und die WWF-Ranger ist es ein Rennen gegen die Zeit – bei eisiger Kälte.

Infizierte Saiga-Antilope © Buuveibaatar Bayabaatar / WCS
Infizierte Saiga-Antilope © Buuveibaatar Bayabaatar / WCS

In dieser Jahreszeit ist es für die WWF-Ranger sehr schwierig, unterwegs zu sein. Die Temperaturen liegen bei minus 20 Grad Celsius. Zwölf Saiga-Ranger des WWF sind trotz der beißenden Kälte pausenlos im Einsatz - auch dank Ihrer Unterstützung. Sie suchen zum Beispiel in der scheinbar unendlich weiten Steppe nach verendeten Tieren. Der Virus darf sich nicht weiter verbreiten. Deshalb müssen die Kadaver umgehend entfernt und zu einem der sieben Massengräber gebracht werden. Die Fundstätten werden desinfiziert.

Verendete Saigas müssen in Massengräbern verbrannt werden. © Buuveibaatar Bayabaatar / WCS
Verendete Saigas müssen in Massengräbern verbrannt werden. © Buuveibaatar Bayabaatar/WCS

WWF-Ranger überwachen gemeinsam mit 21 ausgewählten Hirten aus Gemeinden besonders wichtige Gebiete zum Schutz der verbliebenen Saiga-Antilopen und der Mongolischen Gazellen. Sie passen darauf auf, dass in solchen Gebieten die Hirten ihre Herden nicht mehr weiden lassen. Die WWF-Ranger verteilen Flugblätter. Noch nicht geimpfte Tiere müssen die Hirten dringend immunisieren lassen. Auch das Monitoring geimpfter Tiere gehört zu den Aufgaben der Ranger. Einige Chargen der importierter Impfstoffe bieten anscheinend keinen ausreichenden Schutz. Noch ist der Grund nicht bekannt. Vielleicht handelt es sich um Fälschungen oder die Qualität des Impfstoffes ist nicht ausreichend. 

Außerdem sorgen die Ranger dafür, dass niemand die Hörner toter Antilopen mitnimmt und damit den Virus weiterverbreitet. In China werden Saiga-Hörner für medizinische Zwecke gesucht – und für viel Geld verkauft. In der Hauptstadt Ulan Bator wurde eine Gruppe von fünf Wilderern festgenommen. Sie hatten versucht, 78 Hörner von Saigas zu verkaufen.


Die Situation der Saigas ist leider noch dramatischer als zunächst befürchtet. Nach Aussage des führenden Epidemiologen Prof. Richard Kock vom Royal Veterinary College der Universität London droht das Massensterben der Saiga. Die Krankheit könnte auch auf andere wildlebende Huftiere überspringen.

Einer der WWF-Feldposten in der West-Mongolei © Buuveibaatar Bayabaatar / WCS
Der WWF-Feldposten in der West-Mongolei © Buuveibaatar Bayabaatar / WCS

Die Regierung der Mongolei hat einen Katastrophenstab eingerichtet,  in dem alle relevanten Ministerien und Behörden zusammenarbeiten. In diesem Komitee gibt es wiederum eine Arbeitsgruppe, die sich aus Experten der Regierung sowie dem WWF und der WCS (Wildlife Conservation Society) zusammensetzt. Hier werden Maßnahmen zum Wildtierschutz entwickelt. Die mongolische Regierung hat für solche Maßnahmen ein erstes Budget in Höhe von 447.000.000  Tugrik (umgerechnet ca. 169.000 Euro) zur Verfügung gestellt. Das reicht für wenige Wochen.

 

Die drei bisher nicht betroffenen Saiga-Populationen leben im äußersten Nordwesten des Verbreitungsgebietes, im äußersten Süden und am Jargalant-Gebirge im Kreis Mankhan. „Unsere Hoffnung ist, dass diese drei kleineren Populationen der Saigas, die bislang noch nicht von der Krankheit infiziert wurden, weiterhin gesund bleiben“, sagt WWF-Experte Markus Radday. Hoffnung, die momentan alle nötig haben. 

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