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Alarmierender Anstieg der Nashorn-Wilderei

10. Januar 2008

Im politisch instabilen Simbabwe wird Wilderei zur wichtigen Einnahmequelle. WWF verstärkt seine Schutzbemühungen

 

Frankfurt - In den Schutzgebieten des afrikanischen Staates Simbabwe werden immer mehr bedrohte Spitzmaulnashörner von Wilderern erschossen. Besonders im Südosten hat das illegale Töten seit dem Jahr 2000 rasant zugenommen. „Vorher war Nashorn-Wilderei in Simbabwe kaum ein Problem, aber seit die Bevölkerung sich in Schutzgebieten ansiedeln darf, sind landesweit mindestens 67 Tiere gewildert worden“, sagt WWF-Expertin Vera Reifenstein. Hinzu kämen allein im Lowveld-Schutzgebiet 66 Nashörner, die mit Fallen gefangen und dabei zum Teil schwer verletzt worden seien. „Die Wirtschaft Simbabwes liegt am Boden, die Versorgungslage ist katastrophal“, so Reifenstein. „Die Verlockung ist groß, sich an Nashörnern zu vergreifen.“ Auf den Schwarzmärkten Asiens, wo pulverisiertes Nasenhorn hauptsächlich nachgefragt wird, zahlt man mittlerweile für das Horn mehr als für Gold. Der Bestand der Spitzmaulnashörner wird auf weltweit höchstens 3.700 geschätzt.      

 

Eigentlich verfolgen die Schutzgebiete in Simbabwe ein innovatives Konzept: Sie stehen unter kommunaler Selbstverwaltung. Die lokale Bevölkerung bildet Gruppen, die eigenständig die Verantwortung für ein Gebiet und seine Ressourcen tragen. So teilen sie die Güter gemeinschaftlich, sind aber auch für deren Erhalt zuständig. „Dadurch ist die soziale Kontrolle erheblich und Tiere und Pflanzen haben gute Chancen, weil sich die Menschen vor Ort mit ihrem Gebiet identifizieren“, so WWF-Expertin Reifenstein. In der derzeitigen Situation Simbabwes sei es damit jedoch nicht getan.  

 

Deshalb hat der WWF sein Engagement im Lowveld-Schutzgebiet verstärkt, in dem ein Zehntel der Weltpopulation lebt. Die Nashörner werden durch Sender und Spurenleser beobachtet. Der WWF hat außerdem einige Tiere in sicherere Gegenden gebracht und besonders gefährdeten Exemplaren vorsichtshalber das Horn abgenommen, damit sie für Wilderer wertlos sind. „Außerdem haben wir Eingreiftruppen gebildet, klären die Menschen auf und helfen, wildtierfreundliche Alternativen für die Landnutzung zu entwickeln“, sagt Vera Reifenstein.  

 

Trotz der Wilderei sei es so gelungen, dass die Population in Lowveld wächst: um bis zu zehn Prozent pro Jahr. „Das sind Rekordwerte“, freut sich WWF-Expertin Reifenstein. „Sie zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir dürfen allerdings in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, sonst gewinnen die Wilderer die Oberhand.“

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